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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 13 (1886) · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
13 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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— 51 — ßedes Unglück, das mich traf — ach und es gab dessen nur zu viel — brachte ich mit meinem Glaubenswechsel in Beziehung. — Wie oft wollte ich Ihnen schreiben, Sie bitten, nicht irre an mir zu werden, Ihnen versprechen, daß ich zurückkehren werde zu der Lehre, die Sie mit so beredten Worten in mein Herz gepflanzt — ich that es nicht, weil ich wußte, daß die Zeit nicht fern, in der ich Ihnen das mündlich sagen könne!" — „Gottes Wort hat sich schnell erfüllt," sagte ernst Dr. Ritter; „der Glaubenswechsel hat Eurer Familie keinen Segen gebracht; indeß, mein Kind, verlieren Sie den Muth nicht! Der Ewige ist langmüthig, gnädig und von besonderer Huld und Güte Denen, die reumüthig zu ihm zurückkehren. Bekennen Sie Ihren Jrrthum, thun Sie Gutes, versöhnen Sie sich mit Ihrem Gott! Die großen Festtage sind vor der Thür! Ich weiß, es ist Ihrem Herzen Bedürfniß, da im Verein mit der Gemeinde beten, sich wieder als Tochter Israels fühlen zu können. Bekennen Sie offen Ihre Rückkehr zur Religion Ihrer Väter! Dieser Schritt wird Ihnen die Sympathien all' Derer zuwenden, die sich zeither von Ihnen abgewendet. — Ich selbst will am heiligen Rosch ha schono der Gemeinde verkünden, daß Alois Braun's Tochter keine Abtrünnige ist! Die 10 Bußetage bis zum Jom Kippur verbringen Sie in stiller Sammlung, und wenn der große Versöhnungstag naht, Alles demüthig vor Gott dem Gerechten das Knie beugt, da rufen Sie ihn an, den Vater der Versöhnung! Er wird sein reuiges Kind wieder in seine Vaterarme nehmen und es an seinem Herzen von all' dem Unglück ausruhen lassen, das böse Menschen ihm bereitet!" Jlka weinte, als sie den alten Mann so reden hörte, heiße Thränen. Zu bewegt, um sprechen zu können, drückte sie ihm stumm die Hand. — Er machte Miene aufzustehen, doch sie bat ihn mit flehender Geberde, zu bleiben. „Es wird mir so wohl, wenn ich Sie sprechen höre," sagte sie, sich fassend; „mein Herz ist in diesem Augenblick so warm angeregt, daß ich wieder zu leben meine, während ich zeither nur vegetirte! Sagen Sie mir noch eins, theurer Freund, möchten Sie es übernehmen, mit der Mutter eine Unterredung zu haben?" „Sie wird meinen Worten kein Gehör geben", entgegnete Dr. Ritter. „Es handelt sich nicht um religiöse Angelegenheiten," sagte Jlka, „sondern darum, die Mutter zu der Einsicht zu bringen, es sei ihre Pflicht, ihr Vermögen der Masse zuzuwenden!" „Vergebliche Müh'," sagte Dr. Ritter; „indeß," setzte er nach einigem Nachdenken hinzu, „ich will, da ich gern meine Pflicht thue, versuchen, auf sie einzuwirken. Man vermerkt es ja in jüdischen wie in christlichen Kreisen sehr übel, daß Ihr Vater so bedeutende Summen für Frau und Tochter verschrieben und, wie ich höre, haben die Gläubiger heut eine Sitzung, in der sie jene Verschreibungen anfechten wollen." „Können Sie das?" fragte Jlka erstaunt. „Die Ihnen ausgesetzte Summe wohl kaum," entgegnete Dr. Ritter, „da sie bereits in den Besitz des Grafen übergegangen, die ihrer Mutter ausgesetzte jedenfalls, da es erwiesen ist, daß ihr Eingebrachtes nicht 100,000 Gld., sondern nur 5000 Gld. beträgt. Diese wird man ihr lassen müssen, auf das Andere aber —" „O, möchten Sie ihr den Sachverhalt klar legen," bat Jlka; „vielleicht bestimmen Sie sie. aus freiem Willen zu thun. was sie gezwungen doch wird thun müssen! Sie ist jetzt zur Hand! Am besten, Sie lassen sich gleich melden; ich werde hier Ihre Rückkunft erwarten!" Dr. Ritter ging, offenbar nur dem Zureden der jnngen Frau folgend, hinaus und kam wenige Minuten später wehmüthig