Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 52 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches LkMlikL-D/s// , Hcrauspegeben von I)r. M. Nahmer tu Magdeburg. 3nr ünterhllllMg u. Keikhrung für die iSMiitilchk Ingrnd. Inhalt: Zum Chanuka-Feste. — Was der Mond erzählt. Chanuka-Licht- und -Schattenbilder. Von Jda Oppenheim. — Zur Geschichte der Familie Rothschild. — Allerlei für den Familientisch: Der Fürst von Bulgarien. — Zum Chanuka- Feste 5647. Von Leo Frankel, Weilbnrg. — Räthsel-Aufgaben und Räthsel-Lösungen. Zum Chanuka-Feste. Zu Cnö' war der Kampf, pi Ende die MH. Die lange Trauer beendet. - Sa sehr auch der Feind mit Tode gedroht. Die Schmach ward von Inda gewendet. Die Thora gerettet, der Tempel geweiht Dom Dränger, dem frechen, das Fand befreit. Ein Götzenbild ltand. die Zeusgejtalt. In des heiligen Tempels Mitte. Der fyrifche König mit graufer Gewalt CrMingen wollt' heidnische Sitte. Daß Inda fich beuge vor Göttern aus Stein. Datz Inda sich neige dem Zeus allein. Da strahlt in höchster Glaubensnoth Cin Ficht am dunklen Kimmel, Durch nächtiges Dunkel bricht's Morgenroth. Erlösung durch Kampsesgetümmel. Die Söhne Makkabi's ergreifen das Schwert. Defreien von Feinden den heimischen Deerd. Dald wird das Deiligthum geweiht. Vertilgt des Götzendiensts Spuren. Gelstämmchen entludet in dankbarer Freud'. Weil göttliche Ailf' ste erfuhren. Die Götzenaltäre geh'n auf in Rauch Gerettet ist Glaube und Väter Krauch. Der Weihelichter bester Strahl Verkündet uns Glaubenstreue. Verkündet Erlösung nach endloser Gual. Den Sieg der Tugend aufs Neues So strahlet durch Nacht ihr Fichtlein so hell. Ihr Koten des Glaubens, der Kossnung Gest. Karlsruhe. Ft. T. Was der Mond erzählt. Chanuka-Lichtnnd -Schattenbilder. Von Jda Oppenheim.. I. Gestern war es, so erzählte der Mond, als ich zufällig leines Kellerstübchen hinabblickte, in welchem ein armer acher mit seiner Familie wohnte. Der dürftig aus- ' Raum sah sonst recht gemüthlich und nett aus, und lte ich dort; ich sah dem fleißigen Arbeiter zu, sah, Mutter die Kleinen zu Bett brachte, wie sie so mit ^te und wie sie dann so süß und friedlich einschlum-- - ’e die Mutter von einem Bett zus^sL^n schritt, die kleinen Höschen und Röckchen hervorsuchte, um nachzusehen, wie viele Löcher die Sausewinde den Tag über geinacht hatten, um sie mit kunstfertiger Hand wieder auszubessern. Dabei sah die blasse Frau stets zufrieden aus, obgleich sie recht, recht arm waren. Noth und Hunger hatten schon oft an die Thür gepocht, doch sie vertraute auf Gott und er half, wenn die Noth am größten war. Heute war auch das Stübchen recht behaglich und freundlich. Auf den Tisch war eine Decke gebreitet, der Arbeitstisch war unbesetzt, denn am Fenster stand der Vater und bemühte sich, kleine Wachslichtchen anzuzünden, die in Nußschaalen brennen sollten. Sein Weib und seine Kinder standen um ihn herum und letztere klatschten freudig in die Hände, wenn ein Lichtchen mehr brannte. Endlich waren sie alle angesteckt und beleuchteten hell die fröhlichen Kindergesichter. Der Vater nahm das Jüngste auf den Arm und sang das Chanukkalied. Die Mutter und Kinder stimmten mit ein. Doch nicht so hell und fröhlich wie früher klang der Ton uno als die letzte Strophe gesungen war, schluchzte die Frau caut auf und rief: „Heute hier in Kummer und Elend und morgen schon hinaus in die weite Welt, über das große Wasser in ein fremdes Land, dessen Sprache man nicht kennt, dessen Sitten uns fremd sind. Und warum? Auf höheren Befehl, so lautet das Gesetz und machtlos müssen wir uns fügen. Wie schwer, wie hart prüft der liebe Gott diejenigen, die seine Gebote halten, ihm dienen in aufrichtiger Treue." Ernst und sorgenvoll sah der Vater aus sein sonst so starkes Weib und auf die Kinder, die sich ängstlich an die Mutier klammerten nnd mit ihr weinten. Heute war kein Fest für sie, kein rother Apfel lag fiir sie bereit. Die Mutter hatte in ihrem schmerz ganz die Kleinen vergessen. — Die Armen mußten leer zu Bett gehen. — Noch einmal werfen! sie einen sehnsüchtigen Blick auf die Kommode, in der die | Mutter sonst manche Herrlichkeit aufzubewahren pflegte, die das Kinderherz erfreut hatte, heut war sie leer. Morgen sollte sie fortgetragen werden. Fremde Leute hatten sie um billigen Preis gekauft und schwer trennten sich die Eltern von den Sachen, die sie sich mit Noth und Mühe angeschasft hatten. An jedem Stück hing schwere, blutige Arbeit, jetzt mußten sie sie fast fortschenken, um nur einen kleinen Zehrpfennig für die Reise zu erhalten. — Die Kinder schliefen und träumten von schönen Aepfeln, Nüssen und Zuckerwerk und lächelten glücklich im Schlaf. Sie kannten noch nicht die Sorgen und Mühen des Lebens, * obgleich das Schicksal auch schon ihnen den Stempel früher Reife auf die Stirn gedrückt hatte. Sie schliefen während die Eltern die wenigen Habseligkeiten in einen großen Sack packten. Sie sprachen wenig mit einander, doch immer heißer rollten die Thränen. Die kleinen Wachslichtchen waren längst heruntergebrannt. Dunkel war es im Zimmer geworden, keiner dachte jedoch daran sich ein wenig Ruhe zu gönnen. Sie hatten viel, sehr viel zu thun. Mit dem Morgengrauen begann ihre Arbeit, denn am nächsten Tage mußten sie fort, so lautete der Befehl. Wo werden im nächsten Jahre die Chanukkalichtlein Euch wiederfinden? Mögen jie glücklichere Gesichter