Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 46 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 180 troffenfunbfbiefelbe in einem Zimmer ber WohuungEaufgebahrt. Der Tag ber Bestattung würbe für Sonntag Vormittag bestimmt, ba nach ben Gebräuchen ber jübischen Religion eine Beerbigung am Soonabenb unstatthaft ist. In ber Nacht von Freitag auf Sonnabenb hörte bie in einem Nebenzimmer befindliche Todtcnwächterin aus bem Zimmer, in welchem bie Tobte aufgebahrt lag, ein schwaches Stöhnen dringen. Sie blickte durch die offene Thüre in das Zimmer und bemerkte, wie die todtgeglaubte Frau sich auf ihrer Bahre aufgerichtet und das Leichentuch von sich gestreift hatte. Die Wächterin wurde von Entsetzen gepackt und rannte schreiend aus dem Zimmer, bis die Bewohner des Hauses, aus dem Schlafe erweckt, sich in das Todtenzimmer begaben und die vermeintlich Verstorbene bei vollem Bewußtsein vorfanden. Die unglückliche Frau war von einem starrkrampfähnlichen Zustande befallen worden, aus welchem sie während der Nacht erwachte. Der Umstand, daß die Beerdigung auf Sonntag verschoben wurde, hat in diesem Falle ein entsetzliches Ereigniß verhindert, welches sich viel eher in der Einbildung ausmalen, als beschreiben lassen künn. Die auf so wunderbare Weise gerettete Frau soll sich, obwohl von der furchtbaren Aufregung auf's Tiefste erschüttert, verhältnißmäßig wohl befinden und man hofft, sie am Leben erhalten zu können. (Das zitirte Blatt wartet indeß weitere Details ab, ehe es die Verantworung für die Richtigkeit obiger Mittheilung übernimmt.) Aus der Praxis. Ein jüdischer Thierarzt hat sich seit mehreren Jahren zur Ruhe gefetzt und führt als Hausbesitzer in einer Stadt Mitteldeutschlands ein beschauliches Dasein. Jüngst vermiethete er an einen Regierungs-Assessor eine Wohnung. Andern Tags spricht letzterer schriftlich sein Bedauern aus: Er könne die Wohnung nicht beziehen, da er principiell nicht bei einem Juden wohnen wolle. Unser Hausbesitzer antwortete sofort: „Geehrter Herr! Ich muß Ihnen auf Ihren Brief mittheilen, daß Sie die gemiethete Wohnung zu bezahlen haben. Im Uebrigen muß ich Ihnen offen gestehen, daß mir Ihr Verfahren bislang in meiner Praxis noch nicht vorgekommen ist. £. X. approb. Thierarzt." Zum Abschnitt Wajera. Ergeht an Dich des Schöpfers Wort Und sein Befehl in Lust und Freud', O, zög're nicht und sprich sofort: „Mein Vater, sieh', ich bin bereit!" So er Dich ruft zu Deiner Pflicht, Ob auch Gefahren droh'n und Leid, O, eile bald und säume nicht Und sprich: „Mein Gott, ich bin bereit!" Und gelt' es Leben oder Tod, So oft er ruft, zu jeder Zeit Gehorche schnell, wenn Er gebot, Und sprich: „Mein Gott, ich bin bereit!" Rees a. Rhein. L. Cohen. Aus dem Spruchschatz des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. Kannst's im Leben oft erleben, Daß wer schon bei seinem Leben Alles Kindern hat gegeben, Es im Alter mußt' erleben, Daß er selbst nichts hat zu leben. * * * Was Brand und Wasser nicht vernichtet;. Hat oft ein falscher Eid verrichtet. * * * Wer bei Brautschau und Heirath Seine Augen nicht aufthat, Hat bei Kindestücken Oft eins zuzudrücken. * * * * % Gebet, soll es frommen, Von Herzen muß kommen, Bet' innig und sinnig, Nicht Vieles — doch fühl' es, Durch Demuth erziel' es! Räthsel-Aufgaben. Von 6. in R. Teerte Kieve iiver's Grab. In Skiofen würbe jüngst eine Frau zu Grabe getragen, welche ihren Gatten burch ein halbes Jahrhundert auf seltsame asketische Weise betrauert hat. Es ist dies bie Wittwe des vor 48 Jahren verstorbenen Rabbi Rüben Rakonitz. In ber Stunbe, als ihr Gatte ins Grab gesenkt wurde, that sie bas Gelübde, sich fürder bis an ihr Lebensende in finsterem Zimmer aufzuhalten. „Da er im finsteren Grabe ruht, so will auch ich nimmermehr das Sonnenlicht schauen" — so hotte sie in der Stunde ihres Schmerzes ausgerufen. Und seither durch volle achtundvierzig Jahre wurde das Weib nicht wieder am Tageslicht gesehen. Im Hause ihres Sohnes bewohnte sie ein verdunkeltes Gemach, wo sie, von den Ihrigen in Liebe und Treue gepflegt, einzig und allein dem Andenken des so tief betrauerten Gatten lebte. Sie wollte ihr Gelübde nicht brechen; ihre Augen haben das Sonnenlicht nicht wieder geschaut. (Ist das nicht eine allzu buchstäbliche Eifüllnng des salomonischen Ausspruches: Denn stark wie der Tod ist die Liebe!) Zeitgemäß! Jüngst constituirte sich in Berlin ein Verein „ehemaliger Tefillinleger", der dem Herrn Dr. L den Vorsitz antrug. Dieser ei kündigte sich wohlwollend nach der Tendenz des Vereins, als er dieselbe erfuhr, bedauerte er, die Ehre des Vorsitzes nicht annehmen zn können, da er nicht einmal „ehemaliger" Tefillinleger sei. I. Deutsches KUbeuröthsel. Hat's der Silben drei, giebt's wenig dort zu lachen; Nimmst eine Du heraus, die immer ist beim Lachen, Bleibt dann zurück was einstmals herzlich konnte lachen. II. Deutsche» Kogogryph. Ein Zeichen nimm vom Anfang fort, So wird aus einer Stadt ein Mann, Ein Götze dann aus diesem Wort, Aus ihm der Name Gottes dann. III. Hebräische» Arilhumgryph. Zwei und drei von zwei und eins Sehr nahe ist verwandt; Eins, zwei, drei doch insgemein Geräth gar leicht in Brand. Auslösung der Kättzsel tu »or. Ur. I. Sarah; Aj; Asarjah (Namen des Königs Usija, 1. Kön.II. 15 1). H. Czar, ->L.(Noth). III. vT\J nJ~ vT vT X X X X X Ö Ö ö il ö ti kr nr ~ J Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.