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Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 8 (1873) · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
8 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 35 — >Pf. Pf' Thlr. Sgr. Pf. der obigen drei Drucksachen, in welchen diese mit inbegriffen sind). 4 Z. Diverse andere Kosten: Buch des Rechners. 2 6 4 6 Gesammtsumme der Ausgabe Thlr. 33. 19. 6. Ab von obiger Einnahme, bleibt Thlr. 50. 11. 9. welche mit rund 50 Thaler von mir verzinslich angelegt sind. Rheda, den 1. Mai 1873. Der Rechner R. steinrveg. Indem ich diese Abrechnung des Hrn. Steinweg zur Kenntniß der Mitglieder bringe, bemerke ich noch: Die Ausgaben sind zumeist von mir gemacht, da bisher alle Drucksachen von mir besorgt wurden. Wir werden, sobald die noch sehr zahlreich rückständigen Beiträge angemeldeter Mitglieder eingegangen sind, diese veröffentlichen, und Decharge erwirken. Wir brauchen wohl am Schluß dieses Rechenschaftsberichts nur zu wiederholen, was wir so oft schon erklärten. Wird der deutsch-jüdische Lehrerstand die Mittel ergreifen, die ihm geboten sind, so wird er bestehen und sich fort und fort eine bessere Stellung erringen. Bleibt er hinter seiner Aufgabe zurück, so mag er zusehen, wie überall um ihn her die Verhältnisse sich umgestalten und wie er allein übrig bleibt -— Paria der menschlichen Gesellschaft. Wer sich hinter nichtssagenden Ausflüchten verschanzt, indem er von solchen Organisationen sich zurückzieht; wer trotz aller Mahnungen gleichgültig bleibt, wage es nicht, sich auf seine eigene Tüchtigkeit als Lehrer zu berufen. Zur Tüchtigkeit gehört auch Corpsgeist, Interesse für den Stand und seine Bedürfnisse und Leiden. Wir ersuchen wiederholt um schleunigste Uebersendung -er restirenden Beiträge an Herrn Lehrer Steinweg in Rheda in Westfalen und um möglichste Verbreitung dieses Rechenschaftsberichts und seiner Anlagen. Ober-Ingelheim, 12. Mai 1873. I. Klingenstein, d. Z. Vorsitzender des deutsch-jüdischen Lehrervereins. Correjponäenz. Frankfurt a. M., 11. Mai. Am Abende des 9. d. M. starb dahier Leopold Beer, weiland Lehrer der israelitischen Real- und Volksschule, dann Mitglied des Vorstands des Schulraths. Einflußreich und thätig, zeichnete er sich durch die Hingebung aus, mit welcher er allen wohlthätigen Instituten und Gemeindeanstalten seine Kraft widmete. Für weitere Kreise wirkte er insbesondere auch durch die rege Theilnahme, die er, noch in den letzten Jahren seines Lebens, selbst noch im leidenden Zustande, der Achawa, dem Vereine zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen in Deutschland als deren Schriftführer zuwandte. Seine Thätigkeit trug zu der außerordentlich glücklichen Entfaltung dieses Vereins und seiner Geltung in Frankfurt a. M. wesentlich bei. Die jüdischen Lehrer und Mitglieder dieses Vereines werden dessen dankbar eingedenk sein und dem Dahingeschiedenen ein warmes Angedenken bewahren. Friede seiner Asche und Ehre seinem Angedenken! Kaä Liebeichein. Nicht weit von hier liegt in dem reizenden Werrathale der Marktflecken Barchfeld, dessen Bekanntschaft der Leser vielleicht schon früher gemacht haben dürfte, da derselbe dem israelitischen Gemeindebunde als Mitglied angehört. An einem Sabbath besuchte ich die dortigen zahlreichen Glaubensgenossen, und der Eindruck, den sie auf mich machten, war ein ungleich günstigerer als der, den der von Vorurtheilen erfüllte Verfasser des Artikels „Israel auf der Landstraße" von ihnen erhalten haben will. Jene schleichende und schlotternde Gestalten, gegen die der blaubekittelte Bauer, mit seiner schwüligen Hand, so vortheilhaft cöntrastiren soll — ich habe sie nicht gesehen, und ihrer Menschenwürde, von der israelitischen Religion gepflogen, sich bewußt, blickten sie nicht „vorwärtsgebeugt" mich an, sondern „aufrechtgehend, das Antlitz zum Himmel erhoben". „Ereetos ad sidera tollere yultus.“ Ich zog, das war mein Zweck, Erkundigungen bei ihnen ein über ihre religiösen und Schulverhältnisse, und meine Theilnahme für das, was ihnen selber so sehr am Herzen zu liegen schien, erweckte mir das größte Vertrauen, so daß unsere Unterhaltung sehr bald einen herzlichen Charakter annahm. Was ich nun im Kreise dieser biedern, der jüdischen Religion treu ergebenen Menschen erfahren habe, das will ich hier wahrhaft und treu berichten. Unsere Schule, so erzählten nur die Leute, leistet trotz der Befähigung und des guten Willens der Herren Lehrer nicht einmal die Minimalforderung in Beziehung auf deutsche Sprache, Orthographie, Geographie rc. (Selbst die Heimath ist den Kindern, wie ich mich selbst überzeugte, eine terra incognita.) Wenn sie die Schule verlassen haben, so sind sie nicht im Stande, einen Satz orthographisch zu schreiben, so daß wir nicht wissen, was wir thun und zu was wir sie bestimmen sollen, da es uns, wenn wir auch zu den größten Opfern bereit sind, doch an hinreichenden Mitteln gebricht, sie in eine städtische, höhere Schule zu schicken, und ihr Wissen sie zu gar nichts befähigt. Fragen wir unsere Kinder, so oft sie aus der Schule kommen: was habt ihr heute gelernt? so bekommen wir stets die Antwort: Chomesch. Daran, wenn es auch, wie wir uns wieder selber überzeugten, mechanisch, ohne alles sachliche und sprachliche Verständniß behandelt und eingem

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