Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 11 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schlafen." Der Schmerz, der sie und ihren ganzen Kreis erfaßte, ist in seiner Tiefe für uns fast unverständlich. „Da saßen wir und verstummten, keines konnte sprechen. O, wie laut sprachen unsere Thrünen: Er ist nicht mehr." Am Abend des folgenden Tages schrieb die Becker in ihr Buch: „Nun ruht Moses bei seinen Vätern. Um 10 Uhr Morgens ist heute die Leiche, von vielen Hunderten seiner Nation begleitet, an ihre Ruhestätte gebracht worden. Er lebt nicht mehr unter uns. Theurer, unvergeßlicher Name, du stirbst nicht! .... Jetzt schläft schon Alles — wie lebhaft wacht Mendelssohns Bild in meiner Seele!" In den nächsten Tagen sprach man noch viel von dem Verstorbenen; man erzählte Anekdoten von ihm und über ihn. „Theurer Moses," ruft die Becker aus, „wie äußerst interessant müßte Deine Biographie sein! Von der bittersten Armuth schwang er sich zum Wohlstände auf. Er sagte unter Anderem, die lebhafteste Freude in seinem Leben sei der Fund von 20 Groschen gewesen, für welche er sich ein reines Hemd gekauft habe." 2. Von der ersten Vorlesung des „Phaedon" wird folgende Anekdote erzählt: Moses Mendelssohn bildete mit seinem großen Zeitgenossen Lessing und dem Buchhändler Nicolai einen „Stammtisch" in einer Weinhandlung in der Brüderstraße zu Berlin. In dieser Weinstube fand man sich aber nicht nur des edlen Rebensaftes wegen zusammen; man hielt dort eine Art Symposions, bei dem die tiefsinnigsten Gespräche geführt nnd die neuesten literarischen Arbeiten verlesen wurden. Einem ehrsamen, in der Brüderstraße wohnhaften Bäckermeister, Brennecke mit Namen, halten es nun die tiefsinnigen Gespräche der berühmten drei Litteratoren besonders angethan. Zur selbigen Stunde, da Lessing, Mendelssohn und Nicolai erschienen, stellte sich auch Brennecke regelmäßig in einer Ecke des Stammtischzimmers ein. Eines Abends erbat sich der „edle Moses", wie ihn Lessing zu nennen pflegte, von seinen beiden Freunden auf längere Zeit ihre Aufmerksamkeit. Er zog ein größeres Manuscript aus der Tasche. Es war ein Theil seiner Schrift „Phaedon", oder „Ueber die Unsterblichkeit der Seele". Nachdem die Vorlesung beendet war, schwiegen die beiden Anderen einige Zeit. Endlich unterbrach Lessing die Stille und wandte sich an den ehrsamen Bäckermeister mit der Frage: „Na, Brennecke, was sagen denn Sie? Glauben Sie an die Unsterblichkeit der Seele?" „Nee, Herr Lessing." antwortete Brennecke im reinsten Berliner Deutsch, „ick jloobe nich an ihr." „Aber warum denn nicht Brennecke," fiel Nicolai ein. „Seh'n Se, das will ick Ihnen sagen," entgegnete schlagfertig der edle Bäckermeister: „wenn ick nicht an ihr jloobe, und sie kommt nich, na dann fchadt's weiter nischt; kommt sie aber, trotzdem ick nich an ihr jloobe, so freue ick mir; jloobe ick aber an ihr, und sie kommt dann doch nich, dann ärjere ick mir entsetzlich!" Sprach's, trank sein Glas aus und verschwand. Mendelssohn und Nicolai mußten lachen; Lefsing aber meinte: „Wahrhaftig, ich glaube, der Mann kommt geraden Weges von Shakespeare her." Allerlei für den Familientisch. Vor dem Friedensrichter in Odessa erschien dieser Tage der daselbst wohnhafte jüdische Maler Grünberg unter der polizeilichen