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Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 6 (1873) · p. Seite 26

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
6 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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müssen, daß während der ganzen Schulzeit die Lehrer mit den elementaren Fertigkeiten 'zu kämpfen haben. Neben Sie die Sinne, die Sprachwerkzeuge, daß sie hören, sehen, fühlen und sprechen können, daß ihnen die Zunge nicht centnerschwer im Munde liegen bleibt, wenn eine Frage an sie gerichtet wird, daß sie die einfachsten Sätzchen nicht nachzusprechen im Stande sind. Wecken Sie das Ehrgefühl, daß wir Lehrer nicht in die Verlegenheit gesetzt werden, die Strafenscala geht uns aus, das Schamgefühl, daß sie nicht an der öffentlichen Straße sich baden, besonders, indem es ja hier, seitdem die Badeanstalt besteht, nicht mehr nöthig ist, im Freien zu baden. Sprechen Sie nie absichtlich etwas in Gegenwart des Kindes, was nicht wahr ist, versprechen Sie ihm auch nichts, von dem Sie nicht im Voraus gewiß wissen, daß Sie es zu halten im Stande sind; denn dadurch legen Sie den Grund zu dem gräßlichsten aller Uebel — zur Lüge, welche sich in die Herzen der Kinder früh genug emmste* und der Schule viel Sorge macht. Seien Sie in diesen Dingen Ihren Kindern Muster und Vorbild, denn das hilft am Ende mehr als alle Vorsichtsmaßregeln. Auch sollen die Kleinen schon frühzeitig etwas von dem erfahren, der sie geschaffen, und diesen Begriff, wenn auch nicht bestimmt und klar, können Sie wenigstens als Ahnung den Kindern an Gottes freier Natur beibringen. Auf Ihrem Spaziergange — zeigen Sie Ihren Kindern die Farbenpracht der Blumen, für die sie ja von vornherein viel Sympathie haben — lassen Sie sie lauschen auf der Vögel wundersame Melodeien, horchen auf des Donners rauschenden'Schall, und Ihre Kinder werden Gottes Güte und Allmacht ahnend crfcnnen. Ein ordentlich erzähltes Märchen ist auch gesunde Kost für des Kindes Phantasie; nur verstehe ich nicht die Gespenster- und Räubergeschichten darunter, mit denen man sie hier und da in Furcht setzt. Auch müssen sich die Mütter besonders in Acht nehmen, daß sie, wenn sie bisweilen Ruhe vor ihnen haben oder sonst etwas bei ihnen bezwecken wollen, nicht schrecken mit den Worten: „Der Butzemann kommt", denn diese scheinbare Kleinigkeit ist doch nicht so unwichtig, wie Sie am Ende glauben könnten; hiermit legen Sie den Grund zum Aberglauben bei Ihren Kindern. — Und Aberglaube und Unglaube sind fast identisch. — Aus all diesem geht hervor, daß die häusliche Erziehung des Kindes, wenn auch naturgemäße Sache der Eltern, doch nicht so natürlich und leicht ist und daß man ihr darum mehr Sorgfalt und Aufmerksamkeit schenken sollte. In größeren Städten hat man bereits eingesehen, daß die elterliche Erziehung des- Kindes vor der Schulzeit, wenn auch noch so gut, doch Vieles zu wünschen übrig läßt; man hat bereits angefangen, allerwärts sogenannte Kindergärten einzurichten. Der Vater derselben ist Fröbel. Das Princip des Kindergartens ist, daß durch systematische vom Leichteren zum Schwereren sich abstufende Spiele, die geistigen Anlagen und Fähigkeiten ihrer eigenen Individualität gemäß harmonisch auszubilden. So bekommen sie beispielsweise an einem Baukasten die ersten mathematischen Eindrücke; es wird daran der Schönheitssinn genährt und in gewisser Beziehung auch der Ersindungsgeist, neue Formen zu erfinden, angespornt. Freilich erfordert ein solcher Kindergarten große Opfer durch Herstellung der Räume, der Materialien und durch die Bestellung einer geschulten Kindergärtnerin, weshalb, hier auf dem Lande, die Errichtung eines solchen mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden wäre und fast unmöglich ist. Denn ich verstehe nicht unter einem Kindergarten eine Kinderbewahrungsanstalt, die eine verkrüppelte Nachahmung des Kindergartens ist und wenig oder gar keinen, wenn auch praktischen, doch keinen eigentlichen Werth hat. Um es nun am Schlüsse zu sagen, müssen Sie vorlieb nehmen mit dem, was ich Ihnen bieten konnte. Es lag nicht in meiner Absicht, Ihnen ein abgerundetes wissenschaftliches Ganze vorzuführen, mangelts mir hierzu doch an der nöthigen Zeit; nein, ich wollte nur die mir sich aufdrängenden Ideen und die Beobachtungen, welche ich machte, aphoristisch Ihnen vorführen, damit Ihr wahres Interesse für die Schule gehoben und Sie eine Anregung für Verbesserung und Modisication Ihrer häuslichen Erziehung bekommen. Ist diese geschehen, so ist mein Zweck für den heutigen Abend erreicht. Corresponäenz. 3ngekkeim, 12. März. Im Laufe dieser Woche wurden die Rechenschaftsberichte der Achawa für das Verwaltungsjahr 1872 an die verehrlichen Mitglieder versendet. Das Resultat ist nach zwei Seiten sehr bemerkenswerth. Einestheils haben sich in diesem Jahre die Einnahmen gegen die Vorjahre bedeutend vermehrt. Wir haben allein an Spenden die Summe von fl. 4148. 56; hierzu 1000 fl. an österreichischen Obligationen von Hrn. Jacob Mayer von Bingen; also hieraus schon eine Vermehrung unseres Fonds um reichlich 5000 fl. gegen fl. 1757. 35. (und 1000 fl. von Hrn. .B. H- Goldschmidt in Frankfurt a. M.) im vorigen Jahre. Unser eiserner Fond ist von 12500 fl. an Obligationen auf 18750 fl. in einem Jahre gestiegen. Gott lohne es den edlen Männern! Wir haben ferner 327 Ehrenmitglieder, die zusammen fl. 1151. 30. beitragen, während der Beitrag der activen Mitglieder fl. 891. 15. ist. Die Theilnahme der Lehrer ist hiergegen nicht gestiegen. Die Zahl der activen Mitglieder hat sich kaum vermehrt. In

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