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Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 5 (1873) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
5 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Wohl mit den Worten: Es versteht nichts von dem, was wir unter uns sprechen. Glauben Sie das nur nicht! Ein Kind hat, wenn es nur ein wenig geweckt ist, schärfere Sinne und ein besseres Gedächtniß, als mancher Erwachsene. Wenn es augenblicklich auch nicht Alles versteht, so sind Phantasie und Gedächtniß doch so weit, daß die aufgefaßten unverstandenen Wörter mit der Zeit sich bei ihm zu Begriffen gestalten. Es grübelt so lange allein und mit den Kameraden nach, bis es die Sache, die gerade durch das Nichtverstehen gewisse Reize bekommt, ihm zum Verständniß wird. Und dann o weh! kindliche Einfalt! — du wirst früh zu Grabe getragen! Daher kommt die Frühreife der heutigen Jugend, die Frechheit, die Gleichgültigkeit gegen alles Edle, Erhabene und Heilige. Sehen Sie, das ist der Grund meines Verbotes, das ich gleich anfangs meinen Schülern gegeben. Ein anderer Mangel der häuslichen Erziehung ist die Verweichlichung, wodurch Sie den Grund zur geistigen Trägheit Ihrer Kinder legen, womit wir Lehrer in der Schule so viel zu kämpfen haben. Von vornherein muß das Kind daran gewöhnt werden, sich etwas versagen zu können, mit Hindernissen kämpfen, Anstrengungen ertragen lernen; denn die Schule des Lebens fordert ja deren so viele, wie Sie wiffen, von uns Allen. Ich will Ihnen einen Abschnitt einer Broschüre des Rector Dr. Schmid in Stuttgart vorsühren, die Ihnen so recht zeigen kann, wie weit es die Verweichlichung heut zu Tage in fast allen Ständen gebracht hat und welches die Folgen sind. Er sagt unter Anderem, indem er die Beschwerde eines Vaters über die vielen Hausaufgaben seines Sohnes bekämpft, Folgendes: „Die Generation, mit welcher wir Aelteren aufwuchsen, wurde in Bezug auf Körperpflege härter gehalten, als die gegenwärtige; viele von uns wußten als Knaben auch in Wintertagen nichts von Halsbinden, ja selbst nichts von Kopfbedeckungen, kamen mit bereiftem Haar von der Schlitten- und Eisbahn nach Hause, wissen uns nicht zu erinnern, daß über Zugwind, nasse Füße, Erkältungen geklagt wurde; einen Mantel hat man sich erst angeschafft, als man in Amt und Würden stand. Die Ferienreisen wurden zu. Fuß gemacht, obgleich die Erfindung des Fahrens, wenn auch nicht mit der Eisenbahn, doch schon lange gemacht war. Das Ränzchen auf dem Rücken durchzogen die Jünglinge das Land, mit wenig Geld in der Tasche, aber stets auf Tagemärsche von 11 — 12 und mehr Stunden. Es geht mir immer ein Stich durchs Herz, wenn ich zur Winterszeit unsere Knaben zur Schule kommen sehe, die meisten über und über eingehüllt in Shawls und Mäntel und Pelzmützen, welche nachher an den Wänden des Schulzimmers kaum Platz finden. Glauben wohl die guten Mütter, daß sie mit solcher Verzärtelung zu fester Kraft in den künftigen Männern den Grund legen? Oder kräftigen die leckeren Speisen und Süßigkeiten, die man im Gegensätze zur früheren Einfachheit den kleinen Lieblingen, jetzt nicht vorenthalten kann?" (?) Doch genug hiervon. Ich wollte Ihnen durch das hier Vorgeführte nur zeigen: wie alle Bande der Disciplin, die doch den Grund zur Manneskraft legen, reißen, durch unzeitige Verzärtelung der jungen Schößlinge. Ja, ich möchte behaupten, daß Säuglinge in der Wiege, wenn sie sonst körperlich gesund sind, schon disciplinirt werden könnten, nämlich: daß in dieser Beziehung die zu zaghaften Mütter nicht immer ihrer warten und ihnen schmeicheln sollten, denn das Kleine! merkt alsdann bald, daß, wenn es seinen Willen durchsetzen I will, es erst weinen und schreien muß. Ich will aber nicht hiermit gesagt haben und Anlaß geben, daß die Mütter ihren Kindern nicht die nöthige Liebe zu Theil werden lassen sollen, sondern bloß vor der falschen Methode, wie sie den Kindern gegenüber sie äußern, warnen. Ein Haupffactor der häuslichen Erziehung bleibt die körperliche Pflege. Wenn schon ein alter Spruch sagt: meus sane in corpore sano — in einem gesunden Leib ein gesunder Geist,—, so will das heißen, daß Leib und Geist in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse in gegenseitiger Wechselwirkung stehen, d. h. wenn der Körper krank ist, so leidet auch der Geist und umgekehrt. Dies sehen wir ja bei verschiedenen fieberhaften Krankheiten, wie die auch Störungen in der Geistesthätigkeit Hervorrufen. Darum sollen die Eltern stets darauf bedacht sein, dem Leib des Kindes durch ordentliche Pflege ihre größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, damit sich die körperlichen Bestandtheile des Kindes harmonisch proportionirt ausbilden. Zu diesem Zweck sollte ein jedes Haus, eine jede Familie ein Buch der Diätetik, eine Gesundheitslehre, wie etwa das Buch: „Vom-gesunden und kranken Menschen" des Professor Bock, haben, um darnach sich über Pflege besonders in krankhaftem Zustande, orientiren zu können, denn der Arzt ist ja auch in solchen Zeiten nicht immer bei der Hand. (Dieses Buch sollte in keiner Familie fehlen.) Alle Körpertheile sollen

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