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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 50 (1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
50 (1886)
Date
1886-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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LqMÜkL-Kts// Herausgegeben von Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Prolog zu einer Chanukka-Schulfeier. Von Albert Rosenbaum in Cassel. — Der Jugendfreund. Novelle aus dem jüdischen Leben von Lehrer Max Cohn. (Fortsetzung.) — Mirjam. Erzählung von vr. I. Goldschmidt. (Fortsetzung.) — Herr von Jhering's Lügenbeschuldigung. — Die Deutschen und Juden in Russisch-Polen. — Das größte biblische Wunder. — Räthsel- Aufgaben und Räthsel-Lösungen. Prolog zu einer Chanukka-Schulfeier Von Albert Rosen bäum in Cassel. Zieht ein, zieht ein, ihr Tage meiner Freude! Ihr Tage meiner reinsten, höchsten Lust! Hier in die Hütte, dort in's Prachtgebäude, Und füllt mit Jubel jede treue Brust! Wie seid ihr schön, wenn ihr im Ruhmesglanze Gleich lieben Gästen fröhlich bei uns weilt! Und Heil! dem Glaubenstreuen, der die ganze Hochheil'ge Wonne ewig mit uns theilt! Wie froh bewegt wird selbst die ärmste Hütte, Auf die mein Blick mit inn'ger Freude sinkt, Wenn kräftig aus des trauten Kreises Mitte Ihr „Moaus Zur“ zum Sternenhimmel dringt! O gebe Gott, daß ich es könnte singen In jedes Herz, in jede Britst hinein Was diese Tage in Erinn'rung bringen, Wie wollt' ich froh, wie würd' ich glücklich sein! Wer könnte je von diesem Feste lassen, Das uns acht Tage solchen Aufschwung bringt? Ein Stück Geschichte, dessen Geist zu fassen Uns glücklich macht und froh dar Herz durchdringt. O, welch' ein Fest! Wer kann die Wonne malen? Schaut doch die hehre Freude rings umher, Und heil'ge Flammen fröhlich dazu strahlen — Wahrlich, ein solches Fest ist nirgends mehr! Drum jauchzet auch mein Lied zmn Firmamente Hinauf, hinauf zu Gottes lichtem Thron, Wie Harfen rauschen durch des Sängers Hände, Wie heil'ger Jubelruf, wie Hörnerton! O, welche Melodie'n in diesem Herzen! Seht Brüder, Schwestern, schauet doch umher, Hört sie dach künden, unsere Festeskerzen: Fürwahr, ein solches Fest ist nirgends mehr! Du fragest noch was dieses Fest bcöeute? Du kennst es nicht? Dem Juden wär'cs fremd? Du kennst nicht der Geschichte schönste Seite? Der Strom der Jetztzeit hat dir's weggeschwemmt? Und felerst du's, doch ist sein Geist verloren, Bist du betrogen uin ein hohes Gut. Das uns zu bringen dieses Fest erkoren, Das uns errungen uns'rer Väter Blut. So sag' ich dir's. Es ist das Fest der Weihe, Das uns erinnert an die Hcldenzeit, Wo mancher Makkabä'r voll Math und Treue Das edle Haupt dem Märtyrtod geweiht. Der greise Mathisjahu hoch begeistert Für Gottes Wort erregt der Söhne Schaar Und dann das Volk, bis Aller sich bemeistert Die heil'ge Gluth, die nicht zu dämpfen war. Wie viel der Feinde auch, wie schwer die Leiden, Hier galt es für den Glauben einzustehn, Der Feigste sonst, der Lässigste will streiten, Den Glauben nur, nur ihn gerettet sehn. Das war ein Fortschritt, Freunde, laßt mich's sagen,| Ein Fortschritt, der uns heut erröthen