Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 34 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492351-9579404-9574339--0684-9574343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
* — 184 — Mußtest Du mir da erst so krank werden, kleines Närrchen? Kanntest Du denn Deinen Vater so schlecht, daß Du glauben konntest, ich würde einen Menschen wie Rüben nicht von Herzen als Schwiegersohn begrüßen? Und das, was Du als das größte Hinderniß angesehen, hat Dir erst noch zum Glück verholfeu; ich werde Dir es später einmal erzählen, Röschen. Wenn er mir nur nicht närrisch wird vor Freude, der gute Junge. Denn wie lieb er Dich hat, das weiß ich am besten; woher, das verrathe ich nicht, er wird Dir's schon selbst sagen. Aber jetzt gehe zur Ruhe, Kind, und es wird mir nicht die ganze Nacht mit Recha verplappert, sondern geschlafen, fest geschlafen, hörst Du? Sie gab ihm noch glücklich lächelnd einen herzhaften Kuß und ging mit den Worten: „Gute Nacht, mein guter Vater, ich danke Dir!" in ihr Schlafzimmer. (Fortsetzung folgt.) Allerlei für de« Familientisch. Aus Atalien. Nach neueren Feststellungen hat Cavour, der große italienische Patriot, seinen ersten politischen Erfolg einem — Rabbiner zu verdanken. 1851 war Cavour in Turin, seiner Vaterstadt, als Candidat aufgestellt. Damals stand Italien noch unter Oesterreichs Botmäßigkeit und die in Turin wagten, aus Furcht vor der herrschenden Macht, nicht, ihren großen Mitbürger zu wählen. Da wandte sich Massimo di Aseglio, ein Parteigenosse Cavours, an den Türmer Rabbiner Lelio (Hillel) Cantoni um dessen Unterstützung für Cavours Wahl. Der Rabbiner wirkte in Folge dessen eifrig für diese bei seinen Gemeindemitgliedern, und nur dadurch wurde Cavour Deplitirter. (Der politische Fortschritt der Völker hat fast in jedem Lande wichtige Unterstützung von unfern Glaubensgenossen erhalten.) Mestizka. (Rußland). AmSabbat,„Pinchas"warinder hiesigen Chassidim-Schule ein Skandal ausgebrochcn. Während des Thora-Vorlesens schrie einer der Zuhörer: „Um Gottes willen, wir versündigen uns Alle! Der Thora-Vorleser ist ein „Epikaures gornur“ (ein Ketzer höchster Sorte), denn zu Hause liest er weltliche Bücher, und selbst bis in die Synagoge dringt seine Sündhaftigkeit: er trägt heut' ein weißes Sacktu ch in der Tasche, seht, hier lugt ein Zipfel hervor!" Man überzeugt sich von der Wahrheit dieser schrecklichen Anklage, allgemeine Empörung, die Haltung der Andächtigen wird eine unheimliche, der Thora-Vorleser verläßt mit Mühe und Noth den Schauplatz seiner Schandthat: Das hat das weiße Sacktuch mit seiuem Zipfel gethan. Spata. Wie „Hameliz" berichtet, hat hier eine Frau ein Kind mit 4 Füßen und der Gestalt eines Löwen zur Welt gebracht. Ein Vorhang mit eingestickten Löwen an der Wand neben dem Bette der Frau wird als die Ursache dieser Abnormität angegeben. — (Wenn das Ganze nicht eine aus einer .. „sauren Gurke" ausgebrütete „Ente" ist.) Lyrische Probe« von Albert Rosenbaum in Cassel. V. Auf HUgi-Arrlm. O, welch' ein Blick hinab in's Land! Wie reizend schön, wie schrecklich wild! Das Auge haftet wie gebannt An diesem wahren Zauberbild. Ihr Dichter laßt das Schildern sein! Laßt hier verstummen jedes Lied! Hier nützt der Anblick nur allein, Wo man die Größe Gottes sieht. Will man begreifen Gottes Ruhm, So schaue man von hier in's Land, Man steht in Gottes Heiligthum Und Aug' und Zunge sind gebannt. Die Bergesriesen streben kühn, Hinauf in Gottes Himmelszelt, Der ew'ge Schnee, das AlpeNglüh'n Läßt ahnen uns die andre Welt. Und diese Burgen der Natur, Zum Schutz der Freiheit steh'n sic da, Zum Schutz der Gleichheit, die man nur Hier stets verwirklicht vor sich sah. Doch halt! ich bin ein Jude; nein — Es senkt das Haupt zum Denken sich — Ich plus; nicht gut berichtet sein, Ein inn'res Weh erschüttert mich. Wie? Gab es hier nicht Glaubenshaß Und Rassenhaß und Bruderkrieg? Gab's nicht auch hier oft dies und das^ Was die Geschichte gern verschwieg'? Sind Alle hier in Lieb' vereint? Im Herzen Alle gleich und frei? Jst's äußerlich nicht nur gemeint. Die Herzen aber nicht dabei? Der Glaubensbrüder leben hier So manche gern und gut beschützt, Doch Gleichheit bleibt's nur auf Papier,. Die nicht im Volkes herzen sitzt. Ihr Riesen mit dem ew'gen Schnee, Ihr schaut so kalt und frostig drein, Thun sich auch hier die Menschen weh'? Und i h r wollt Gottes Tempel sein? Und wie ich aufblick' rings umher. Als wollt' ich Antwort, — welche Noth! Der,Sonnenball sank mehr und mehr, Und Alle wurden glühend roih! Uäth sei-Aufgabe«. I. Zwei Deutsche Logogryphe. Von 6. in R. 1. Josua sie besiegle Einst mit seinen Schaaren; Wo kopflos sie verfügte, Gttb's wenig zu bewahren. 2. Mit O ist es ein großes Land, Mit T als Handelsstadt bekannt. »I. Arithmetisches USthfel (hrdrüifch)^ Von 6. in R. Willst Du mich sehen, So wart' bis zum Winter; Mich zu verstehen, Das geht schon geschwinder. Eins zu zwei, wie zwei zu drei Gibt's Werthverhältniß meiner Zeichen;. Daß es rückwärts auch so sei, Ersiehst sofort Du beim Vergleichen. III. Hebräisches Anagramm. Hat's die Mauer auch nur klein, Rückwärts zieht's dadurch hinein. IV. Rüthfelhastr Frage. Wie hieß der Vater von Joab, Sohn Zeruja's? H. M. 8. Ren«. Auflösung der Uäthsel tu Ur. 33. I. Manna. Annam. II. Eva. Ave! III. Paradies. Ade Paris: IV. (Pelikan), D2| (Zorn). Verantwortlicher Nedacteur vr. Na hm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.