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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 43-44 (1886) · p. Seite 172

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
43-44 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 172 (sequence 6)
Language
German
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— 172 reichbegabter Geist; neben seiner Bedeutung in der Medizin hatte er ein reges philosophisches Interesse, eine klare, freundliche Weltanschauung; er war ein rasch und scharf denkender Kopf, besaß feine Menschen- und Weltkenntnis, und er hatte — Welt. Es war mir kein Zweifel, daß er aus distinguirtem Kreise komme. Mehr als alles überraschte mich an ihm sehr angenehm, daß er vollständig frei von allem Menschenhasse war. Er hatte gewiß sehr herbe Erfahrungen gemacht; aber Pessimist war er nicht geworden. Mit der Bereitwilligkeit des Arztes, war er stets zuvorkommend und dienstfertig; seine Ansicht von den Menschen war frei von jeder Strenge; über Bosheit unseres Geschlechtes, über Falschheit der Frauen klagte er nie. Aber er blieb sich gleich in seiner Seltsamkeit und ungesellig, wie am ersten Tage. Im Umgänge mit mir war er ungezwungen und natürlich, in einer Weise, die keinen Zweifel darüber ließ, daß seine Gemüthlichkeit aus dem Herzen kam. So gingen uns die Tage und Wochen der Saison angenehm dahin. Allein es kam zum — Scheiden. Ich hatte nur auf 4 Wochen Urlaub, und „Helios Rosse" reiten schnell. — (Fortsetzung folgt.) „Jetzt, mein Herr,kauustdu wohl sehen Ruft Ben Gorjen — „deine Quellen, „Eh' der Tag zu End' mocht' gehen „Ganz von Wasser überschwellen." „Nein ich kann dein Geld nicht missen Meinet Nabal — „Nächtlich Grauen „Läßt den Regen strömend fließen. „Kannst den Tag du jetzt noch schauen?" Abermals zur Gottesladc Tritt Ben Gorjon, flehend leise: „Güt'ger Gott, thu mir die Gnade, „Glanz des Tages uns noch weise!" „Plötzlich, wie mit einem Schlage Weicht Gewölk von allen Seiten. Sonne leuchtet noch am Tage, Schickt den Strahl in fernste Weiten. „Voll du hast dein Wort gehalten — Ruft jetzt Nabal tief beweget — „Juda's Gott sch' groß ich schalten, „Seh', wie ihn Gebet erreget. „Dich, Ben Gorjon, lern' ich lieben, „Deines Flehens Macht verehren „Auf dein Wort ließ Gott ausüben, „Was du betend thät'st begehren". Dr. Immanuel Deutsch, Sohrau O.-S. <»3031 _ ^t8tM-A«fgaben^ _ J$$f» I. Deutsches Logogryph. Von 0. in R. Vater Noah kannte beide; Eins bereitete ihm Freude, Drin ein r, ward's ihm zum Leide. Dir Macht des Gebetes. Nach dem Talmud.*) H. Zweisprachiges Logogrqph. (Deutsch geschrieben). Hin nach Zion sieht man wallen Unsres Volkes Söhn' in Schaaren, Um in Gottes heil'gen Hallen Opfer mit Gebet zu paaren. Denn der Mahnruf froher Feste Winkt beglückt der frommen Menge. Für die Schwärme fremder Gäste Scheint die Gottesstadt zu enge. Wer vermag sie all' zu nennen, Dre in Zion's heil'gen Räumen Innig betend Gott bekennen Von der fernsten Lande Säumen? Für der Pilger Wohlfahrt sorgen Ist fürwahr kein leicht Bemühen Und am Abend und am Morgen Wirthe Stirn in Falten ziehen. Denn seid Monden schon jetzt lechzen Feld und Flur nach Tau und Regen. Mensch und Thier vor Durst schwer ächzen „Himmel, send' uns deinen Segen!" „Ach wie soll's den