Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 33 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492351-9579404-9574334--0676-9574335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches J& 33. titilifi*!/#// f^J HeranSgMbm von Dr. M. Nahmen in Magdeburg. Zur Untklhaltuug 11. Kelehruug für dir israelitische Jugend. Inhalt: gum sechzicrjähriqcn Rabbinerjubilümv des Oberrabbiners Dr. Alexander Wolf in Kopenhagen. — Die Tochter des Wucherers. Von .Henriette K'atz. (Fortsetzung). — Eine Ergänzung zur Gedächtnißfeicr Mendelssohn's. — Allerlei für den Familientisch: Fasten, ohne .junger oder Durst zn empfinden. Lasker's Bild. Alt-Jerusalem. — Kleine jüdische Charakterzüge. — Lyrische Proben von Albert R os en b aum in Cassel. IV. Trostlied. — Aus dem Spruchschatz des Talmud. — Räthsel-Aufgaben und Räthsel-Lösungen. Znm sechrigjahrigen Nabvi«erjnvit8«w des Oderrabbiners Prof. Dr. Alerander Molf in Kopenhagen. am 15. August 1886. Der Aastre sechzig gottgeweiyten Streöeus! And heul' wie einst in voller frischer Kraft, And -e«1' wie einst Dein Mort Ae-eist'rnrrg schafft! Siehst im Zenith des Amtes wie des «Levens. Die Spur des Niedergangs sucht man vergebens; Noch ist Dein Arveitseifer nicht erschlafft, Dein Wort, so klar, so kühn, so meisterhaft, Weckt große Stunden heiligen Krheveus. Nicht nur die Deinen freue« stch des Arornmerr- Der wie ein Patriarch im Kaufe waltet, Nicht die Gemeinde nur ist freud'entglomme« HV ihres Kirten, dessen Kraft nicht altet. Auch «Ver's Meer die Dankesgrüße kommen Aür all' das Schöne, das Dein Heist gestaltet. Die Tochter -es Wucherers. 6) Von Henriette Katz. Sara und Leo saßen in Gedanken vertieft und lauschten den wehmüthigen Strophen. Leo dachte dabei an seinen bevorstehenden Abschied: er wäre so gerne noch ein paar Tage geblieben und da ihm dies sein Amt nicht erlaubte, sann er nach, wann es ihm wohl möglich sein würde, wieder zu kommen und wann er sich sein Lieb für immer würde holen können. Sara hatte keine Ahnung davon, daß'ihr der> Abschied von Leo so bald bevorstand; sie glaubte, daß er nur wegen Rüben so ernst und verstimmt sei und war ihm im Stillen von Herzen dankbar, daß er dem Bruder ein so guter, treuer Freund war. Inzwischen war der Vater eingeschlafen und nun saßen die Drei noch bis spät in die Nacht hinein plaudernd zu« sammen. Rüben war auch wieder gesprächiger und Leo gestand Sara, daß er schon morgen reisen müsse, und nun gab es für diese noch so viel zu denken und zu besorgen, daß der Gedanke an die kranke Freundin doch etwas in den Hintergrund gedrängt wurde. Jetzt, da ihr Bräutigam wieder gehen mußte, wußte sie erst, wie lieb sie ihn hatte. Sie konnte sich ihr Heim gar nicht mehr schön denken ohne ihn und es ward ihr bange, wie sie die ersten Tage wohl so ertragen würde. Leo schien ihr die Gedanken von der Stirne zu lesen; er war überglücklich, als er bei der Mittheilung von seinem baldigen Scheiden sich Sara's Züge so verändern sah; es war doch ein zu beseligendes Gefühl, so geliebt zu werden. VII. Es war längst Mitternacht vorüber, als sie sich endlich zur Ruhe begaben. Sara konnte lange Zeit nicht einschlafen; erst gegen Morgen überwältigte sie die Müdigkeit und ganz erschrocken fuhr sie von ihrem Lager auf, als an die Thüre ihres Schlafzimmers geklopft wurde. Es war schon so hell, wie spät mochte es schon sein und heute Morgen wollte ja Leo abreisen. Sie kleidete sich so schnell wie möglich an und eilte in's Wohnzimmer, wo schon in aller Frühe ihr eine sehr frohe Botschaft entgegengebracht wurde. Rüben kam ihr mit freudestrahlendem Gesicht entgegen: „Röschen ist jeder Gefahr enthoben. Sara! Eben war die alte Recha hüben, um es Dir zu melden; vielleicht darfst Du sie sogar heute schon einmal besuchen." k" „Nun, nun, laßt mich doch auch einmal zu Worte kommen. Schön guten Morgen, Sara! Ich weiß auch noch was Hübsches für Dich! Ich bleibe noch bis heute Nachmittag. Sieh nur einmal nach der Uhr, wie wir uns verschlafen haben. Ich bin eigentlich recht froh darüber, jetzt reise ich noch einmal so leicht von hier fort, da Ihr Alle wieder so frohe Gesichter macht." Das waren allerdings zwei frohe Botschaften, fast hätte Sara darüber vergessen, einen Morgenimbiß zuzubereiten; erst als Rüben scherzweise die Tassen auf den Tisch setzte und sich Sara's große Küchenschürze vorband, fielen ihr ihre Pflichten als Hausmütterchen ein. Nun mußten ihr Rüben und Leo, als Strafe, daß sie sie verlacht hatten, helfen. Leo mußte Feuer anzünden, Kaffee mahlen, und Rüben besorgte auch allerlei. Es sah zu drollig aus. wie die beiden langen, dunklen Gestalten neben Sara in der kleinen Küche herum hantirten. Leo besonders konnte gar nicht aufrecht darin gehen und bot deshalb einen äußerst komischen Anblick. Sara mußte so viel lachen über ihre beiden Gehülfen, daß sie gar nichts rechtes thun konnte; sie mußte nur immer wehren, daß sie nicht allzu laut wurden, der Vater schlief noch so sanft und sollte eher nicht geweckt werden, bis Alles bereit war. Endlich war das große Werk gelungen und Sara machte den beiden Herren das Compliment, daß sie im Verzehren doch weit tüchtiger wären, als im Arbeiten. Nach dem Kaffee begleitete Rüben seinen Schwager in die Werkstatt, die Arbeit hatte sich so angehäuft, er durfte heute nicht noch einmal feiern, zudem er jetzt weder Gesellen noch Lehrlinge hatte; erst im nächsten Monat bekam er wieder Hilfe. Leo unterließ es heute noch immer, auf sein gestriges Thema zurückzukommen, sie waren eben noch so vergnügt zusammen gewesen, er konnte ja später brieflich sein Heil noch einmal versuchen. Sara versorgte den inzwischen erwachten Vater, der sich auch nicht wenig freute, als ihm Sara sagte, daß Röschen wieder wohler sei. Dann setzte sie sich mit einer Handarbeit