Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 14 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492351-9579404-9574247--0592-9574251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kleine Mische Charaeterziige. Gin ANtev Grund. Bei der etwas lang sich hindehnenden Probepredigt eines aufzunehmenden Rabbiners war einer der Herren Vorsteher ein wenig eingeschlummert. Als in der entscheidenden Sitzung der betreffende Herr sein Votum gegen den Candidaten, dessen Predigt ihm gar nicht gefallen, abgab, wurde er von einem Collegen, der für den Kandidaten eintrat, mit den Worten interpellirt: „Na, Sie haben ja von der Predigt nicht viel gehört, Sie haben ja während derselben geschlafen!" — „Nu eben deshalb — wir wollen keinen Prediger, über dessen Predigten man nicht nur ein Auge, sondern gar beide Augen zudrücken muß!" Wie man den „Sabbath umgeht." Aus jenen bekannten Kreisen Süddeutschlands, deren ganzes Judenthum in einem gedankenlosen Beobachten aller biblischen und rabbinischen Vorschriften besteht und deren Andacht so recht eigentlich das ist, was der Prophet eine angelernte gedankenlose Nachbeterei nennt und die daher, wenn nur die Form gewahrt bleibt, dem lieben Herrgott selbst gern ein Schnippchen schlagen, erzählt man sich folgendes schöne Geschichtchen: Zwei jüdische Getreidehändler Bayerns spazieren am Sabbath Nachmittag, nachdem sie ihr übliches Pensum Schalet, Maamodes und ihren Mitlagsschlaf absolvirt haben, gemeinsam in das an ihr Dörfchen grenzende Feld, selbstverständlich, ohne Taschentuch oder sonstige Lasten bei sich zu führen und ohne über die bekannten 2000 Ellen hinauszugehen. Da sie aber weder etwas gelernt, noch auch für etwas, was über ihre geschäftlichen Manipulationen hinausreicht, Verständniß und Interesse haben, so ist der Unterhaltungsstoff bald erschöpft, und als sie noch nicht 500 Ellen weit vom Zoll- und Mauthhäuschen entfernt sind, wissen sie bereits ganz genau von einander, wie in beiden Häusern heute der Schalet gerathen, wie groß aller Hausgenossen Appetit gewesen, wie lange Jeder am Mittag geschlafen und dergl. Wissenswerthes mehr, und nun gehen sie stumm resp. halblaut eine jüdische Melodie summend, eine Weile neben einander her. Doch wie bei einem Staatsmann, wenn auch der Dienst längst beendet, die ihn bewegenden Fragen in ihm fortwogen und arbeiten und oft selbst des Nachts ihn nicht zur Ruhe kommen lassen, so sind auch bei Eisek — so haben wir den einen zu nennen — die geschäftlichen Werktagsgedanken nicht völlig einzuschläfern gewesen und fast ohne es zu wissen und zu wollen steht er plötzlich mit der Frage vor seinen Partner: „Wenn heut' ka Schabbes nit wär', würd' ich Dich frage, Schamschen, was kost' der Hawwer?" Sagt der Andere: Wenn heut ka Schabbes nit wär', würd' ich sage, der Hawwer kost' 1 Gulde 20 Kr. Sagt der Andere: Wenn ka Schabbes nit war' gäb' ich höchstens 1 Gulde 5 Kr. Sagt der Erste: Wenn ka Schabbes nit wär', gäb' ich ihn noch nit für 1 Fl. 15. Sagt der Andere: Wenn ka Schabbes nit war', gäb ich oßer 1 Gulde 12. Sagt der Andere: Wenn ka Schabbes nit wär', könntst Du mir abnehme 500 Scheffel, gäb' ich ihn, so wahr heute Schabbes Kaudesch ist über die weite Welt, nicht unter 1 Gulden 10 Kr. Sagt der Andere, der sich im Ester längst vom Conditionalis zur blanksten Wirklichkeit durchgearbeitet hatte: „Ei, was, Schabbes hin, Schabbes her. mir gehört der Hawwer." Ä. Wg. Scherzfrage. Von C. in R. Welche Regel der hebräischen Grammatik muß jeder Kutscher genau kennen? Ein guter Vorbehalt. Der in der jüdischen Gelehrtenwelt nicht unbekannte Lazarus Bendavid (gest. 1832) bat als angehender Gelehrter den bekannten Kästner in Göttingen um eine Empfehlung, nachdem sich dieser längere Zeit über Gegenstände der Mathemathik mit ihm unterhalten hatte. Kästner schrieb: Herr Bendavid hat sich mir, besonders in der Mathemathik, so kenntnißreich üusgewiesen, daß er auf jede mathematische Professur gerechte Ansprüche machen kann, nur nicht auf die meinige. Wie ungleich doch oft Geschwister find. Es waren drei Körner aus einer Aehr', Die trieben, zerstoben vom Winde, umher. Das eine flog hierhin, das andere dort, Und keines erfuhr von dem andern ein Wort. Das erste der Wind in ein Saatfeld trug, Hatt' Luft und Raum und Nahrung genug, Es fehlte ihm nichts, was des Herzens Begehr, War froh und zufrieden, was wollt' es auch mehr? Dem zweiten es minder gut erging, Es fiel auf dürren Haidebrink, Halt' schmale Kost und schlechtes Bett, Da wird man, wie bekannt, nicht fett. Das dritte gar fiel ins tiefe Meer, Trieb dort eine kurze Weile umher, Doch ohne Nahrung und Licht und Land Es bald ein trauriges Ende fand. Die Basen Härtens und sagten geschwind: „Wie ungleich dock oft Geschwister sind," Doch was die Geschwister so ungleich gemacht, Daran hat keine der Basen gedacht. Max Weinberg. Uitthsel-Aufgabe«. | r--i I. Deutsche» Kogogrylch. Von 6. in R. Ein Mann mußt' einstmals beten An einem stillen Ort; Doch seit er ihn betreten, War Niemand wieder dort. Erst als dem Kopf es glückte, Zu kommen hinters Herz, Er einen Tempel schmückte Zu aller Frommen Schmerz. II. Deutsche» Mbenriithsel. Von Lehrer A. Speier in Heinebach. Ich, die erste, bin nie allein Immer siehst Du mich zu zwein. Und die andern im heil'gen Land Wachsen sie und sind bekannt. Das Ganze laß nicht geben Dir, Denn dankbar bist Du nicht dafür. III. Hebräisches Murträthsel. Von 6. in R. Mein Ganzes ist ein halbes Fest; Erst, wenn geköpft, wird ganz der Rest. Auflösung der Uäthset i« »or. Ur. I. Cantor, Ornat. (O.-Lvo). II. Po roh (Rohling) n*“l£ HI. OD (Pferd). Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.