Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 30 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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118 — Männer mit weitschauendem Blicke gegeben, welche sich zusammenthalen, dem Wohl der Gesammtheit zu dienen. Und dieselben Männer, die mit dem Lebenden den Kranken und Siechen geholfen, die mit ihm aus Colberg ein Weltbad schufen, welches in seiner Vereinigung von Sool- und Seebad einzig darsteht, die Männer, die insbesondere in den letzten zehn Jahren wenn auch unter schweren Opfern für Colberg Verbesserungen zu Stande gebracht haben, wie solche kaum ein anderes Bad aufzuweisen hat, dieselben Männer sind es. welche sich zusammenschaarten und den Gedanken hinaustrugen, ihrem geistesverwandten Freunde in treuer Liebe ein Denkmal zu setzen. Ihr Ruf fand mächtigen Wiederhall und heute, nach kaum einem Jahr, ist das Ziel erreicht. Wie soll ich da Worte genug des Dankes finden, wie jedem Einzelne«, welcher das Seinige beigetragen, wie insbesondere den hochverehrten Komiteemitgliedern, welche r so aufopfernd, so rastlos sich bemüht, Ausdruck davon geben, was das Innerste meines Herzens bewegt und erbeben läßt. Sie sind dem Entschlafenen Freunde über das Grab hinaus gewesen, jedem von Ihnen könnte ich die gleichen Worte der Anerkennung zurufen, welche der Festredner in so beredten von Herzen kommender und zu Herzen gehender Weise Ihrem einstigen Mitbürger geweiht hat. Unser Dank sei dem Künstler dargebracht, der das Werk erdacht und dem, der es geschaffen. Sie haben in den edlen, reinen Formen ihr Vcrstnn.dniß für das schlichte Wirken des Menschenfreundes, für den es bestimmt war, kund gethan. Unvergessen wird auch für alle Zeiten im Herzen der Hinterbliebenen die Theilnahme der Bürger Colberg's sein, welche der Wittwe und den Kindern in trüben Tagen Trost gespendet, und welche durch ihr so zahlreiches Erscheinen bei der heutigen Feier zu erkennen gaben, daß sie das Wirken des opferfreudigen, berufstreuen Arztes, ihres selbstlosen Mitbürgers in sich lebendig halten wollen. Nur in einem gesunden kräftigen Gemeinwesen können solche vom edelsten Idealismus getragenen Anschauungen sich aufrechterhaltcn. Daß Colberg ein solches Gemeinwesen besitzt, daß es von Männern verwaltet wird, welche diese Anschauungen _ Hochhalten und pflegen, davon haben der hohe Magistrat und die hochverehrten Stadtverordneten Zeugniß abgelegt. Auf dem Grund und Boden der Stadt Colberg ist dies Denkmal errichtet, und das Denkmal selbst ist in ihr Eigenthum übergegangen. Der Dank, welchen ich für diese würdige Anerkennung der Bürgertugend des Heimgegangenen den W hohen Verwaltungsbehörden hiesiger Stadt ausspreche, ich will ihn im W Geiste und Sinne des Mannes, den Sie heute so hoch geehrt haben, in * den Wunsch zusammenfasfen: Es blühe, ivachse und gedeihe das Gemeinwesen Colberg; es finde die verdiente Anerkennung das Streben seiner Behörden und Bewohner, ihre besten Kräfte der Hebung des Bades zu weihen; und es fehle in Colberg me an solchen Männern, wie ich sie zahlreich vor mir sehe, welche die Humanität Pflegen, das Gute, Edle und Schöne wahren und fördern." Das „Halleluja" aus dem Mendelsson'schen Messias beendete die erhebende Feier, welche auf die Festgenossen sichtlich einen tiefen Eindruck machte und sie in dem Andenken an den Verstorbenen und in dem Gefühl vereinigte, daß die Bürgerschaft, indem sie einem hochverdienten Mitbürger ein Denkmal errichtet, sich dadurch nur selber ehrt. Und so möge denn das Denkmal des guten und edlen Mannes, dessen Tod wir beklagen, durch die Jahrhunderte ragen, als ein schöner Schmuck unserer Stadt, als ein Gedächtnißmal an den Verstorbenen und als eine Erinnerung ihm nachzueifern in treuer Pflichterfüllung und edler Menschenliebe. Lyrische