Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1873-1874
- Issue
- 6 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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vielen Gegenden zahlen wohl die Lehrer die schuldigen zwei Thal er; damit glauben sie jedoch definitiv ihre Pflicht erfüllt zu haben. Wir sagen Nichts von denjenigen, welche durchaus außer Stande sind, Etwas für die gemeinsame Sache zu thun. Es mag solche Orte, wenn auch nur sehr vereinzelt, geben. Aber unser wohlberechtigter Tadel trifft diejenigen unserer Mitglieder, für welche die Achawa eben nur eine Versorgungsanstalt ist, bei welchen sie einzig ihr persönliches Interesse im Auge haben. Da lastet denn das ganze Gewicht der energischen Thätigkeit auf ein paar edelgesinnten Männern in Frankfurt, die die Wohlthätigkeit sich Zur Lebensaufgabe machen. Ob das zum Segen der Anstalt, zum Heile des Lehrerstandes gereichen wird? Die Juden haben überall den Ruf der Mildthätigkeit und dieser Ruf ist ein vollberechtigter. Was mag aber der nichtjüdifche Lehrerftand dazu sagen, der immer und überall auf Selbsthülfe angewiesen ist und diese in den mannichfaltigsten Anstalten reichlich bethätigt, wenn er sieht, wie die jüdischen Lehrer die ganze Last der Thätigkeit einigen Männern aus Frankfurt aufbürden, die es gerne und mit einem so vollen Herzen thun, wie wir es kaum unseren Collegen sagen können; die aber allein zu lassen eine Schande ist für den jüdischen Lehrerstand! Wir sagen Nichts von denen, welche noch immer draußen stehen. Die Achawa ist zu fest begründet, als daß dieses Fernbleiben ihrem wohlthätigen Zwecke Eintrag thun könnte. Durch vermehrte active Mitglieder kann wohl die Hülfe, die wir zu bieten haben, nicht gekräftigt werden. Mögen sie es vor ihrem Gewissen, ihren Familien gegenüber verantworten, wie sie können. Die Verwendungssumme war von fl. 1743. 18. (im Jahre 1871) aus fl. 1813. 27. gestiegen. Leider waren jedoch auch bedeutend mehr Anforderungen an uns gestellt worden, so daß wir in diesem Jahre 26 gegen 19 Theile im vorigen Jahre hatten. Es ist also selbstverständlich, daß auch die einzelnen Theile kleiner werden mußten; 72 fl. 30 kr. gegen 89 fl. 22 kr. im vorigen Jahre. Wir brauchen wohl kaum zu bemerken, daß alle Ansprüche aufs Eingehendste geprüft und streng nach dem Grundgesetze, unseren Statuten, die Antheile bemessen wurden. Wir haben ja hier am allerwenigsten das Recht, Unterschiede walten zu lassen. Daß wir — persönlich — auch in dieser Richtung manche schmerzliche Erfahrung machen mußten, daß Jeder glaubt, ein besonderes Recht auf Bevorzugung zu haben und um seines angemaßten Rechtes die Statuten und die übrigen Bedürftigen unbeachtet läßt, wollen wir der Hülfsbedürftigkeit zu Gute halten und verschweigen. Am 17. September 1863 gaben wir im „Jsr. Lehrer" die erste Anregung zur Achawa. Es werden daher bis zum kommenden 17. Sept. zehn Jahre sein. Aus dem schwachen Pflänzlein ist ein kräftiger Baum geworden, der bereits vielen Segen verbreitet, reiche Früchte getragen hat. Wer weiß, wer es erlebet, bis die Achawa 25 Jahre hinter sich hat? Wer weiß, was sie bis dorthin geworden? — Wir werden darum den 17. September des Anfangs gedenken und uns der zehn Jahre und des Segens erfreuen, den jene erste bescheidene Anregung hervorgerufen. H»i8 Kacken. Daß man an den gemischten Schulen nur israelitische Unterlehrer verlange, um für wenig Geld eine jugendliche Kraft zu erhalten, wie ein Correspondent dieses Blattes vorigen Jahres aus unserem Lande berichtete, ist nicht ganz richtig. Zur Begründung dieser. Widerlegung diene gerade ein Beispiel in Müllheim. Der dortige israelitische Unterlehrer Heidingsfeld an der gemischten Volksschule erhielt von der pol. Gemeinde eine sehr namhafte Aufbesserung mit der weiteren Versicherung, man werde ihn zum Hauptlehrer avanciren lassen. Gleichzeitig erhält er von der israelitischen Gemeinde für die Ertheilung des erweiterten Religionsunterrichtes einen flxen Gehalt von sl. 300. Wenngleich in Betracht zu ziehen ist, daß gerade diese Gemeinde zu den wohlhabendsten unseres Landes zählt, so liefert sie doch einen Beweis, daß sie Interesse an der Jugenderziehung hat und speciell verlangt, daß ihre Kinder einen gründlichen Religionsunterricht erhalten, gegenüber nianch anderer reichen Gemeinde, die nur französisch und englisch als die Ziele moderner Wissenschaft und Bildung, betrachtet und sich um die Religion ihrer Väter wenig kümmert. — Der Lehrermangel bahnt auch bei uns nach und nach unfähigen, vagabondirenden Bachurim aus dem Mittelalter wieder den Weg und trägt viel dazu bei, die segensreichen Schöpfungen des sel. Oberraths Eppstein zu untergraben. — Es wurde vor vielen Jahren von Hrn. Oberrath Altmann persönlich und schriftlich für Errichtung eines jüdischen Lehrerseminars collectirt, doch haben wir nicht mehr erfahren können, zu welchem Zwecke jene Summen verwendet wurden, da das projectirte Institut nicht ins Leben trat. Aus Westfalen müssen wir diesmal einige -helle Lichtstrahlen in die dunkeln Lehrerverhältnisse leuchten lassen, um die sinkende Hoffnung der Lehrer wieder zu beleben. Wenn einerseits so viele, namentlich jüngere Lehrer, den Hirtenstab mit der Elle vertauschen, und manche ihrer Stellen mit Männern aus dem Osten besetzt werden; wenn zudem die politische und sociale Strömung manchem Lehrer die Furcht ans Herz dringen läßt, diese Fluthen reißen den Elementarlehrer sammt Schule in den Grund und lassen höchstens noch eine traurige Insel für den tr'T'n Chasan Rebbe Schochet; so dürfen wir die Anzeichen zum Besseren nicht verschweigen.