Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 38 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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« — 150 — trösten; er aber lachte mich aus. „Alter Freund", sagte er zu mir, „ich bin glücklicher als früher. Ich habe vor zwanzig Jahren eine blutarme Frau geheirathet und seitdem', weil ich für reich galt, vor Borgern und Bettlern, die sich mir als Verwandte aufdrängten,' keine ruhige Stunde gehabt. Jetzt, wo ich mein Vermögen verloren habe, kommt mir keiner von der Sippe mehr zu nahe, und ich lebe mit meiner Frau wie Gott in Frankreich!" Aehnliches steht Dir und Julius auch bevor, wenn Ihr nicht Verstand annehmt. Es wird wohl hübsch werden, wenn Du, die elegante Cohn, mit Deinem Bräutigam in die nach Oel, Leder und Pech duftende Werkstatt trittst, um Deinen Schwiegervater, den Schuster, zu umarmen!" „Aber, Papa, höre doch endlich auf; an so etwas denke ich doch noch gar nicht. Ich habe Paul sehr gern, aber von Heirathen ist zwischen uns noch gar nicht die Rede gewesen. Julius mag ernste Absichten haben, das glaube ich selbst, und Du wirst gut thun, ihn zu befragen, wie er mit Esther Da Costa steht; ich bin noch keineswegs entschlossen, zu der Schusterfamile hinabzusteigen." Der Bankier geht eine Weile auf und ab; er ist sichtlich etwas ruhiger geworden; dann holt er ein Etui aus seiner Brusttasche, legt es vor seiner Tochter auf den Tisch, küßt sie aus die Stirn und geht ziemlich vergnügt auf sein Zimmer. Anna, welche dem Etui ein kostbares Halsband entnimmt, legt dasselbe um ihren Schwanenhals, tritt damit vor den Spiegel und trällert ausgelassen ein schelmisches Couplet aus der neuesten Operette. (Fortsetzung folgt.) Kleine indische Charakleeznse. „Kommt Zeit, kommt Math." — damit pflegte Samuel Rosenthal seine nach einem „Zukünftigen" noch immer ausschauende, schon 28 Lenze hinter sich habende Tochter zu beruhigen. „Was nützt es mir daß Zeit und Rath kommt, lieber wäre es mir, wenn Hochzeit und Heirath käme," meinte die altkluge Tochter sehr richtig Dev Strick. Ein Stuhlrichter fuhr durchs Dorf; da riß ein Strick am Wagen. Ein Jude eilte herbei und brachte ihm einen andern Strick. „Was bin ich Euch schuldig?" — fragte barsch der nichts weniger als judensreundliche Stuhlrichter. „Nichts," erwiderte dieser hierauf. „Euer Gnaden haben sichum uns Juden schon einen Strick verdient." Worin äußert sich die Altersschwäche bei den Frauen? — In der Schwäche, ihr Alter zu verheimlichen. äthsel-Ausgabe«. I. Deutsches Kttben-RiithsrI. (Dreisilbig.) Bon A. Speier in Heinebach. Richard Wagner durch Meyerveer empföhle«. W. Tappert bringt in der „Allg. Deutschen Musik-Ztg." folgenden, von Meyerbeer unterm 18. März 1841 an den General-Intendanten des sächsischen Hoftheaters, Herrn v. Lüttichau, gerichteten hübschen Brief: „Ihre Exzellenz werden mir vergeben, wenn ich Sie mit diesen Zeilen belästige, ich erinnere mich aber Ihrer steten Güte für mich zu lebhaft, um einen interessanten Landsmann es abschlagen zu dürfen, wenn er, mit vielleicht zu schmeichelhaftem Vertrauen auf meine Einwirkung auf E. E., mich bittet, sein Anliegen, auf diesen Zeilen zu unterstützen. Herr Richard Wagner aus Leipzig ist ein junger Komponist, der nicht allein eine tüchtige musikalische Bildung, sondern auch viel Phantasie hat, außerdem auch eine allgemeine literarische Bildung besitzt und dessen Lage wohl überhaupt die Teilnahme in seinem Vaterlande in jeder Beziehung verdient. Sein größter Wunsch ist, die Oper „Rienzi" deren Text und Musik er verfaßt hat, auf der neuen königlichen Bühne zu Dresden zur Aufführung zu bringen. Einzelne Stücke, die er mir daraus vorgespielt, fand ich phantasiereich und von vieler dramatischer Wirkung. Möge der junge Künstler sich des Schutzes E. E. zu erfreuen haben und Gelegenheit stnden, sein schönes Talent allgemein anerkannt zu sehen. Ich nehme nochmals die Nachsicht E. E. in Anspruch und bitte Sie, mir Ihr geneigtes Wohlwollen zu erhalten. Hochachtungsvoll E. E. ergebenster Diener Meyerbeer." Die endgiltige Entscheidung ließ trotz alledem noch ziemlich lange auf sich warten, denn erst am 21. Juni 1841 meldete die königliche Generaldirektion dem sehnsüchtig harrenden Komponisten: „Nachdem nunmehr sowohl das Textbuch Ihrer anher gesandten Oper „Rienzi", als die Partitur derselben sorgfältig geprüft worden, ist es mir angenehm, Ihnen die Zusicherung der Annahme dieser Ihrer Oper zu geben und wird dieselbe, sobald thunlich, hoffentlich im Laufe des nächsten Winters, auf dem königlichen Hoftheater zur Darstellung kommen." Als Dank für diese Empfehlung schrieb Wagner später: „Das Judenthum in der Musik", worin er auch Meyerbeer verunglimpft. Das erste Paar kommt zu uns her Von Baku und vom tobten Meer; Das Ganze Jakobs Sohn uns nennt, Den von Euch Jeder sicher kennt. II. Kalligraphisches Kogogryph. Von 0. in R. Wer richtig deutsch versteht zu schreiben, Schreib einen Städtenamen hin aus alten Tagen; Viel Gutes weiß jedoch davon ich nicht zu sagen. Schreibt nochmals man dieselben Züge, Rückt einen nur dem frühem näher an die Seite, So kennt der Deutsche wohl die Namen bald für beide. Denkt er nur an Vernichtung Und deutschen Reichs Errichtung. III. Hebräisches Kilben-Raths-I. Von I. Herzberg, Jnowrazlaw. Als ein Getränk es jeder kennt, Es wird oft in der Schrift erwähnt, Nimmst du zwei Zeichen ihm vom Haupt, Hat's manches Leben schon geraubt, — Zerstört im Nu den Lebenssaft, Und bricht gar bald die Lebenskraft! — IV. Zweisprachiges Homonym. Von 6. in R. Hebräisch sucht man abzuwehren, Was Deutsch kein Gerber kann entbehren. Auslösung der Mthsel i« ihr. 37. I. Cham, Sin, Chamsin —der 50Tage(2''llDN) dauernde Gluth-- wind in der arab. Wüste. II. snn m (Mit nro auf die Braut Gar froh der jnn schaut. C.) III. (Armer) hat an Buchstabenzahlenwerth: 34. Ü2N (Weiser) doppelt soviel: 68. (Geld) noch einmal soviel: 136. Verantwortlicher Redacteur vr. Ra hm er. Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.