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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 41 (1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
41 (1886)
Date
1886-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 41.') Jüdisches 1886. Hcrausgegrben von l)r. M. Rahmer in Magdeburg. -4^. Zm UnterhattMg«. KelehrMg für die israelitische Jugend. Mein Glaube! Von Professor Schulz. — Der Jugendfreund. Novelle aus dem jüdischen Leben von Lehrer Max Cohn. — Ungarische Gerechtigkeit. I. — Allerlei für den Familientisch: Warum Spinoza die Professur in Heidelberg nicht annahm — Der Talmud mit der deutschen Kaiserkrone — .Ein Druckfehler. — Aus dem Spruch schätz des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. — Räthsel-Aufgaben und Räthsel-Lösungen. Wein Glaube! Ach glaube, daß die schöne Wett regiere Hin Hoherweiser, nie begriffner Geist, Ach gtanve, daß ihm Anbetung gebühre, Poch weiß ich nicht, wie «an ihn würdig preist. Wicht glaub' ich, daß der Pogme» blinder Glaube Pem höchsten würdige Werehrnng sei, Gr bildet ja Geschöpfe aus dem Stanve Won Arrthum nicht und nicht von Aehlern frei. Ahr Leid zu mildern und ihr Wohl zu mehren Sei jederzeit mein heiligster Beruf, Durch Fhateu, glaub' ich würdig zu verehren Pen hohen Geist, der mich, wie sie, erschuf. And tret' ich einst dann aus des Graves Fiefen Sin vor des Wettenrichters Angesicht, So wird er meine Ahate« strenge prüfen, Poch meinen Glauben? Wein, das glaub' ich nicht. (Aus dem Nachlasse des vor einigen Jahren in Breslau verstorbenen Consistorialraths Professor Schulz.) Prum glaub' ich nicht, daß vor dem Geist der Wette», Per schuf des Falmuds und des Alkoran Wekenuer, weniger sie, den« ßhristen, gellen — verschieden zwar, doch Alle beten an. Ach glaube nicht, wenn wir vom Wriester hören Per Christen Glaube nur allein Wach' selig; wen« Ainsterlinge lehren: Werdammt muß jeder Andersdenker sein. Pas hat der Weise, der einst seine Lehre Wit seinem God besiegelt, nie gelehrt. Pas hat fürwahr — dem Kerrlichen sei Ohre — Kein Aünger je aus seinem Wund gehört. Kr lehrte Schonung, Sanftmuty, Duldung üben, Werfolgnng war der hohen Lehre fern; Kr lehrte ohne Unterschied die Menschen lieben, Werzieh dem Schwachenjedem Jeinde gern. Ach glaube an der Geister Auferstehen, Paß, ob das matte Aug' einst bricht, Geläuterter wir dort «ns Wiedersehen, Ach glaub' und hoff' esdoch ich weiß es nicht. Port, glaube ichwerde ich die Sehnsucht stillen, Pie hier das Kerz oft foltert und verzehrt. Pie Wahrheit, glaub' ich, werde sich enthüllen Pem Geiste dort, dem hier ein Schleier wehrt. Ach gtanve, daß für dieses Krdenleben, — Glaub's zuversichtlich, trotz der Penter Zunft — Zwei schöne Güter mir der Kerr gegeben, Pas eine: Kerz, das andere heißt: Wernnnft. Pie letzte lehrt wich prüfen und entscheiden, Was ich für Wechtfür Wfficht erkennen soll; Laut schlägt das erste bei des Bruders Jreuden, Wicht minder wenn er leidet, warm «nd voll. So will ich den« mit regem Kifer üben, Was ich für Wecht, was ich für Wfficht erkannt, Will brüderlich die Menschen alle lieben, Am Welt, am Kndson und am Gangesstrand. *) In voriger Nr. mußte es 40 statt 39 heißen. Der Jugendfreund. Novelle aus dem jüdischen Leben von Lehrer Max Cohn. (Nachdruck verboten). 4. Kapitel. Jahre vergingen. — Karl, der Sohn des Bankiers, war weit hinter Joseph zurückgeblieben und hatte mit Noth die Sekunda absolvirt, während Joseph bereits im Abiturium stand. Auch Erna war eine andere geworden. Die Zeit der Kindheit war vorüber und sie selbst zur herrlichsten Maid herangewachsen. Joseph kam zwar hin und wieder zu Stern's. aber er wurde anders begrüßt, als vor Jahren, da er noch Kind war. Der Bankier begegnete dem jungen Joseph mit dem größten Patrizierstolze, ärgerte es ihn doch, daß. dieser seinen Sohn, den Bankierssohn, überflügelt hatte! Karl war in dem Comtoir seines Vaters thätig und dieser begrüßte Joseph kalt und zuckte verächtlich die Achseln. Ja, hin und wieder fragte er ihn stolz: „Na, Joseph, wirst Du auch nicht bald Philister sein? Sieh, es ist doch bequemer und annehmlicher, einen solchen Beruf erwählt zu haben, wie ich es that," und dabei wies er auf eine Fülle Geldes, die gerade als Zahlung in das Comtoir des Bankiers einlief. Joseph hörte diese Redensart stillschweigend mit an; nur dachte er im Innern: Möge Karl auch nach Jahren noch so reden können, wie heute; denn Joseph sah nur zu gut, daß Karl nicht der berechnete Mann wie sein Vater war, sondern daß er viel leichtsinniger in den Tag hineinlebte und im Umgänge mit Offizieren, die aus gnten Gründen das Bankiershaus aufsuchten, sein Taschengeld — und das war kein geringes — bei weitem überausgabte. Dem Vater war dieser Umgang sehr recht, sah er doch mil Genugthuung, daß sein Sohn einen solch feinen Verkehr hatte. Vor diesem Verkehr mußte Joseph weichen, wenn er nicht über die Achsel gemustert werden wollte! Doch Erna bewahrte Joseph die alte Anhänglichkeit, freilich als erblühte Jungfrau anders, wie als Kind! Sie erkannte in ihm einen treuen, offenen Charakter und äußerte dieses auch oft ihren Angehörigen gegenüber. Doch dem alten Stern und namentlich Karl mißfiel es, daß Erna auf Joseph etwas hielt, und oft mußte sie hören: „Joseph paßt in unfern Patrizierkreis nicht!"

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