Anklage, Heiligenbilder verkauft zu haben, wozu er als Jude nicht berechtigt ist. Außerdem wurde er von der Handwerker-Genossenschaft der Gotteslästerung beschuldigt, weil er als Jude ein Heiligenbild der Mutter Gottes selbst verfertigt. Um zu entscheiden, ob der gegebene Fall wirklich eine Gotteslästerung enthalte, wurde ein Priester als Sachverständiger vorgeladen. Der Priester war vernünftiger, als die brotneidischen Handwerker und erklärte, daß das, eine katholische Mutter Gottes darstellende Bild nicht die geringste Gotteslästerung enthalte, da es streng nach dem katholischen Ritus gemalt ist und keine Entstellung aufweift. Da ferner' durch Zeugen nachgewiesen wurde, daß das Bild nicht von Grünberg selbst, sondern von einem bei ihm arbeitenden christlichen Gesellen gemalt worden, so erkannte der Richter den Grünberg nur des unbefugten Handels mit Heiligenbildern für schuldig und verurtheilte ihn zu einer Strafe von. 10 Rubeln. Per AVI Käuserer bot dem Buchhändler Nicolai einen Band Predigten für Christen, Juden und Heiden an. Nicolai antwortete: „Die Christen lesen keine Predigten, die Juden: kaufen sie nicht und mit den Heiden stehe ich nicht iw Ber-- bindung."! Uüthfel-Aufgaben. ] Purim-Räthsel von C. in R. I. Deutsches Kogogrrch. Erhoben ward mit t sie einstmals auf den Tbron, Dagegen er mit d zu ew'gem Spott und Hohn. II. Kebrarfches Homonym und Kogogryptz» Aus ihr erscholl einst Weinen, Klagen, Auf ihm Musik und Wohlbehagen; Als Königin sie uns gefällt, Wenn man ein Pünktchen höher stellt. III. Hebräisches Uiithsrl. Von Lehrer Js. Herzberg. Wohlthun, — die Blume, die da prangend Im Tugendgarten Juda's steht, Sie rettet, wenn in Nöthen bangend Der Fromme Gott um Hülfe fleht! Mein Wort giebt hierfür den Beweis: Naht auch der Tod aus allen Ecken, Der Fromme sich beschützet weiß, Des Lebens Schilde stets ihn decken. Einst wurde es dem Herrn gegeben Als Sühne für das eigne Leben, — Soll Dir des Räthsels Lösung glücken, Mußt auf das Purimfest Du blicken! — Auflösung der Ralhsel in vor. Ur. I. Gerson. Person. H Nadab, Sohn Ahrows, Nadab, Sohn Jerobeams. Die Auflösung des Purim-Preisräthsels erfolgt in nächster Nummer» Auflösung der Dreis-Räthsel i« Ur. 7. I. Sirach» Charisi, Rafchi. II. rTOÖ (1. B. M. 22,24 und 1 B. Könige 15,2). Richtige Lösungen sandten bis zum 28. Februar ein: aä I. S. Lefsmann in Aachen. Hans Metz in Bielefeld. Jac. Kaufmann in Essen. Henriette Weinberg in Bodenfelde. Moritz Wallach in Warstein. Jenny Kahlberg in Uslar, (tfmtt Theil auch Hugo Kahn in Würzburg und L. Kahn in Salmünster.) Lina und Saly Spier in Großkrotzenburg. ad. II. Max Jnfeld in Podgorzc bei Krakau. L- Weinberg in Uslar. Max Golde in Posen. L. Kahn in Salmünster. A. Speier in Heinebach. Hugo Kahn, Seminarist in Würzburg. Hans Metz in Bielefeld. A. W. in Tarnopvl (zum Theil). B. M. Goldberg in. Jnowrazlaw. Das Loos entschied die Prämien für: I. II. 1. H. Weinberg in Bodenfelde. 1. A. Speier in Heinebach. 2. S. Lefsmann in Aachen. 2. L- Kahn in Salmiinster. 3. Hans Metz in Bielefeld. 3. Max Golde in Posen. (Sollte einer derselben schon friilier ein Pcämicnbnch erhalten haben, so iväre el im eigenen Interesse, uns dies per Postkarte anzngcben, damit wir nicht dasselbe nochmals senden.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.