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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 27 (1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
27 (1886)
Date
1886-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hcrausgegeben von Dr. M. Rahmer in Magdeburg. i Des deittschen Juden Heimathsrecht. Von Moritz Scherbel-Gumbinnen. — Die Tochter des Wucherers Von Henriette Katz. — NMPapst Sixtus V. und die Shyloksage. Nach eiuer alten italienischen Novelle. — Ein passendes Gleichuiß. Von Max Weinberg ' * Ein Duell und sein Erfolg. — Räthsel-Aufgabe und Räthsel-Lösungen. Des deutschen Juden Heimathsrecht. Das Heimathsrecht auf Erden uns verleiht Der Ort, wo uns zum allerersten Mal Geküßt der heit're warme Sonnenstrahl Und uns zu Landeskindern hat geweiht. Gewiß, wo einst gestanden uns're Wiege, Der Ort, er bleibt für uns ein Heiligthum, Und sein Besitz der allergrößte Ruhm — Bis dort hinab zur dunklen Todesstiege. Es webte still hinein in uns're Seele. Die Liebe sich, zur theuren Heimathsstätte, So fest, so stark, als ob mit eh'rner Kette Geschmiedet wir an diese heil'gen Pfähle. Wie könnt Ihr zweifeln an dem Heimathsrechte Der Juden wohl, die es so tief gegraben Jn's deutsche Land, als sie die Opfergaben Euch zugeführt beim blutigen Gefechte'. Mit allen Fasern unsrer Seele haften Wir in dem deutschen Boden allesammt, Und das Gefühl, das deutscher Treu' entstammt, Es führte uns bei Allem was wir schafften. Wo uns're Väter thätig sich bewegt, Wir selber traten in das Erdenleben, Ward uns das Heimathsrecht gegeben, Das die Gewalt uns nun in Stücke schlägt. Und dürft Ihr das? — dürft Ihr so frevelnd walten? — Das gute Recht Ihr könnt es uns nicht rauben, — Dasselbe kennt nicht Rasse und nicht Glauben, Es gilt für die, die treu an Deutschland halten. Was habt Ihr denn den Juden aufzuweisen, Daß sie die deutsche Heimath sich verscherzt, Das Recht darauf nun also ausgemerzt Und Fremdlinge nur sind in deutschen Kreisen? — In jener Zeit, als unglücksschwer die Wolke Der Kriegsgefahr, ach, über Deutschland hing Als riesig wachsend die Begeistrung ging Von Stadt zu Stadt, getheilt vom ganzen Volke. — Habt Ihr zur Zeit den Juden da geschaut Mit engem Herzen für sich selber geh'rr? Und nicht empfindend so der Zeiten Weh'n Wo sich im Sturm die Wehr des Volkes baut? — In jener Zeit, als laut es rief zum Kampf, Dem Erzfeind frisch die deutsche Kraft zu zeigen, Den deutschen Muth, den nichts vermag zu beugen, In blut'ger Schlacht im grausen Pulverdampf — Saht Ihr vielleicht den Juden ab sich wenden, Das Leben liebend, feig zurück sich ziehen, Mit falscher Brust so der Gefahr entffiehen Durch solches Thun den Namen „Deutscher" schänden! O nein! — solch' Schmach sie ist ihm fern geblieben; Der deutsche Jude war in jener Zeit Mit Andern gleich zum Sterben auch bereit; So stand es fest in seiner Brust geschrieben. Und jüd'sche Väter zeigten ihren Söhnen Den Weg der Ehre und der heil'gen Psticht, Auf dem zu wandeln bis das Auge bricht, - Und gleiches thaten auch die Muttrrtyränen. Die Söhne sielen. — Dort, wo sie begraben Da zahlten sie die Schuld an's Vaterland Mit ihrem Leben, — seht das ist das Pfand Auf's Heimathsrecht, das wir in Händen haben. Und als die Friedenspalme dann geblüht In Deutschland's Gauen, als die Wissenschaft, Als Kunst und Fleiß hier übten ihre Kraft — Hat redlich sich der Jude auch gemüht. Und deutsche Sitte ward dort vom Katheder Von Juda's Söhnen pstichtgetreu gelehrt; Und deutsches Wesen wie man's pstegt und ehrt, Das führte ihrer Dichter warme Feder. — Drum pochen wir auf unser gutes Recht, Das man mit engem Herzen uns nicht nimmt. So lange noch ein Fünkchen in uns glimmt Vom Leben — wohl, es bleibt als deutsches echt. Moritz Scherbel-Gumbinnen. Die Tochter des Wucherers. Von Henriette Katz. „Heinemanns Röschen muß wohl heute Geburtstag haben! Ich sehe schon so viele von ihren Bekannten festlich gekleidet hinüber zu Heinemanns gehen und vorhin brachte sogar ein kleiner Kiwbe ein herrliches Bouquet! Ach, wenn es doch nur ja ihr Geburtstag und nicht etwa schon ihre Verlobung ist! Es würde Dir, lieber Rüben, gewiß auch recht leid thun, wenn uns unser lustiges Vögelchen so bald davon flatterte. Mir ist's immer, als schmeckte mir mein einfaches Mittagbrod noch einmal so gut, wenn mir Röschen so freundlich ihr: „Guten Morgen!" zugerufen oder vom Fenster aus ein paar Worte mit mir gesprochen hat. Wenn ich ihr ja auch einen Mann gönne, wie er sich schöner und besser nicht gedacht werden kann, so bin ich doch egoistisch genug, zu wünschen, daß sie noch ein paar Jahre unsere Rosel, unser Liebling bjeiben möge! Du hast Recht, Sara, ich habe wirklich selten-. Der junge Mann konnte seine Bemerkung nicht vollenden, denn eben wurde die Thüre sacht geöffnet und herein schaute ein muthwilliges, liebliches Müdchenantlitz, welches keiner Andern angehörte, als dem lieben Nachbarkinde. „Ich muß mir nur meinen Glückwunsch selber holen, Sara." sagte sie, leise eintretend, „mir scheint, Du willst diesen hochwichtigen Tag ganz unbemerkt vvrübergehen lassen! Hast wohl wieder hinten in der Küche gesteckt und deshalb

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