macht, Wo Jeder für den Glauben Alles wagen Und Alles opfern wollt' in heißer Schlacht. Juda Maccabi wie vom Sterbebette Das Volk erhob und Sieg auf Sieg errang Und fortgekämpft, bis er die Gottesstätte Dem rauhen Feinde aus den Händeil zwang. Das war ein Mann voll Muth und Glaubensfeuer! Ein Held der Helden, wie ein Löwe kühn! Des Volkes Stolz und Jedem lieb und theuer, Und heute noch erglüh'n wir hoch für ihn. Wie zog er dann mit ruhmgekröntem Haupte Zur Stadt des Friedens nach der heißen Schlacht! Denn was unmöglich schien, wohl Niemand glaubte, Mit Gottes Hilfe hatte er's vollbracht; Durch Gottes Beistand war es ihm gelungen, Und Aller Herzen richteten sich auf, Nun dröhnte laut von Millionen Zungen De, heiße Dank im Lied zuin Himmel auf. Seht, welcher Segen liegt in diesem Bilde Noch heut für uns. Wir seh'n in höchster Noth Ein ganzes Volk; da gab es keine Milde, Da galt es schnöden Abfall oder Tod. Und was geschieht? Man schleudert frisch das Leben Weit von sich, wird nicht treulos, selbst zum Schein, Dem, der uns unfern Weltberuf gegeben: Ihn zu verkünden, Gottes Volk zu sein. Welch leuchtend Beispiel gibt uns die Geschichte In diesem Vorgang längst vergang'ner Zeit! Und jährlich kommt mit strahlendem Gesichte Das Makkabäerfest im Heldenkleid Und donnert uns mit allgewalt'ger Stimme Die Worte zu: Tritt für den Glauben ein, Wenn Feinde ihn bedroh'n in wildem Grimme, Sei stark und fest, und Gott wird mit dir sein! O Freunde singt! Laßt schallen Jubeltöne Noch heut und stets, wer immer singen kann, Erwecket eure Töchter, eure Söhne, Und zündet unsres Festes Flammen an! Und auch die Glaubensflamme in dem Herzen, O facht sie an bis hoch das Herz erglüht, Und jeden Abend bei den hellen Kerzen Singt unserm Gott ein schallend Jubellied!^—■ Jetzt auf die Kniee vor Israels Erretter! Wir sind geeint zur schönen, frommen That. Er zieht nicht ein mit Blitz- und Sturmeswetter, In Jubeltönen ist er uns genaht. Triumph! Triumph! wir sind die alten Sieger, Und unser Schlachtfeld war — die ganze Welt, Und unsre Feinde — ein Welt voll Tiger Und Gott rvar unser Führer in dem Feld! Der Wahrheit Kraft, mit der er uns umwunden, Hat ausgehalten und hält ewig aus, Drum werden auch des Festes Feierstunden Zu Gottesboten jedem treuen Hans. Drum jauchzet auch mein Lied zum Firmameute Hinauf, hinauf zu Gottes lichtem Thron, Wie Harfen rauschen durch des Sängers Hände, Wie heil'ger Jubelrus, wie Hörnerton! Wie leuchten alle Sonnen froh hernieder, Als freue sie das alte Heldenfest! O, wer versteht nicht ihre heil'gen Lieder, Durch die der Herr sich ewig rühmen läßt? Und wenn die Sonnen, wenn die Welten droben Ihn rühmen voller Lieb unb Dankbarkeit, Sv wollen wir ihn hier auf Erden loben Mit Lred lind Sang in alle Ewigkeit! Zieht ein, zieht einp ihr Tage meiner Freude! Ihr Tage meiner ravistcn, höchsten Lust Hier in die Hütte, dDrt in's Prachtgebäude, Und füllt mit Jubel jede treue Brüst! Zieh hin mein Lied! Zum Fest, das wir bereiten, Entzünde Gott die Seelen dieser Schaar, Die hier versammelt, segne sie durch Freuden, Und herzlich beten wir: Es werde wahr!

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