Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 130)
- Language
- German
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118 Von der Notwendigkeit u. der Bedeutung des modernen Bibelstudiums. Bibel nicht möglich. Durch die literarische und wissenschaftliche Kritik der Bibel ,die ebenfalls im letzten Jahrhundert einen ungeheueren Aufschwung genommen hat, ist zwar die Erkenntnis derselben ausserordentlich befruchtet worden. Aber auch diese Arbeiten allein würden eine grundlegende Veränderung im Verständnisse der Bibel nicht herbeigeführt haben, wenn nicht die epochemachenden Ausgrabungen und Entdeckungen der alten Denkmäler in Babylonien, Aegypten, Palästina etc. die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt einen immer grösseren Umfang annehmen, das Verständnis der Bibel durch die Erkenntnis der geschichtlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse der alten Geschichte des vorderen Orients in einer ungeahnten Weise gefördert hätten. Im Zusammenhänge mit diesen Entdeckungen ist die Bibel zu einer Geschichtsquelle ersten Ranges, in erster Linie für die Geschichte des jüdischen Volkes und die Entwicklung des Gottesgedankens, in zweiter Linie für den ganzen westasiatischen Kulturkreis geworden. Während bis vor einem oder zwei Menschenaltern die Kenntnis der historischen Zeiten so ziemlich bis zum 5. oder 6. Jahrhundert vor Christi reichte, sind wir jetzt in der Lage, einen Zeitraum von rund 7000 Jahren von heute gerechnet zu überblicken. Dabei erhellt sich immer mehr der Horizont für weiter zurückreichende Jahrtausende. Aus der Zeit um zirka 5000 vor Chr. haben wir bereits gesicherte historische Kunde aus Denkmälern. Die reiche Kultur und die Religion der Sumerer war bereits rund im Jahre 3000 vor Chr. abgeschlossen. Um diese Zeit waren die Sumerer, welche das südliche Babylonien bewohnten, schon im Untergänge begriffen. Deren Nachfolger, die Babylonier und später die Asyrier haben den Kulturbesitzt und die religiösen Vorstellungen der Sumerer fast zur Gänze ohne nennenswerte Veränderungen übernommen. Zu der überkommenen Kultur der Sumerer gehörte auch die vollständig von diesen entwickelte Keilschrift. Gleich wie heute die lateinische Sprache sich in der katholischen Kirche als Kultursprache erhalten hat, so wurde von den Babyloniern und später von den Assyriern das Sumerische nach dem Untergange der Sumerer (3000 vor Christi) als Kultsprache bis zu den Zeiten der Geburt Christi verwendet. Während die Bibel bis auf unsere Tage durch mehr als zwei Jahrtausende bestenfalls durch Erklärung ihres Sinnes aus sich heraus studiert wurde, ist dies jetzt vermöge der oben berührten Momente völlig unzureichend geworden. Es ist hier nicht der Ort, den Gang und die Ergebnisse der modernen Bibelkritik darzulegen. Ob die Lehre ihres Entdeckers, des Pariser Arztes Astruc (im Jahre 1753) und die Arbeiten der Exegetiker und Bibelforscher im XVIII., XIX. und im XX. Jahrhunderte unter allen Umständen als gesichert angesehen werden dürfen, steht heute noch durchaus nicht fest. Soviel