Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1873-1874
- Issue
- 8 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 übt wurde, liegt der rabbinischen Jnspection des Hrn.vr. Enoch zu Fulda mehr, als unsere Kinder zu deutsche, für die Welt und ihre heutigen Anforderungen befähigte Kinder auszubilden. Diese fromme Anschauung dieses Herrn trat denn auch in ganz officieller Weise bei den: stattgehabten Examen zu Tage, indem er Fragen, wie: „Wie viel muß man essen, um Brocho darüber zu machen?" „Wie viel muß man gegessen haben, um benschen zu müssen?" an die Kinder richtete. — Das sind allerdings vorsündfluthige Zustände, die die bittern, aber stets erfolglos gebliebenen Klagen der Einsichtsvollen nur zu sehr rechtfertigen. Mit dem Provinzialrabbinen geht das Landrabbinat Hand in Hand. Bei einer nationalfestlichen Gelegenheit sollte an einem Freitagabend von der jüdischen und christlichen Jugend ein Fackelzug veranstaltet werden. Die Vorbereitungen waren schon getroffen, als in einigen, vom Geiste des Fuldaer Bischofs getragenen Köpfen sabbathliche Bedenken dagegen erhoben wurden. Die Verlegenheit des Vorstandes, der christlichen Bevölkerung gegenüber, war groß. Was thun? Um Allen gerecht zu werden, beschloß man, ein rabbinisches Gutachten einzuholen. Man überging wohlweislich die Stadt der Bischofsversammlungen, und frug telegraphisch in Cassel an. Man wähnte, daß der Landrabbiner, weiland Mitglied der Synode, schon um des alten Rufes iioji oon cy willen, und wesentlich "01717 ’on 'jsa, die Frage im Sinne des Vorstandes beantworten würdet) Die Rückantwort von Cassel fiel — verneinend aus. — Wir scheiden damit von den braven Barchfeldern, indem wir ihnen den guten Rath ertheilen: Helft Euch selber, dann wird Euch Gott helfen! Folget den Eingebungen des gesunden Menschenverstandes, und Ihr werdet in allen Euren Verhältnissen glücklicher sein! Und seid Ihr einmal im Zweifel, könnt Ihr Euch nicht selber Helsen — dann fraget bei unabhängigen, interesselosen und wahrheitsliebenden Menschen an, die werden Euch im Sinne der Wahrheit und der Bildung unserer Tage ein Urtheil fällen. C£uod erot demonstrandum! Literarisches. Geschichtsbilder zum Gebrauche der Volksschule von M. Müller, Professor am Lehrerseminar in Meersburg. *) Selbstverständlich! Der Rabbiner vr. Adler konnte nicht anders antworten. Aber die Leute in Barchfeld hätten wissen sollen, was eine bekannte Anecdote recht schön illustrirt. Fromme Juden trafen einen „neuen" Rabbi bei trefenem Käse im Wirthshause. „Darf man beim christlichen Wirthe Käse essen?" fragen sie ihn. „Nein", war die Antwort. „Aber der Rabbi ißt doch selber", sagen sie verdutzt. „Ich? ich habe auch nicht gefragt." Redaction. Freiburg im Breisgau, Verlag von Franz Jos. Scheuble, 1872. Sehr wohl abgerundete und gut angelegte Lebensbilder der Geschichte zur Lectüre und gedächtnißmäßigen Behandlung. Grundriß der Geschichte der deutschen Literatur, für höhereBildungsanstaltcn bearbeitet von vr. Otto Lange. 7. verbesserte Auslage. Berlin 1871, Verlag von Rudolph Gärtner. Mit Liebe und Verständniß gearbeitet, dient das Werk dem Unterrichte in vorzüglicher Weise auch dadurch, daß es zum Streben nach eingehender Kenntniß der Literaturerscheinungen selbst anregt. — Literaturgeschichtliche Lebensbilder und Charakteristiken. Biographisches Repertorium der Geschichte der deutschen Literatur, herausgegeben vonvr.Otto Lange. (Berlin 1870, Rudolph Gärtner.) Die Literaturgeschichte läßt dreifache Gesichtspunkte zu. Sie ist die Geschichte der Entwickelung des menschlichen Geistes und kennzeichnet die großen Culturepochen; sie kennzeichnet in den Trägern dieser Epochen die Zeit an sich; und sie beurtheilt die Geistesproducte, um daraus Schlüsse zu ziehen über das Leben und Weben, Dichten und Traä)ten der Zeitgenossen. Immer aber bleiben die Denker und Dichter die Träger der Zeitideen und sie in ihren: Leben, in ihrer Geistesentwickelung kennen lernen, führt zu dem tiefsten Grunde der Culturgeschichte. Der Herausgeber der vorliegenden Schrift hat dies vorzüglich verstanden und die Lectüre seines Buches ist eine reiche Quelle der Belehrung. Ob er in der Beurtheilung insbesondere der Dichter und Schriftsteller unserer Zeit immer gerecht war, wollen und können wir nicht — und kein Jetztlebender beurtheilen. Wir möchten überhaupt dem Lebenden nicht beistimmen, der sich ein durchaus objectives Urtheil über alle hervorragenden Zeitgenossen zutraut. Wer hätte nicht seine bestimmten Anschauungen und Vorurtheile, die ihm für die Gegner seiner religiösen, politischen, socialen Anschauungen den Blick trüben? Wer sollte z. B. nicht zu solchen Schlüssen kommen, wenn er von B. Auerbach liest: „Die ästhetische Seite seiner Geschichten überwiegt die sittliche?" — Oder: „In einzelnen seiner Erzählungen tritt er als Gegner des Christenthums auf?" — Ebenso ist das Urtheil über Herwegh u. A. m. mehr als einseitig. — Diese Bemerkungen sollen eben nur die Schwierigkeit darthun, sich über sich selbst hinauszusetzen. — Das Werk bleibt darum doch ein verdienstvolles. — ' Briefe und Aufsätze für Volks- und Fortbildungsschulen von F. Nienhaus. 2. umgearbeitete Auflage der Schrift: Des Handwerkers Briefwechsel urd Buchhaltung. Berlin 1872. Buchhandlung für Erziehung und Unterricht. Geht von einem sehr beschränkten Gesichtskreise aus und eignet sich jedenfalls nur für solche Fortbildungsschulen, die eine sehr schwache Volksschule hinter sich haben. — Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: I. Klingenstein inJngelheim. — Verlag von Johann Friedrich Hartknoch in Leipzigs Druck von Heinrich Fischer & Co. in Leipzig.