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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 32 (1886) · p. Seite 126

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
32 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 126 (sequence 4)
Language
German
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— 126 „Wer von Euch Dreien hat den Challif *) mit hinausgenommen?" Mit diesen Worten begann der Lehrer die „hochnothpeinliche" Verhandlung. „Wolf warst Du's oder Schäfchen Du?" Wolf heulte und Schäfchen blökte. Jetzt trat Lachs, der bei jeder „gerichtlichen" Streitsache Staatsanwalt und Zeuge in einer Person war, vor und sprach: „Vater, der Abraham — das war ich — ists gewesen, er ging zuletzt 'naus und das Messer hatte vorher auf der richtigen Stelle gelegen." „Ich wars nicht," wollte ich entgegnen, aber das „nicht" blieb mir vor Weinen und Schluchzen in den Kehle stecken, so daß nur „ich wars" herauskam. „So recht, daß Du es eingestanden hast, darum bekommst Du auch nur „sechs" statt „neun", wie Du es eigentlich verdient hast." O, diese ominöse „Sechs"! Wie oft schon hatte ich diese Unglückszahl mit Schaudern nennen gehört! Doch war ich bis jetzt verschont geblieben. Es hatte nämlich unser verehrter Lehrer bei Verabreichung von Ruthenhieben das Duodezsystem eingeführt. Leichte Vergehen wurden mit einem Viertel Dutzend, schwere mit einem halben, Verbrechen mit dreiviertel Dutzend und die schwersten Verbrechen — selbstverständlich Alles nach der unfehlbaren Ueberzeugung unseres sonst so braven Lehrers — mit dem vollen Dutzend bestraft. So erhielt ich denn auch ein halbes Dutzend, während Wolf und Schäfchen, die eigentlichen Verbrecher freigesprochen wurden. Und obgleich diese Schläge die ersten und die letzten gewesen, obgleich ich schon in einigen Jahren zum Gehilfen avancirte: diese sechs unschuldig verdienten Ruthenstreiche schmerzten mich noch nach Jahren und hätten mich, davon bin ich heute überzeugt, zum schlechten Menschen geschaffen, wenn mich nicht eine bessere Schule, die ich später besuchte und wohl auch die harte Schule des Lebens geheilt hätten. Für mich aber und wohl für jeden pädagogisch gebildeten Menschen habe ich die Lehre gewonnen: Hüte Dich vor Uebereilung und Oberflächlichkeit zugleich, daß Du ja keinem Kinde Strafe verabreichst, wenn Du nicht genau von seinem Vergehen überzeugt bist; eher zu wenig als zu viel strafen. Ganz besonders sei dieses auch gesagt für die Mütter, für die Erzieherin, daß sie den jugendlichen Frohsinn ihrer kleinen Lieblinge nicht vergällen und vergiften durch Ungerechtigkeit und Launenhaftigkeit. Und, Gott sei Dank! daß es solche Schulen bei uns nicht mehr giebt, sie waren ein Ruin für Geist und Gemüth; sie haben den freien Menschen zum Sklaven, den Begabten einfältig und den Dummen noch dümmer gemacht. Doch lag die Schuld weniger am Lehrer, als am Geiste der Zeit, und dieser Zeitgeist ist es, der auch heute noch in den jüdischen Schulen, wenn auch auf andere Weise, seinen Spuk treibt und Mißstände aller Art reifen läßt. Proben einer Übersetzung von Wyron's „Hebrew-Melodies“. Von Rebecca Treitel. 1. Beweint sie. Beweinet, die geweint an Babels Strom, Zerstört ist ihr Altar, ihr Reich — Phantom, Um Juda's Harfe weint, sie ist zerschellt, Dort trauert, wo einst stand des Ew'gen Zelt. Wo badet Juda seinen blut'gen Fuß? Wann künden Zions Lieder frohen Gruß? Wenn hüpft das Herz bei Juda's Sange wieder, Wie bei den Tönen seiner Zions-Lieder? So flieht ihr Wanderstämme rastlos fort Mit müder Brust, euch winkt kein Ruheort; Die wilde Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Schlucht, 'ne Heimat jedes Volk — Israel nur die Gruft. *) Das Schlachtmesser. s. Sie wandelt in Schönheit. Wie ist doch Judas's Tochter schön! Wie's Sonnenlicht in Himmels-Höhn Und einer heitern Sternennacht Gleichen der dunklen Augen Pracht. Anmuth strahlt hier im zart'sien Licht, Das selbst dem schönsten Tag gebricht. Harmonisch schufen Nacht und Licht Der Schöpfung lieblichstes Gebild; * Der Strahl im Rabenhaar sich bricht. Das Antlitz athmet Güt' und Mild'. Ein träumerisch Sehnen in dem Blick, Ein Suchen nach verlorenem Glück. Auf dunkler Wange Rosenglut Erhab'ne Ruh' in jedem Zug, Lächeln mit Thräne eng vermählt, Von einst'gem Glück noch heut' erzählt. Versöhnt mit jedem Feind hinieden, Im Herzen tiefsten Seelenfrieden! a. Alles ist eitel. Ruhm und Weisheit, Mach: und Liebe, Jugend, Schönheit waren mein, Weibergunst ich ward sie müde — Meine Becher schäumten Wein. Aus den Augeu schöner Frauen Sog die Seele Lebenslust Was auf Erden war zu schauen, Ich genoß's zum Ueberdruß. Aber — wenn das Auge lenket Auf Vergang'nes seinen Blick Wenn das Herz der Tage denket Die voll Uebermaß im Glück, O, dann brachte jeder Morgen Mit dem neuen Freudcnqucll Neuen Kummer, neue Sorgen — Schnell ward trüb, was licht und hell. Seit zuerst des Feldes Schlange Eines Weibes Sinn bethört, Hat in ewig neuem Drange Neuen Reiz das Herz begehrt. Nicht des Weisen ernster Wille, Nicht der Töne Zaubermacht Kann des Busens Triebe stillen, Die die Schlange angefacht. Riithsel - Aufgaben. I. Deutsche» Silbenräthsrl. Von 0. in R. Aus folgenden 29 Silben bilde man 10 Wörter, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und deren Endbuchstaben von untennach oben gelesen ein Nationalunglück bezeichnen. ad, be, che, de, e, fi, gat, gi. ko, las, le, mi, nal, nar, ne, no, o, ö, pi, phim, ra, ra, re, ris, rup, sy. te, ul, zi. 1. Fluß in Parthien. 2. Stadt in Frankreich. 3. Ein Laster. 4. Eine klebrige Flüssigkeit. 5. Götzen. 6. Ländliche Beschäftigung. 7. Ein schlechter Mensch. 8. Ein Bibelübersetzer. 9. Eine Grasärt. 10. Ein Gebirge Palästina's. II. Zweisprachige» Homonym. Von 6. in R. In dem Deutschen kauft man Waare; Steht's hebräisch — Gott bewahre! Auflösung der Mthsel tu Ur. 31. I. Namen, Manen, Amen. II. Weimar, Meiraw eine Tochter S auls,1 Sam. 14,49> HI. Becher, "Q2- (1. B. M. 46,21.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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