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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 20 (1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
20 (1886)
Date
1886-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 20. 188«. Jüdisches t^ÄilikL-KtF// J Herausgegcben von Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Zur Unterhaltung u. Kelehruug für die israelitische Jugend. Festlied zur Einweihung der „Friedens-Loge" in Ratibor, am 9. Mai 1886. — Die Prinzessin. Eine Erzählung von Agathe Mciscls. (Fortsetzung. — Versöhnt. Original-Roman von Jda Barber. (Fortsetzung.) — Otto von Leixner über den „Phädon." ^JUJUU. _ Aus dem'Prophetcnbuch in der Kinderstube. — Kleine jüdische Characterzügc. Gott ist gerecht! — Trinkspruch beim Einweihungs-Feste der „Friedens-Loge" in Ratibor. — Räthsel-Aufgaben und Räthsel-Lvsungen. Frftlied zur Einweihung der „Friederrs-Ksge" in Ratibor, am 9. Mai 1886. Von 6. in W. Mel. Aus: „Der Trompeter von Säkkiugen". Es ist im Leben häßlich eingerichtet Ihr könnet es so häufig deutlich sehn, Daß Menschenhaß gar Vieles schnell vernichtet, Weil nicht die Menschenherzen fich versteh'«. — In Kriegen ja befehden fich hinieden Die Völker gar in langen Heeresreih'n Es fehlet der bekannte ew'ge Frieden Zu uns'rer Menschheit glücklichem Gedeih'n. Fern von dem Strom der Welt in unsren Hallen Oeffnet dem „Frieden" man ein weites Thor Und „Friede" höret deutlich Ihr erschallen Ihr lieben Gäste heut' in 57ativor. Die „Bruderlieb'", die uns von Gott beschieden „Wohlthun" und „Eintracht" soll uns heilig sein In uns'rer Mitte sei der stete Frieden Ihn pflegen wir in uns'ren Bruderreih'n. So greifet jetzt zum feurigen Pokale Stimm't an die sreud'ge Bundesmelodie; Wie heut' in diesem Hellen Festes-Saale Fehl' uns'rer Arbeit nie die Harmonie: Bekräft'gen wollen wir es nun im Liede Und dem Gelübde laßt uns Worte leih'n: In uns'rer Bruderkette herrscht der Friede Verbürgend unsrem Orden das Gedeih'n. Die Prinzessin. 19 Eine Erzählung von Agathe Meisels. (Fortsetzung.) „Aber noch Eins stand in jenen Stunden der inneren Einkehr klar und deutlich vor meiner Seele: eine Person wie ich, mit diesem lebendigen Schuldbewußtsein, dieser Zerrissenheit und Heimathlosigkeit des Denkens und Fühlens, laugt nicht zur Erzieherin eines Kindes, das einer festen Hand und unentwegt aus einen Punkt gerichteten Sinnes bedarf, um in die rechte Bahn geleitet zu werden. Sie, meine theuere Freundin, Sie mit dem guten Herzen und dem hellen Verstände, sind die geeignete Person für das schwere, verantwortliche Werk und Ihnen lege ich es vertrauensvoll in die Hände". Esther blickte erschrocken aus und machte eine abwehrende Gebärde. „Aber wo denken Sie hin, liebes Kind? Nimmer dürfen Sie sich des einzigen Trostes berauben, den Ihnen eine gütige Vorsehung, als Ersatz für so vieles Leid, gelassen. Sie sind noch krank; Ihre exaltirte Stimmung, nicht Ihre gesunde Vernunft hat Ihnen den Einfall zugeflüstert, der unerhört, unnatürlich und deshalb nicht ausführbar ist". Kopfschüttelnd stand sie auf. machte in einer, ihrem stillen Wesen, ganz fremden Erregung, einige Gänge durch's Zimmer und setzte, die Schürze eifrig glättend, sich wieder hin. „Eine Mutter, die ihr einziges Kind von sich reißen will, das ist die grausamste Selbstquälerei, der Helle Wahnsinn", murmelte sie vor sich hin. Lea hatte ihr schweigend zugehört; jetzt ergriff sie ihre beiden Hände. „Versuchen Sie es nicht", sagte sie in bittendem Tone, „mich von meinem Vorhaben abzubringen; es wäre ja doch umsonst, und würde mir nur unnöthige Pein bereiten. Glauben Sie mir, ich handle nicht unter dem Einffusse einer krankhaften Überspanntheit; ich habe lange, lange darüber gegrübelt, und immer wieder tauchte aus denr Chaos widerstreitender Gedanken, das Eine deutlich hervor: es muß sein, das Kind muß ein ganzer Mensch werden, mit geklärtem, ausgeglichenem, abgerundetem Wesen, und Du, Du kannst ihm den Weg zu diesem höchsten Ziele nicht weisen, und wenn es Dir auch sehr, sehr hart fällt", — sie preßte die Hand aufs Herz, „das Opfer muß gebracht werde,:. Und wenn schon, warum nicht lieber heute als morgen?" — Esther fühlte, daß ihre Ueberredungskunst an diesen: unbeugsamen Willen, der einer auf sicherem Grunde ruhenden Ueberzeugung entsprang, scheitern würde; auch war sie, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, über ihre eigene Auffassung sich nicht recht klar. So ließ sie es denn, unter schweren Seufzern, gewähren, daß Lea jetzt, in gleichmäßigein Geschä'tstone, ans die Einzelheiten der zu treffenden Vereinbarung näher einging. Der jetzt vierjährige Arthur sollte bis zu seinem zehnten Jahre im Hause des Herrn Löwy, unter Esther's unmittelbarem Einflüsse bleiben und durch Hauslehrer für eine Pension vorbereitet werden, in die er dann als Jnternschüler eintreten würde. Die Wahl seines späteren Berufes sollte von seinen Fähigkeiten, dem Rathe des Herrn Löwy und seiner Neigung abhüngen; — Lea wollte sich hier jeder Einflußnahme enthalten, wie sie überhaupt ihren Sohn bis zu seinem zwanzigsten Jahre nicht wiederzusehen beabsichtigte. „Sie werden", sagte sie, Esther zum Abschied umarmend, „das Bild der Mutter, verklärt im Glanze Ihrer Freundschaft, dem Herzen des Kindes einfügen; trachten Sie aber auct)", fuhr sie mit unsicherer Stimme fort, „daß das Andenken des Vaters lebendig darin erhalten bleibe". Esther verließ, keines Wortes mächtig, tief erschüttert das Haus. Nachdem Lea ihre Vermögensverhaltnisse geordnet, eine bedeutende Summe Herrn Löwy zur Erziehung des Kindes und, trotz seiner energischen Widerrede, auch für seine Mühewaltung übergeben, und ihre Armen, die sie nur unter dem Ehrentitel: 1a bonne dame, kannten, reichlich dotirt hatte, verließ sie Paris. Sie hatte kein bestimmtes Reiseziel, sie wollte vorerst nur eine möglich große Distanz zwischen sich und ihr Kind legen und durch äußere Bewegung den Ueberschuß au

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