Pilgern gehen, „Die wir jetzt bei uns begrüßen?" Fragt Ben Gorjon, will erspähen Quellen, die da labend fließen. Aber nirgends sieht er Spuren, Daß der Wunsch sich ihm erfülle, Daß der Regen netz' die Fluren, Himmels Azur Wolk' umhülle. Wohlgefüllt und wohlverschlossen Sind das Nabal Wasserquellen, Seit vor Monden sich ergossen Regen stark in großen Wellen. „Ach, vernimm, o Herr mein Flehen! „Laß' mir zwölf von deinen Quellen! „Eh' der Wochen sechs vergehen, „Neuer Regen sie macht schwellen. „Und sollt' Gottes Zorn nicht enden, „Uns sein Regen nicht erquicken, „Silber will ich dann dir geben, „Zwölf Talent', dich zu entzücken," *) Babli Taanit fol. 19b. Und Ben Gorjon's edle Worte Werden gern von ihm vollführt. Lüstern zählt an jedem Orte Der, was ihm an Geld gebührt. Daß die Frist den Lauf vollendet, Merkt nun Nabal mit Behagen. Denn kein Regen ward gespendet Zu der Menschen schweren Plagen. Glühend strahlt die heiße Sonne Auch ant allerletzten Tage. Gierig Nabal schwelgt in Wonne. Heut' fließt Geld ihm ohne Frage. Hämisch schon in aller Frühe Hin zum Schuldner er nun eilet, Rust: „Ben Gorjon, dich bemühe, „Zahl' das Geld mir unverweilet!" Doch der meint: „Wozu das Hasten? „Hat der Tag ja erst begonnen. „Stunden lang mußt du noch rasten, „Noch hast Geld du nicht gewonnen". Hoch merkt man die Sonne steigen Und mit ihr des Tages Gluthen. Tag wird bald zu End' sich neigen. Werden nun die Wasser fluten? Nabal eilt vergnügt zum Bade, Seinen Körper zu erquicken, Und Ben Gorjon tritt zur Lade, Suchet Gott mit frommen Blicken. „Herr, Du bist der Quell des Lebens, Inbrunst spricht aus jedem Worte, „Laß mich heute nicht vergebens „Flehen hier an diesem Orte! Bon 0. in R. Was oft der Freund, die Freundin, spricht, Erscheint im Deutschen als Gedicht; Das letzte Zeichen stell' voran, Und rück' an's End' das Zweite dann; Hebräisch nennt's ein Strafgericht, Wovon die heil'ge Thora spricht. III. Hebräisches Logogryph. Von 0. in R. Alle Dinge, die auf Erden — Wo 's auch sei — gefunden werden, Flüssig sind sie oder fest, Wenn nicht luftig gar der Rest. Eines nur von allen Wesen Hat der Schöpfer sich erlesen, Dessen Zeichen eins und zwei Zeigen was da luftig sei, Zwei und drei dagegen künden, Was dran flüssig ist zu finden; Erst die Zeichen all' zu Häuf' Nimmt die dritte Klasse auf, Und was allen Menschen eigen, Endlich eins und drei uns zeigen. IV. Hebräisches Anagramm. Pon 0. in R. In ihm wohnen Thier und Menschen, Rückwärts braucht man's auch beim Benschen. V. RSthsel-Frage«. Von 0. in R. In welchem der Söhne Noah's steckte ein Narr? Welcher hatte ein verkehrtes Gehirn? „Nur die Dürstenden zu laben, „War mein Streben, war nrein Sinnen. „Spend' vom Himmel deine Gaben, „Laß den Regen reichlich rinnen!" Sieh', von Wolken ist umzogen Weit und breit der ganze Himmel Und es strömt in mttcht'gen Bogen Wasserfüll' mit laut Getümmel. Auflösung der Käthsel in Ur. 42. l. , Scheninja II. Mythe, Myrthe. Llohikauer * III. Bach, Weide (Bachweide) jh JeiicEjo g IV. Bach, Komponist. n Noah <s Weide-Erquickung. «tj Instrument £ .M Atarat -- Seiuja Aimeleoh ladom H er © i-i & Verantwortlicher Redaeteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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