Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 20 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 78 — Jes. XI., 6-9. Es schaut' einst der Prophete In goldne Friedenszeit, Wo Wolf und Lamm soll weiden Zusammen ohne Streit, Das Rind mit Löwen leiten Soll eines Kindes Hand Und keins das andre letzen Auf Gottes heil'gem Land. Mein Kind, so goldne Zeiten, So friedgeweihte Au'n, Ich darf auf Deinem Tischchen In deinem Spiel sie schau'n. Du führst aus Deiner Arche Die Thierlein, zahm und wild, Du leitest Schaf' und Wölfe Auf friedlichem Gefild. Du fütterst Taub' und Marder Mit einem Restchen Brod Und fragst dann mild den Löwen Um feines Herzens Noth. Das Lamm mit schwachen Beinen, Das nicht wohl stehen kann, Tu lehnst es an den Tiger, Daß er es führe, an. Das Häschen und den Bären, Den Pardel und das Huhn, Du heißest sie, sich wärmend, In einem Bettchen ruh'n. Ob das nicht heil'ger Boden, Nicht goldne Zeiten sind? O rette aus dem Spiele Den Frieden Dir, mein Kind! Kleine jüdische Charaeterzüge. Gott ist gerecht! Ein Pole, der sich eine kleine Summe zur Aussteuer seiner Tochter zusammen machen wollte, fing auf den Rath eines deutschen Freundes mit seiner kleinen Baarschaft einen Milchhandel an. „25°/0 Wasser machen meine Milch noch nicht viel schlechter, denn die Concurrenz macht's ja auch so, dachte er, denn schaffe ich das erforderliche Geld nicht bald, so kommt meine Tochter nie zum Mann." Und wie gedacht, so gethan. Nachdem er nun diesen Handel zwei Jahre betrieben und das sich vorgenommene Sümmchen dabei erübrigt hatte, giebt er seinen Handel auf, wechselt sein Geld in harte Thaler um und besteigt mit seinem Schatz in Harburg einen Dampfer, um in Hamburg zu seiner Tochter zu gehen. Jetzt hat er so recht Zeit, seinen Reichthum zu überdenken, nimmt auch die in einem kleinen ledernen Beutel befindlichen Geldstücke aus dem Unterfutter seiner Unterjacke und zählt die blanken Thaler bald von einer Hand in die andere, bald wieder in den leeren Geldbeutel. Das sieht von ungefähr der sich im Mastbaum des Schiffes befindliche Affe des Capitains. Unbemerkt springt er hinzu und erhascht glücklich den Geldbeutel mit seinem ganzen Inhalt. Rasch schüttelt er trotz alles Lamentirens unseres jammernden Polen die Geldstücke von einer Hand in die andere und wirft — dessen vorherige Beschäftigung nachahmend — bald ein Stück in das Wasser, bald eins in den unteren Schiffsraum herab. Aechzend sammelt sich der bedauernswerthe Pole wieder diese ein und bricht schließlich, als er den letzten Thaler aufhebt, in die Klageworte aus: „Gott boruch hu (gelobt sei er!) ist doch ein gerechter Gott, denn was Wasser war, ist wieder zu Wasser geworden, was aber Milch war, ist auch Milch geblieben und wieder in meine Hände gelangt. N. W. Trinkspruch beim Einweihungs-Feste der „Friedens-Loge" in Ratibor. Von 6. Es kam der Lenz der Winter schied, Da grünt und singt die Flur; Der Becher schäumt, es tönt das Lied, Wem gilt dies Alles heute nur? Der „Loge" gilt's sie ries zum Fest Der Gäste Schaar von Ost und West! Die „Loge" ist's, die heut ihr Zelt Hier aufgeschlagen hat, Die heute uns entgegenhält Des Freibriefs herrlich schönes Blatt. Dies Jubelglas sei ihr geweiht, Auf daß sie wachse und gedeiht. :,: Die „Loge" ist's, die Herz an Herz Verknüpft mit schönem Band, Die treu in Freude, wie in Schmerz Still und beglückt legt Hand in Hand. Dem Fiedensbünde nun zur Ehr' Auch dieses zweite Glas gehör'. Die „Loge" ist's, die heut' bewegt Das Herz und auch den Sinn, Die unsere Gedanken trägt Den fernsten Brüdern allen hin. Das dritte Glas sei drum geweiht, Den Brüdern und der Einigkeit. II Käthsel- Ausgaben. iMtz» jj’i_ 5 w I. Liturgisches Logogryph. Von 6. in R. Stets eines in das andere fällt, Wenn die Vokale man verstellt. Wer Sabbath war im Gotteshaus, Der bringt die Lösung bald heraus. II. Kapselröttzsel. Bon Eckmann-Nienburg. (Jer. 17.6) LNX2 Htorr “OJH (Job 25/2) ranan mbw rm M tisi bmn (2 B. M. 36) tmpn rrra bz rmb (2 B. M. 5) )b)pn ntw* rr 'v (Spr. 19,15) arm nw III. Hebräisches Homonym. Von 0. in R. Was s i e entleert — ist oft begehrt; Was er gelehrt — war oft verkehrt. » IV. Ans der jiid. Volksschule. Lehrer: Habt ihr, meine lieben Kinder, schon etwas von Z unz gehört? Schüler: O ja, Herr Lehrer. Lehrer (sichtlich erfreut): Nun was war denn Zunz? Schüler: Ein berühmter Kasieehäudler. Lehrer: Aber Kinder, was fällt euch denn ein! Schüler: Auf unseren Kaffeepacketen steht immer: Kaffee von Zunz' sel. Wittwe. Auflösung der Räthsel i« uor. ihr. I. Altar, Talar. II. Po, Ruhr. (^NL-Topf.) III. Antwort: Wenn ihnen der rechte Arm fehlte. Herrn I. Singer in Frakenthal: diesmal alle 3 richtig. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von L. D. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.