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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 28 (1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
28 (1886)
Date
1886-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 28. 1886. Jüdisches utiliri-f/#// Hcrausgegeben von I>p. M. Rahmer in Magdeburg. Zllk Unterhaltung n. Belehrung für die israelitische Jugend. rv c fi. Die Tochter des Wucherers. Von Henriette Katz. (Fortsetzung). — Papst Sixtus V. und die Shyloksage. (Fortsetzung). — vtUlCtln Raschi's Stuhl und Luthcr's Denkmal, in Worms am Rhein. — Kleine jüdische Characterzüge. Wie man das Reugeld ' erspart. — Der liebe Mechutten. — Räthsel-Aufgabe und Räthsel-Lösungen. — Briefkasten. Die Tochter des Wucherers. 2) Bon Henriette Katz. II. Wie überrascht und beklommen war sie gewesen, als sie jenes traute Stübchen, in welchem sie seitdem nun so manche schöne Stunde verlebt, zum ersten Mal betreten. Ls sah gar nicht so ärmlich darin aus, als sie geglaubt, wenn auch Alles höchst einfach war, so bot das ganze doch ein Bild der Behaglichkeit. Im Hintergrund des Zimmers saßen Rüben und Sara am Bette des kranken Vaters und das Buch in Rubens Hand ließ darauf schließen, daß er vorgelesen hatte. Anfangs verwundert, aber dann sehr freundlich kam man ihr entgegen; es schien, sie war den Leuten gar nicht so fremd, als sie geglaubt! „Ich komme im Aufträge meines Vaters, welcher sich nach der Art des Leidens seines neuen Nachbars erkundigt; er mußte auch einmal Jahre lang das Bett hüten und hat es einem tüchtigen Arzt seiner Vaterstadt zu verdanken, daß er wieder so gesund wie je in seinem Leben ist; vielleicht wäre diese Kur auch bei Herrn Cahn verwendbar." Mit diesen Worten Halle sie sich eingeführt. Man rückte auch für sie einen Läuhl an das Lager des Kranken und über eine Stunde hatte sie schon jenes Mal bei den lieben Nachbarleuten verweilt. Wer ist denn da nur eigentlich der Schuhmacher? so mußte sie sich auf dem Nachhauseweg immer und immer wieder fragen. Daß der alte Mann nichts mehr leisten konnte, war doch zu natürlich, und der junge Herr, welcher sich eben noch so gut mit ihr unterhalten und auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft so bewandert schien, der konnte es doch ebenso wenig sein; als es ihr aber zur Gewißheit wurde, daß er es dennoch war, da war sie vor Verwunderung keines Wortes mächtig gewesen. „Dieser Mensch und ein Schuhmacher! Nein, das mußte anders werden?" Es war aber doch so verblieben in den zwei Jahren. Alles das zog noch einmal an ihrem Geiste vorüber und wer weiß, wohin sich ihre Gedanken noch verirrt hätten, wenn sie nicht durch schwere Schritte, welche sich der Stubenthür nahten, aus ihren Träumen aufgerüttelt worden wäre. „Das nimmt ja heute gar kein Ende, Fräulein Heinemann; hier ist wieder ein ganzes Rudel Briefe für Sie!" Erfreut sprang sie auf. Das Geräusch hatte auch die beiden alten Leute erweckt. Rasch wurde die Lampe angezündet. Recha war ganz erschrocken, als sie sah, wie spät es schon war; nur ein klein wenig hatte sie ausruhen wollen, und— welche Schande! — zwei volle Stunden waren verschlafen, das war ihr noch nie passirt; was mag nur das Fräulein denken? „Seien Sie nur nicht böse, Fräulein Röschen, ich will mich jetzt recht beeilen, damit Sie nicht allzu lange aufs Abendbrot zu warten brauchen; heute dürfen Sie mir aber gar nichts helfen, an Ihrem Geburtstage sollen Sie es einmal auch darin gut haben," mit diesen Worten war die gute Alte hinausgeschlüpft. „Du warst aber wieder einmal recht lange da drüben Kind; hast wohl Herrn Cahn wieder vorgelesen oder hast Du wieder mit Sara Deinen Unsinn getrieben? Jetzt öffne nur erst Deine Briefe und sieh m ch nicht so bittend an, ich bin ja gar nicht böse darüber, daß Du so lange fort warst. Warum wirst Du denn aber so roth, Rösel? Zeige mir doch einmal die Karte her, oder hast Du mit eiuem Male Geheimnisse vor mir?" „Es ist ja gar keine Karte, Väterchen! " Herr Deffauer hat meinen Geburtstag ausknndschaftet und schickt mir nun als Dreingabe zu den Glückwünschen sein Bild." Zeig' ihn doch einmal her, meinen zukünftigen Schwiegersohn! Oder darf er nicht hoffen? Wie steht's, Rosel? Warst ja immer ganz glücklich, wenn er zu den Bällen so viel mit Dir tanzte und Dich so auffallend bevorzugte, und das kann ich Dir sagen, mir gefällt der junge Mann!" „Du hast Recht, Vater. Herr Dessauer hat mir auch immer recht gut gefallen, aber seit dem letzten Balle denke ich gar nicht mehr so gern an ihn; eine meiner Freundinnen, Minni Hordwald, neckte mich damals mit ihm und bemerkte dabei: „Siehst Du. Rosel, Du kannst Dich doch freuen, daß Du so viel Geld hast, sonst würde wohl schwerlich Dir die Ehre zu Theil werden, von Herrn Dessauer so verehrt zu werden, das ist bei diesen Herren der Hauptmagnet!" Ich war ganz erschrocken, Vater, als ich das gehört. Minni ist ein gutes, aufrichtiges Mädchen, von mancher Andern würde ich die Sache anders aufgefaßt haben." „Wer sagt denn den Leuten, daß Du reich bist und woher soll das Herr Dessauer schon wissen? Leben wir nicht so bescheiden und einfach, wie nur wenige Juden hier? Glaub' nur, junge Mädchen, und wenn sie sonst noch so brav sind, sind in diesem Falle selten aufrichtig? Wer weiß, ob nicht doch der Neid oder die Eifcrsucht'aus Deiner Freundin gesprochen." „Dazu hat Minni wiederum keine Ursache; ich darf es Dir schon anvertrauen, wenn es auch außer mir noch Niemand weiß, sie ist seit Kurzem verlobt mit. einem schönen und reichen Vetter! Aber ist es denn nur nöthig, Väterchen, daß wir heute so ernste Sachen besprechen? Sieh', als ich heute früh erwachte, da war ich so glücklich, so seelenvergnügt, ich hätte laut aufjauchzen mögen vor Freude! Ich dachte daran, wie munter und rüstig Du wieder geworden bist und es stimmte mich so dankbar gegen Gott, daß er meine Bitten erhört und mir meinen Vater erhalten hat und wenn ich nun in meinem Glücke noch einen Wunsch habe, dann ist eS der, daß Du noch lange Jahre so gesund und zufrieden bleiben mögest und es mir gelinge. Dir für die vielen Freuden, mit welchen Du tagtäglich mein Leben verschönst, in der That dankbar zu sein. Eine Bitte, aber habe tch an Dich und nicht wahr, die erfüllst Du mir? Erzähle

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