Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 9 (1873) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
9 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/10555104-9578369-9578395--29-9578397
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

38 Einnahme pro 1873. I. v. d. Walde in Wittlich, I. Baum in Bosen, G- Sender in Tholey, Rothschild in Worms, Herzfeld in Wörrstadt, H. Meyer in Salzkotten, Wolfsdorf in Erwitte je 10 Sgr. (pro 1873). Neue Mitglieder: S. Weintraub und Lehrer Hofch in Neiffe, Kaufmann in Jüfeld, Frank in Hechingen, Lichtenberg in Braunfchweig, Braun in Stadtberge (je 1 Thlr. pro 1872 und 1873); Bendix in Dorstfeld, Steimveg in Lengerich, Oppenheimer in Werl und Mansbacher in Gelsenkirchen je 20 Sgr. Rheda, den 6. Juni 1873. Der Rechner fl. Steiniücg. Eorrespvnüenz. Ingelheim. Wenn wir Beweise dafür suchen, daß die jüdischen Gemeinden der Gegenwart ihre Pflicht gegen die Lehrer leider schlecht erfüllen, so finden wir sie in dem Umstande, daß leider wieder zwei der tüchtigsten und strebsamsten unserer jungen Collegen den Schulstab niedergelegt haben, um in den mehr Erfolg und größere Freiheit verheißenden Dienst Merkurs überzutreten. Hr. Benjamin Heidingsfelder, der soeben sich vermählte, früher Lehrer und Jnstitutsvorsteher in Echzell mtb Nidda in Oberhessen, gründete eine Schreibmaterialen - handlung und Annoncenagentur in Gießen und Lichtenberg, früher in Ruhrort, dann in Braunschweig, tritt eine Reisestelle in einem Leinengeschäft an. Valet dem Lehrerstande, nachdem man ihm Jahre lang mit Begeisterung angehört — es ist ein grausames Wort, und doch,'wir können den Männern leider nur zustimmen —! Mögen sie in der Freiheit des kaufmännischen Berufes ihrer Collegen und der edlen Strebungen und Ziele nicht vergessen, die uns verbunden. Wir reichen ihnen schmerzlich bewegt, doch voll frohen Muthes auf ihre glückliche Zukunft die Freundeshand. — Mögeir sie unser allezeit freundlich gedenken und auch als Diener des Merkur mit uns arbeiten am Höchsten: an der Verherrlichung des freien, fortschreitenden Judenthums und an der Hebung der Schule. Aus Kaäcn. Der „Oberrheinischen Schulzeitung" entnehmen wir folgenden Nachruf: Am 20. Mai verschied plötzlich an einem Herzschlage der israelitische Hauptlehrer Maier Weil zu Mannheim. Mit seinem Hingange hat unser Land den Verlust eines der tüchtigsten und edelsten Volksschullehrer zu beklagen. Geboren 1823 in Schmieheim, recipirt 1841, war derselbe von seiner Reception an bis 1851 zu Karlsruhe als Hilfslehrer thätig; von 1851 bis 1857 war er zu Mannheim als Unterlehrer und von da an bis zu seinem Tode als Hauptlehrer angestellt. Seine ganze Kraft ausschließlich seinem Berufe zuwendend, dem er sich mit sittlichem Ernst und der lautersten Begeisterung unablässig hingegeben, hatte Weil von je in seiner Schule das Ausgezeichnetste von Leistungen aufzuweisen, indem er nicht nur durch wunderbare Klarheit die Jugend fesselte und förderte, sondern auch durch herzliche Theilnahme und feinen Tact das schönste Verhältniß zwischen sich und seinen Schülern herstellte. Jeder der Letzteren hat es jeweils von der ersten Stunde an gefühlt, daß er von einem Ehrenmanne unterrichtet und geleitet wird. Als mit Ostern 1870 die Volksschulen Mannheims vereinigt wurden, trat er mit den übrigen Lehrkörpern der gemeinschaftlichen Schule, er selbst als ältester unter ihnen, auch in den Ortsschulrath des letzteren ein. Das Gedeihen dieser Schule war ihm zu jeder Zeit ein wahres Herzensanliegen, und seiner Thätigkeit, seiner Biederkeit und seinem Tacte ist es mit zu danken, daß so Manches, was die Vereinigung der Schule als störendes Moment hätte begleiten können, entfernt geblieben. Selbstlos und uneigennützig hat er sich jeder Arbeit unterzogen, während er aber auch von seinen Amtsgenossen ernstlich die Erfüllung der Berusspftichten verlangte, und vor Freude weinen konnte, wenn er etwa bei einer Prüfung Zeuge von den tüchtigen Leistungen eines ehrenwerthen Amtsbruders war. Seine Stellung in den socialen und politischen Bewegungen unserer Zeit, die er in Mannheim so entschieden eingenommen, war seinem Herzen von echter Humanität' und warmer Vaterlandsliebe dictirt, und die deutsche Pflicht war ihm die beste Weisheit in der Politik. Die Biederkeit und Zuverlässigkeit, die Noblesse seiner Gesinnung hat unserem Weil die Achtung der ganzen Stadt Mannheim, die Liebe aller seiner Collegen und die Anerkennung der Behörde in vollem Maße erworben, und sein Andenken bleibt ein gesegnetes bei Allen, die ihn gekannt. Aus äem Großßerzogtkimn Aesten, im Mai. Der Schulgesetzentwurf wird bereits im Gesetzgebungsausschuß unserer Stände berathen und wir gestatten uns daher, diejenigen Punkte, welche insbesondere für uns als Israeliten Bedeutung haben, hier zu berühren. Wenn auch in der einen oder anderen Weise der Entwurf noch eine Umgestaltung erfahren dürste, ehe er Gesetz wird, so ist doch die Tendenz desselben unverkennbar eine so humane, daß wir erwarten dürfen, es werden bei der Durchführung alle gerechten Wünsche in Bezug auf die Gleichstellung der Juden Berücksichtigung finden. Art. 4 besagt, daß die öffentlichen Volksschulen gemeinsame Schulen sind; d. h. sie sind für die Kinder sümmtlicher Angehörigen der politischen Gemeinde und sind die Kosten dieser Schulen von der politischen Gemeinde zu tragen. „Sind mehrere Schulen und verschiedene Confessions-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.