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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 23 (1886) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
23 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 90 (sequence 4)
Language
German
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herbei. Philosophen mochten einen so hohen Begriff bewundern; die M e n g e wandte sich mißfällig von Worten ab, welche ihrem Gemüth keinen sich tbaren Anhalt boten. Aber vor der in menschlicher Gestalt verkörperten, unter Menschen wandelnden Gottheit, die allen ihren Gebrechen unterworfen, ihre Gefühle theilte, die auf ihren Gräbern weinte, die in der Krippe schlummerte und am Kreuze verschied, vor dieser sank alles in den Staub: die Vorurtheile der Synagoge, die Zweifel der Akademien, der Stolz des Porticos, die Fasces der Lictoren, die Schwerter von dreißig Legionen. Bald nachdem das Christenthum seinen Sieg vollendet hatte, begann dasselbe Princip, welches ihm als Stütze gedient hatte, einen verderblichen Einfluß zu üben. Es entwickelte sich daraus ein neuer Götzendienst. Schutzheilige übernahmen die Obliegenheiten der Haus- und Familiengötter. Der heilige - Georg trat an die Stelle des Kriegsgottes Mars. St. Elmo tröstete die Seefahrer über den Verlust von Castor und Pollux. Die Jungfrau Maria und die heil. Cäcilie ersetzten Venus und die Musen. Die.Anmuth und der Zauber des Geschlechts wurden wieder mit der Hoheit himmlischer Würde vereinigt, und ritterloser Frauendienst mischte sich mit dem Cultus der Religion. Die Bestrebungen der Reformatoren haben oft versucht, diesen Gefühlen Einhalt zu thun, ohne je etwas mehr zu erreichen, als einen scheinbaren oder theilweisen Erfolg. Die Eiferer, welche die Bilder in den Kathedralen zerstörten, wurden nicht immer damit fertig, die Götzen aus ihrem eigenen Busen zu entfernen. Es würde nicht schwer sein zu beweisen, daß es sich auf dem Gebiete der Politik nicht anders verhielt. Wir fürchten, das Doctrinen im Allgemeinen erst körperliche Gestalt gewonnen haben müssen, bevor sie im Gemüth des Volkes zu zünden vermögen. Das Interesse der Menge ist leichter in Bewegung zu setzen für das nichtssagende äußere Zeichen, oder für den unbedeutendsten Namen, als für das wichtigste Princip." Diese Darstellung würde sich demnach, um mit Disracli zu sprechen, darin zusammen fassen lassen, daß „das Christenthum „Judenthum für die Menge" sei. N. Wbg. 2. Aus Nürnberg s Vergangenheit. Rudolf Gense sagt in seiner schönen Schilderung „Nürnbergs Blüthezeit und Hans Sachs:" Eine der reizendsten Kirchen Nürnbergs, die St. Marien- oder Frauenkirche, wurde erst 1361 vollendet und sie erstand aus Anlaß eines Ereignisses, daß nicht wenig zur Verschönerung der Stadt beigetragen hatte. Der jetzige Hauptmarkt war ehemals von zahlreichen Häusern bebaut, welches den mit dem wachsenden Handel schnell emporgekommencn Juden gehörten, die auch daselbst alle Fleischbänke, Fischerstände, Bäcker- und Pfragnersläden besaßen, für welche ihnen die Verkäufer zinspflichtig waren. Im Jahre 1349, gleich nach Beendigung der stattgehabten Revolution, gestattete Kaiser Karl IV. dem Rache von Nürnberg, damit derselbe einen größer» Marktplatz für die Stadt gewinne, alle jene im Besitz der Juden befindlichen Häuser, welche sich damals zwischen den beiden Patrizierhäusern Franz Haller's und Friedrich Behaim's befanden, abzubrechen, um dadurch zwei Plätze zu schaffen, welche unbebaut bleiben sollten. Dadurch entstanden der jetzige Hauptmarkt und der angrenzende Obstmarkt*). Zwischen beiden Territorien lag die Juden sch ule. Auch diese sollte abgebrochen und an ihrer Stelle eine Kirche gebaut werden. So entstand die Marien- oder Frauenkirche, welche 1361 vollendet war, während gleichzeitig auf der Lorenzer Seite die Marthakirche von Konrad Waldstromer gestiftet ward. *) In M. Truckenbrot's „Nachrichten zur Geschichte der Stadt Nürnberg" (1785 und 86) werden noch vier andere Häuser bezeichnet, welche sich nahe dem Hause Ulrich Stromer's befanden. Die Juden wurden angewiesen, auf einer großen Brandstätte zwischen dem Heumarkt und der Pegnitz sich anzubaucn. Die gänzliche Verweisung der Juden aus der Stadt geschah erst anderthalb Jahrhunderte später. 8. G. 3. Und er soll dein „Narr" sein! Das Beste kann mißbraucht werden und darum dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Bibliophilie in eine Bibliomanie bei Einzelnen ausartetet. Ein auffälliger Druckfehler, der nur in einigen Exemplaren vorkam, machte ein Buch zum Gegenstand der eifrigsten Suche der Bibliomanen. Die Frau eines Setzers wußte es einzurichten, daß sie aus den Worten Gottes an Eva: „und er (dein Mann) soll dein Herr sein", die ihr Mann gesetzt hatte, heimlich das Wort Herr entfernte und dafür das Wort „Narr" setzte. Der Druckfehler (eigentlich Druckfrevel) wurde bald bemerkt und corrigirt, die selte«e.l . x.mplare mit dem „Narr" aber erzielen noch jetzt horrende Preise. Ans der Schule. In der biblischen Geschichtsstunde knüpfte ein Lehrer an das Leben Kains und Abels die sinntge Bemerkung: „Nehmt euch ein Beispiel an Abels Sanftmuth. denn obgleich ihn sein Bruder Kain erschlagen hatte, rächte er sich doch nicht." M. W. Scherz-Rechenexempel. Frage: Wenn Dein Vater ein Kalbfell für 20 Mark gekauft, und Dn, lieber David, verkaufst es für 20 Mark 50 Pf. was hast Du da verdient? -stvh stnMaa 6iM nL Za ND jpm pioouuß Aiithsei- Aufgaben. -lU-»E w I. Deutsches Wort-Mthsel. Von A. Spei er in Heinebach. Ich bin ein Theil vom Menschen, Bin auch ein Theil vom Thier Und doch fehlt mir das Beste Es fehlt das Herze mir. Wirst Du mir's aber geben, Bin ich ein ganzer Mann Und lebte beim Propheten Im Lande Kanaan. II. Hebräisches Kogogryph. Von 0. in 8. So betet der Vater so flehet der Sohn „Herr, mit dem Ganzen uns gnädig verschon'! Doch wenn Du dem Uebel die Spitze genommen, Sei uns, was bleibet gar herzlich willkommen; Und halten wollen in treuer Wacht Die Gaben wir, die einst es gebracht." Auflösung der Ualhsel in vor. Ur. I. 1. Homer, Omer. 2. Siwan, Iwan. II. N^3-Verstand. (Die Buchstaben als Zahlen: 2. 10. 50. 5.) Siehe auch das Morgengebet: Der dem „Hahn" Verstand gegeben. (rra *13^ pwi) Vom „Brandend. Räthsel-Kl. ging folgende Lösung ein: * Jn's Ohr dir dringe: ».M* „Binah“ erringe Spr. 4,5._ Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von L. D. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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