Proben von Albert Rosenbaum in Cassel. Die Sonne stand am Himmel in ihrer alten Pracht, Da Hab' ich, Glaubcnsbrüder, an unfern Stamm gedacht^ Das war ein Bild, so treffend, wie keines je ich sah, Mit Thränen in den Augen und betend stand ich da. Das Meer, das wir durchfahren, es ist das Völker meer, Da wogt und stürmt es häufig und brüllt verderbenschwer. Des Einig-Einz'gen Schaaren sie werden oft bedroht, Und Haß und Feindschaft stürzt sie in arge Seelennoth. Die schwarzen Wolkenmassen am trüben Firmament, Durch deren Wände Niemand die Sonne mehr erkennt, Das sind die Leidenschaften in uns'rer eignen Brust, Das ist die Gier nach Mammon, die Jagd nach Erdenlust. Und sind wir denn verloren? Gibt's keine Hoffnung mehr?" Bon außen und von innen sind wir bedroht so schwer! Das Schiff, das wir betreten, so cisenfest zu schau'n, Es ist das alte, ew'ge — das heißet Gottvcrtrau'n. Allein auch es, ergriffen vom Sturm, der es durchfegt, Wild oft zu unserm Schrecken zur Seite schon gelegt, Ist Alles nun verloren und keine Rettung mehr? — Der Mund ist von Gebeten, das Aug' von Thränen leer. Die Woge, die sich hebet mit riesiger Gewalt, Und gliicklich unser Fahrzeug trägt in den Hafen bald, Das ist die Fügung Gottes, die aus des Sturmes Kräfte Der uns darniederbeuget, auch wieder Segen schafft. Die wilden Elemente von ihreni Toben ruh'n, Die ew'ge Wahrheitssonne erscheint am Himmel nun. Und Alles jauchzt entgegen dem heil'gen Himmelslicht, Der Sturm hat nur gesegnet, Verderben bracht' er nicht. Bon manchem gift'gen Stoffe hat er das Herz befreit, Was unserm Leben schadet verwehet und zerstreut, Wenn uns ein Gott erschrecket durch Seiner Allmacht Droh'n^ Liegt stets in Seinem Zürnen des Vaters Segen schon. Drum wenn auch heute wieder das Meer uns wild umtost, Seid ruhig, Glaubensbrüder, vertraut auf Gott getrost. Wie schrecklich auch der Sturmwind durch uns're Segel treibt, Er heult ja nur vorüber, und uns're Sonne bleibt! ---M! Räthstl-Ausgaben. I. Deutsches Logogrqph. Von 0. m R. Ein Kindlein zart und fein Schließt ganz bequem es ein; Doch nicht der Raum der Welt, Wenn's Herz voran man stellt. II. Hebräisch-deutsches Silbenräthsei. Von I. Kaufmann in Essen. II. Am Meere. Ich stand am Strand des Meeres, als es vom Sturm erregt Ein mächt'ges Schiff ergriffen, zur Seite es gelegt. Und Alles schien verloren, die Schiffer und das Gut, Ich sah im Geist sie sinken hinunter in die Flut. Es ras'ten schwarze Wolken dahin am Firmament, Wie auf der Jagd der Tiger das Stcppenland durchrennt, Der Sturmwind' heulte grollend und donnernd durch die Luft, Als sollt' die Erde stürzen hinunter in die Gruft. Ist denn die Welt verloren? Gibt's keine Hoffnung mehr? Ich sah hinauf zum Himmel, mir war das Herz so schwer. Die Elemeute tobten in wilder Kampfeswuth, Dem Kühnsten der Matrosen entsank der Löwenmuth. Doch eine Woge hob sich mit riesiger Gewalt, Das Schiff auf ihrem Rücken trieb sie zum Ufer bald, Und nach und nach verstummte das Toben der Natur, Der Sturm hat nicht vernichtet, erschüttert har er nur. Von manchem gift'gen Stoffe hat er die Luft befreit, Was unserm Leben schadet verwehet und zerstreut, Hat uns nur neue Hoffnung und neue Kraft verlieh'n. Zum Segen ist geworden, was uns Verderben schien. 1. Was von Anfang her bekannt Wird mit der ersten Silb' benannt. 2. Du rufst den Schläfer aus der Ruh' Fügst Du ein kleines Zeichen zu. 3. Nun, lieber Leser, füg' behend, Dem Wort noch einen Laut an's End' — Dann hast zwei Männer Du vereint,. Um deren Tod man viel geweint. Anflöfnng der Mthsel in Ur. SN. I. Dessau (des, Sau, Mendelssohn.) H. Barches (TVD13) Arche. III. 1. Barsilaj 2. Eingeweide 3 Leser 4. Abihu 5. Gaulonitis 6. Elisa 7. Reutzl 8. Unze 9. Nahum 10. Gaubinus Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.