Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 50 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 196 vor der Stimme Gottes ein Versteck ausgesucht habe. Ja, es ist solches sogar in der Jetztzeit noch begreiflich. Die Welt- und die Tagesgeschichte weist Beispiele genug, daß sündenbelastete Menschen sich im tiefsten Kellerwinkel zu verstecken pflegten, so oft die Stimme Gottes im Gewitter sich vernehmen ließ. Das bemerke ich übrigens hier nur nebensächlich. Herrn von Jhering wollte ich nur dieses sagen. Er sagt: „Der Verehrung der Juden vor ihren Stammvätern hat dieses keinen Abbruch gethan, woraus sich ergibt, daß sie das Lügen und Betrügen mit ganz andern Augen angesehen haben, als wir." Wer sind denn diese „Wir?" H. v. I. versteht doch unstreitig darunter die ganze christliche Welt. Aber verehren denn diese in ihrer großen Mehrheit unsere Erzväter nicht ganz in demselben Maße, wie wir? Und die Christen stehen zu demselben doch in gar keinem Abstammungs- Verhältnisse! Wollten wir uns also auf den Standpunkt des H. v. I. stellen, — es liegt uns aber fern, dieses zu thuu l — so könnten wir sagen: „Sehet da, wie diese, die doch nicht wie wir verwandtschaftlich zu unfern Erzvätern gehören, dieselben doch Hochhalten und verehren! Sie müssen demnach das Lügen und Betrügen mit noch sympathischeren Augen ansehen, als wir!" H. v. I. hätte nicht außer Acht lassen sollen, daß nämlich die christliche Kirche auf den Schultern der von ihm in den Staub gezogenen Erzväter aufgebaut ist. Man kann die Ecksüulen eines Gebäudes nicht durchsägen und zum Falle bringen, ohne daß der ganze Bau zum Sturze kommt. Aus Höllingen schreibt man darüber: Prof. Jhering, Schwiegervater eines erst nach der Hochzeit getauften Juden, scheint auch antisemitische Anwandlungen zu haben. In Nr. 16 der „Gegenwart" schreibt er: Die biblischen Personen, Adam, Abraham, Isaak, Jacob, Laban, machen sich lügenhafter Aussagen schuldig. und doch stehen diese Personen hoch im Ansehen bei den Juden. Ein Beweis, daß Lüge bei den Juden nicht als unmoralisch gilt rc. Wie spitzfindig doch der Antisemitismus ist! Anstatt die Aufrichtigkeit der Bibel anzuerkennen die an ihren größten Helden die Fehler nicht verschweigt, zu denen sie sich im Kampfe ums Dasein hinreißen ließen, wird diese Aufrichtigkeit benutzt, um die heil. Schrist der Lügenhaftigkeit zu zeihen. In welchem Berhältniß stehen aber die Lügen der biblischen Helden zur Verlogenheit der Helden und Götter des Culturvolkes des Alterthums, der Grieche n? — Die Gerechtesten werden dem Judeuthum gegenüber ungerecht sobald sie von irgend einem Bekenner desselben geschädigt werde»!-denn das scheint die Quelle der Jhering'scheu Bibel-Exegese zu sein. gehen, ihre Interessen ganz vortrefflich und sichern sich immer mehr in wirthschastlicher Beziehung die Herrschaft in unserem Lande." (Giebt es hiernach bessere Träger und Verbreiter deutscher Cultur, als die Juden?) Das größte biblische Wunder. In einer Gesellschaft, in der sich der Philosoph Moses Mendelssohn befand und in der auch einige jüdische Gelehrte vorn Schlage Maimons, Ephraim Kuh's rc. theilnahmen, in deren Gesellschaft man bekanntlich mehr vor Laugerweile als vor Frivolitäten und kleinen Verstößen gegen den guten Ton geschützt war, ward wohl mehr im Scherz als im Ernst an Mendelssohn die Frage gerichtet, welches wohl als das größte Wunder anzusehen fei, von welchem die Bibel berichte. Ein vorlauter junger Pole, der neben dem Philosophen saß und der sich inehr durch Vorwitz als durch seinen Geist hervorthat, erwiderte dem Fragesteller: „Für das größte Wunder halte er, daß der Prophet Elias in einem feurigen Wagen zum Himmel gefahren sei, ohne sich das Sitzfleisch zu verbrennen." Meudeissohn, den diese Tact- und Respectlosigkeit des jungen Voiw tzliugs verletzte, meinte aber in seiner gewohnten Weise, ihm sei es bisher als ein größeres Wunder erschienen, daß Bileams Langohr gesprochen habe, ohne gefragt worden zu sein. (Wen erinnert dies nicht an die Antwort Luthers auf eine ähnliche Frage: Was denn der liebe Gott die vielen tausend Jahre vor der Erschaffung der Welt gethan habe? In einem kleinen Walde hat er gesessen und hat Ruthen geschnitzt für so naseweise Frager, wie du bist, meinte schlagfertig der Reformator.) M. W. Dläthsel-Aufgabe«. v q'_ I. Deutsches Suchftaberiräthsel. Von A. Speier in Heinebach. Einen römischen Kaiser nenn' ich Dir, Doch zu den Guten gehört' er nicht: Vertauschen den vorletzten Laut d'rin wir, So konunt eine Stadt uns zu Gesicht, Tie lieget fern im Heilgen Land — Wird in der Bibel nicht genannt. n. Hebräisches Kogogryph. Von 6. in R. Die Deutschen und Juden in Russisch-Polen. Der hochoffizivse „Warscawski Driewnik" hebt hervor, daß die Fremden, und namcutlich die Deutschen, sich nicht nur auf die Industrie werfeu, sondern alle wirthschaftlicheu Hilfsquelle» ausbe»rteu. Der Deutsche »ist' sich in Rußland so ein, daß er einheimische Handwerker gar nicht brauche, er suche nur seine deutschen Landsleute, sie seien Schneider, Schuhmacher, Advokaten, Aerzte, Buchhändler u. s. w. Als den allezeit hilfsbereiten Genosse»! des „Kulturträgers von der Spree" schildert das Blatt den Juden. Der eingewauderte Deutsche, der nur seine Muttersprache kennt, sinde überall an den Juden eine willkoiumeue Stütze. Die Juden hätte»! uieiuals und nirgends gegen deutsches Vorgehen und deutsche Unternehmungen eine Gegenwirkung ausgcübt, sie seien nicht Gegner des Fortschritts der fremden Colonisation, sondern ihre Pionire, und sie allein verständen es, aus derselben Nutzen zu ziehen als Mittelpersoueu und eifrige Förderer der deutschen Industrie. Der Absatz von Waaren z. B. aus Lodz auf russ. Märkten gehe ausschließlich mit Hilfe jüd. Agenten und Eolnmissionare vor sich. „Die Deutschen und Juden fordern dadurch, daß sie Hand in Hand miteinander Mit ' dient's immer zum Verbinden; Mit 1 ist's oft nicht zu ergründen; Mit I dient's den Lahmen, Blinden, Und Vielen, deren Kräfte schwinden. in. Zweisprachiges Homonym. Bon 0. in R. Wie Gott hebräisch uns genannt, Sagt uns der Freund im Frankenland. IV. Hebräisches Anagramm. Von 0. in R. Soll's im Freien grünen, blühen, Muß cs riickwärts erst verziehen. Auflösung der Ualhsel in vor. Nr. I. «sa, Aas. ~ ii. 'Sna] und pSan- III Kapitel, Kapitol, Kapital. Verannvortlicher Redacteur Or. Ra hm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs. Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.