lächelnd zurück. „Die gnädige Frau," sagte er, „bedauert, mich nicht empfangen zu können! Ich habe es zuvor gewußt." „So werde ich selbst zu ihr gehen und ihr mittheilen, was Sie ihr sagen wollten," sagte Jlka energisch. „Warten Sie das Resultat der Gläubiger-Versammlung, die ja heut Nachmittag stattfindet, ab. — Wie ich sie kenne, wird sie nur gezwungen, nie freiwillig Verzicht leisten." Nachdem Dr. Ritter sich verabschiedet und Jlka ihm nochmals das Versprechen gegeben, treu ihrem Gott leben und seine Religion bekennen zu wollen, ging sie zum Onkel, um ihm das Resultat der Unterredung mitzutheileu. Leo Braun reichte ihr beide Hände, drückte sie tief bewegt an sein Herz und war vor mächtiger Erregung kaum fähig, ein Wort zu sprechen. „Durch Buße, Gebet und Wohlthun," sagte er, „können wir das böse Verhänguiß abwenden; gebe Gott, daß es Dir gelinge!" „Gebüßt und gebetet habe ich," erwiderte Jlka, „zum Wohlthun fehlen mir leider die Mittel, ich bin fest entschlossen, auf das mir vom Vater zugeschriebene Vermögen zu verzichten und bitte Dich. — Du wirst vielleicht heute der Gläubiger-Versammlung beiwohnen — dies den Leuten kund zu thun!" „Du bist nicht mittellos, mein Kind," sagte der Onkel, „wenn Du eines solchen Entschlusses fähig bist; da wird Dir im Herzen auch die Kraft erblühen, Mittel und Wege zu finden, Dich im Leben zu behaupten! So gern ich Deinen Entschluß sehe und so sehr ich mich dessen freute, gebe ich Dir aber dennoch zu bedenken, daß Du nicht nöthig hast, auf Dein Vermögen Verzicht zu leisten. Die Gläubiger sind der Ansicht, daß das Vermögen dem Grafen zugeschrieben ist und sie es nicht antasten dürfen, Niemand ahnt, daß die Hypothek auf Deinen Namen lautet." „Gleichviel," sagte die junge Frau, ohne sich zu bedenken; „weder der Graf noch ich haben ei, Recht auf jene Summen, die der Vater dem Geschäft nicht hätte entziehen dürfen. Ich gebe sie zurück und will mein Gewissen wenigstens von diesem Alp entlastet fühlen!" — Mit Spannung sah die junge Frau der Stunde entgegen, da der Onkel wieder von der Sitzung zurückkehrte. _ (Fortsetzung folgt.) Unsere Todte« des Jahres 1885. Von Max Weinberg. Ich gebe in Nachstehendem eine kurze Ueberficht der dem Judenthum angehörigen, bezw. ihm entstammenden berühmten Todten des abgelaufenen Kalenderjahres und verbinde, wie im Vorjahre, die Bitte damit, diese Liste aus der Mitte des Leserkreises dieses Blattes gütigst zu vervollständigen. Wir beklagen von Allem den Hingang des großen Philanthropen und stets bereiten Helfers in Nöthen seiner Glaubensgenossen Sir Moses Montefiore, gest. am 28. Juli 101 Jahr alt. 2. verloren wir Dr. Wolf gang Straßmann, Arzt und liberalen Landtags-Abgeordneten, langjähriger Vorsteher des Berliner Stadtverordneten-Collegiums zu Berlin, Begründer des Berliner Vereins gegen Verarmung und Bettelelei, Präsident des 1881 gegründeten deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit, hochverdient um das städtische Gemeinwesen der Reichshauptstadt. 3. Dr. Julius Glaser, General-Procurator am Obersten Gerichtshöfe in Wien und k. k. Geheimrath, ehemaliger Justizminister im Ministerium des Fürsten Adolf Auersperg, längere Zeit Professor an der Universität Wien, Reichstags-Abgeordneter und einer der namhaftesten österreichischen Juristen, 19. März 1831 zu Postelberg in Böhmen geb., gest. 26. December (getauft). 4. Karl Gustav Thilo, Präsident des Landgerichts zu Frankfurt a. d. O., langjähriges Mitglied des preußischen Abeordnetenhauses und des Reichstages, Mitglied der freiconservativen Partei, juristischer Schriftsteller, geb. 9. März 1829 zu Gleiwitz (getauft). 5. v. Philipsborn, früher Director der handelspolitischen Abtheilung im Auswärtigen Amt zu Berlin, dann Gesandter in Kopenhagen,

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