Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 37 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 146 — den Shakespeare-Studien. Auerbach hat im „Landschloß am Rhein", bezüglich Hamlets, einem Kinde die Frage in den Mund gelegt: Wie kommt es, daß Hamlet von jener unbekannten Welt spricht, von der kein Wanderer zurückkehrt? gerade er, dem erst in recht detaillirter Weise von einem solchen zurückgekehrten Wanderer ein, wie er glauben mußte, gewiß wahrheitsgemäßes Bild in xartüdus von jener Welt mitgetheilt wurde! So auch mit Shylock. Wie oft hat man die Phrase gehört: „Er besteht auf seinen Schein wie Shylock!" Und doch, sieht man sich die Sache näher an: Wer besteht eigentlich auf den Schein? Shylock besteht auf den Schein dem Sinne nach, und sicher ist es gerecht, sich empört von diesem Verlangen abzuwenden, sich ebenso abzuwenden, wie von den Rechtszuftänden einer Republik, in der ein solcher Contrakt ohne Weiteres rechtsgültig geschlossen werden konnte. Jndeß, die Pointe des Stückes besteht doch darin, daß gerade die schöne Vertheidigerin und der hohe Rath der Republik auf den Schein (nach dem Wortlaute desselben) bestehen. Samuel o. Gin verlegter Tischo b'Orv. Auf der Reise besuchte ich jüngst einen starkorthodoxen Freund in Galizien, traf aber nur die Frau daheim. Es war der 9. Ab und ich erstaunte, daß Nichts von Trauer und Fasttag zu bemerken war; ich konnte nicht an mich halten und befragte die Frau hierüber. ^Sie sehen ja," antwortete diese, „mein Mann ist nicht zu Hause, wenn er nach Hause kommt, werden wir dann Tischo b'ow machen!" Das religiöse Kind. Motto: Ps. 8, B. 3. Ein Büblein, fromm und zart, Hielt 'mal — nach Bubenart — Ein Blättchen vor sich hin, In dem kein Buchstab d'rin. Aus seinem Purpurmund Manch' leiser Laut erklingt; Weih nicht, ob's Herz that kund Das Wort, das von ihm dringt! Doch sieh! im Aeugelein Manch' Thräne schimmert hell Und rollet hell und rein Von Rosenbäckchen schnell. Der Mund bewegt sich leis', Die Lippen beben sehr, Was der nur sieht und weiß, Wem's Herz nicht unschuldleer. — „Sag', liebes Herzchen, an, Was liesest du denn da?" — So frug Herr Thomassan Des Kindes Herr Papa. „Ich bet'" so sprach der Mund Des Kindes laut und rein: Daß Gott mach' bald gesund Mein krankes Mütterlein." — Herr Thomassan d'rauf schweigt; — Im Herzen tief bewegt — Zum Büblein er sich neigt, In seine Arm' er's legt.' Und zu ihm spricht die Wort': „Hast Recht mein liebes Kind, Bet' stets zum guäd'gen Hort, Ter Hilst dann auch geschwind. — Er machet arm und reich, Erniedrigt und erhöht*) Und rettet, hilfbereit, Den, der mit Inbrunst fleht." — Wanfried. I. Oppenheim. *) Siehe das Gebet der Hanna. (1. B. Sam. c. 2.7.) A«» dem Sprachschatz de« Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. Weisheit und Goldj Sind selten Einem hold. * * * Gott, Mutier und Vater Sind deine treusten Berather. Zu schüchtern — bleibt nüchtern, Kriegt schmale Bissen Und nichts zu wissen; Ein wenig dreister Nah' dich dem Meister. Die Wissenschaft gleicht ganz dem Meer — Ist noch so ehrlich auch dein Streben, Und schöpftest Du ein ganzes Leben, Erschöpftest du sie nimmermehr. Nimm dir zu Herzen diese Lehr' Und setze Schranken Deinem Streben, Nicht alle Schätze kannst Du heben, Nach Dir da kommen andre mehr. Uathsel- Aufgatzen. I. Imristlbige Charade. (Fremdsprachlich.) Von C. m R. Die erste nennet einen Mann, Den ich als Muster nicht empfehlen kann; Er übte nicht die heil'ge Pflicht, Wovon der Dekalog zum Kinde spricht. Die zweite, die im fernen Land Durch Gottes Fürsorg' jedenr ist bekannt, Ist zwar an sich ein wüster Ort; Doch weilten, einstmals unsre Väter dort. Das Ganze, — kommt's herangeeilt, Wenn auf dem Wege noch der Wandrer weilt, — Bringt diesen oft in große Noth. Behüte Gott, wenn jäh' es ihn bedroht. H. Hebräisches Kogogrqph. Von I. Herzberg, Jnowrazlaw. Wer's ist, dem blüht der Liebe Glück, Dem strahlet es aus jedem Blick, Ihn Znkunftshoffnung ganz beseelt, Weil er ein treues Herz erwählt. Was er empfindet, willst Du wissen? Woran den Fuß wirst setzen müssen. — Wer wünscht nicht, daß ganz so wie heut, Mein Wort ihm neu bleibt allezeit! III. Hebräisches Rechenerernpel. Wer Geld hat, gilt noch einmal soviel wie ein Weiser, Wer aber arm ist, und sei er noch so weise, gilt doch nur halb soviel- Auflösung drr Uäthsel in Ur. 35. I. Erde. Herder. II. (Richter und Beamte); nimmt man das '2aus dem einen und das H aus dem andern Worte — also ^>2—Farren — so bleiben (Narren) übrig. Kt. Eva, 228 (Nichts). Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs. Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.