Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 25 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 98 - » Leiden. Nun war ich mit meiner armen Mutter allein, sie halten die harten Schläge, besonders der Tod des geliebten Gatten, tief gebeugt. Mit ihm schienen auch ihre Hoffnungen, ihr Lebensmuth dahin zu sein. Sie hatte nur für ihn und mit ihm gelebt, hatte ihr ganzes Glück in ihm gefunden, jetzt schien das Leben werthlos für sie zu sein. Sie, die Alles mit ihm ertragen, konnte seinen Verlust nicht überleben und bald folgte sie ihm ins Grab. Alle, die mir theuer waren, hatten mich verlassen, nur Gräber erinnerten mich an die schon vergangene Zeit. Nicht länger wollte ich in der nun so traurigen, öde gewordenen Heimath bleiben, ich sehnte mich hinaus, weit weg. — Lernen wollte ich und arbeiten, um zu vergessen, um die heiße Sehnsucht nach Wissen in mir zu stillen. Zwei alten Dienern, die das Schloß bewachten, übergab ich mein Vaterhaus und machte mich mit meiner Baarschaft auf den Weg. — Wochenlang bin ich gewandert, habe Entbehrungen und mancherlei Gefahren erlitten. Der eine Gedanke jedoch, mein Ziel zu erreichen, hielt mich aufrecht und gab mir Muth und Kraft, all' das Schwere zu ertragen." Erschöpft hielt der junge Mann inne. Einige Sekunden schwiegen die Zuhörer, auf jedem Gesichte las man Erstaunen und Mitleid zugleich über die eben geschilderten seltsamen Erlebnisse des Fremden. Der Professor reichte dem jungen Manne gerührt die Hand, indem er sagte: „Kommen Sie mit mir in meine Wohnung, dort wollen wir in Ruhe über Ihre Zukunft und Ihre Pläne sprechen." Auch einige der Studenten reichten ihm thecknahmsvoll die Hand. , - (Schluß folgt.) Statistik. Von O. Hübner's geographisch-statistischen Tabellen aller Länder der Erde ist soeben der Jahrgang 1886 erschienen und zwar sowohl in Form eines Büchleins, zum Taschengebrauch (M. 1), als auch in Tafelformat für 50 Pf. Beide Ausgaben stehen unter der Redaction des Professor vr. von Juraschek und umfassen die Ergebnisse der jüngsten geographisch-statistischen Forschungen. Was die Gesammtzahl der Bevölkerung betrifft, so wird dieselbe in den vorliegenden Tabellen mit 1485 Millionen beziffert und vertheilt sich dieselbe auf folgende Religionen: Christen 448 Mill. (30,2°/o) Katholiken 225 Will. (15.2 °/„) Protestanten 128 „ ( 8.6 „ ) Griechen 87 „ ( 5,9 „ ) Andere Mohamedaner 171 Israeliten 8 Sogenannte Heiden 858 8 „ (11,5 „) „ ( 0,5 „ ) „ (57,8 „) .. ( 0,5 „ ) Buddhisten 486 „ (32,7 „ ) Brahmadiener 138 „ ( 9,3 „ ) Fetischanbeter 234 „ (15,8 .. ) Zusammen 1485 Mill. 100 °/0 In Europa sind folgende Religionen vertreten: per Tausend ° Römische Katholiken incl. armenische, griechisch unierte 155,900 (47,26) Altkatholiken 140 ( 0,04) Evangelische, Lutherische, unierte und anglikanische Kirche 73,120 (22,16) Protestantische Dissidenten 2,700 ( 0,82) Methodisten 3,510 ( 1.07) Unitarische (socinianische Kirche 120 ( 0,64) Griechisch-orientalische Kirche 81,510 (24.21) Israeliten 5,984 ( 1,82) Mohamedaner 6 445 ( 1.85) Andere, Konfessionslose 447 ( 0,10) 329,876 (99.97) Die meisten Trauungen haben aufzuweisen im Verhältniß Serbien, Ungarn und Italien, 109, 104 und 82 auf 10,000 Einwohner, das deutsche Reich nur 79 auf 10,000’ Einwohner; dagegen hat letzteres, gleichmäßig mit der Schweiz,, die meisten Elementarschüler, nämlich 1570 auf 10,000 Einwohner, die wenigsten im Verhältniß Serbien, Rumänien und Rußland, 200, 220 und 232 auf 10,000 Einwohner. Ernst Scherenberg, der herrliche patriotische Dichter, hat eine neue dramatische Dichtung. „Germania", erscheinen lassen, in der er an der Hand der Geschichte die Idee durchführt, daß weder Freiheit, noch Schönheit, wie bei den Griechen, noch Macht und Reichthum, wie bei den Römern, noch Glaube und Wissen, wie sie das Morgenland besessen, je a llein befähigt sei, ein Volk zu wahrer Größe zu führen und es dauernd zu beglücken, wenn nicht zu allen diesen Kräften die Achtung vor dem- Glauben Anderer tritt: Denn jeder Trieb, der nur nach einer Richtung Jn's Ungemeß'ne wächst, trägt schon in sich Den Keim des Todes, und ersticken muß er Im Uebermaß der eignen Kraftentfaltung. Nur wo sich Freiheit paarte mit der Macht, In schönem Gleichmaaß innig sich ergänzend, Wo Kunst und Wissenschaft mit reinem Licht Die Sinne adeln in dem Dienst der Schönheit, Mit Schöpferkraft den Menschengeist erfüllen, Wo Reichthum quillt aus fleiß'ger Hände Arbeit, Wo milder Glaube, andern Glauben achtend. Die Seelen festigt wider jeden Sturm — Wo ihr gewalt'gen Mächte, alle, alle, In einem Wirken eure Kräfte eint — Da nur erblüht das wahre Völkerglück! Ob Misere Antisemiteu hiernach nicht Scherenberg auch, einen Judengenossen nennen werden? M. W. Rächch-Aufgaben. I. Deutsches Mortriithsel. Von I. Herzberg-Jnowrazlaw. Ziel der Faulheit, Jugendstreiche, Du erfüllst mit Angst und Bangen Jedes Herz —; in Deinem Reiche Ist nicht Freiheit zu erlangen. Eins der Zeichen d'raus entferne Und ein and'res stell' dafür — Eine Sekte aus der Ferne Stehet dann sofort vor Dir! II. Hebräisches Menderäthsel. Von 0. in L. Bezahlst dem Herrn Du Deine Schuld, Damit er schenke Lieb' und Huld: So thu's wie's König David that, Das ist fürwahr mein bester Rath. Er griff gar tief in's Herz hinein, Holt eine Münz' aus diesem Schrein; Ganz gleich Avers war und Revers, Wie es uns zeigt ein Psalmcnvers. VE" Die Auflösung der Preisräthsel und die Namen der richtigen Löser und Löserinnen bringt die n ä ch st e Nr. Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von L. D. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.