Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 10 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 40 — jages zu machen und die Sache in der II. Kammer zur Sprache kam, wo sie selbstverständlich die ganze conservative Seite für sich hatte, sprach sich der Vertreter des Hameln'schen Bauernstandes, der Abg. Redecker, in schärfster Weise dagegen aus und schloß, sich gegen die conservative Seite des Hauses wendend, mit den Worten: „Wenn Sie, m. H., aber so sehr das Bedürfniß fühlen, einen geistlichen Herrn hier zu haben, so schlage ich vor, meinen Freund, den Landrabbiner Meyer zu berufen, der steht wenigstens in religiöser Beziehung über den Parteien". Redecker war es auch, der einmal bei einer andern Gelegenheit einem Juden mit Erfolg das Wort redete, das er mir in folgender Weise erzählte: Der jüdischeRegiments-Roßarzt Meyersburg klagte mir, daß, obwohl er Officiersrang habe und ihm als solcher ein Pferd zustehe, ihm solches trotz aller Bitten und Vorstellungen vorenthalten werde und bat mich um meine Verwendung. Ich war gerade Mitglied der Militär-Commission, der auch der Kriegsminister von Brandts und der General von Tschirschnitz angehörten. In der nächsten Commissionssitzung wandte ich mich an den Minister mit der Frage, was denn dieser jüdische Roßarzt Meyersburg für ein Mensch sei und ob er sein Handwerk verstehe? „Er ist ein sehr tüchtiger Mann in seinem Fach und ist deshalb auch zu den Garde du Corps (Elitie corps) versetzt," gaben mir v. Brandis und v. Tschirschntzzurück. „Unter uns, meine Herren, schreibt Herr Meyersburg seine Recepte hebräisch?" Allgemeines Staunen und Verneinung war die Antwort. „Nun, weshalb wollen Sie ihm denn kein Pferd geben?" Man schob Sparsamkeitsrücksichten und dgl. vor. „Nun, meine Herren, gestehen Sie nur weil er ein Jude ist!" Nein, sagte v. Br., nicht eigentlich weil er ein Jude, sondern weil er von so wenig vortheilhaftem Aeußern ist, daß es allerdings den Wünschen des Officiercorps entspricht, ihm kein Pferd zu geben. „So," sagte Redecker, „wenn wir jährlich Millionen verausgaben, um die Bälle zu frequentiren und die Damen zu amüsiren, so muß ich allerdings für meinen Schützling verzichten, da wundert es mich aber, daß ich hier Söhne des Mars vor mir sehe, die, beim Barte des Propheten, dem lieben Herrgott auch kein erbauliches Zifferblatt vorzeigen und die noch ganz andere Stellen bekleiden, als Regimentsthierarzt bei den Garde du Corps" und verneigte mich gegen v. B., der ebenfalls nichts weniger als schön war, „nicht wahr, Excellenz, wir verstehen uns." — Acht Tage später hatte Meyersburg ein Pferd. ___ I/chajim! Trinkspruch beim Stiftungsmahle der israelitischen Männerkrankenkasse zu Frankfurt a. M. 1845, ausgebracht von Rabbiner vr. Leop. Stein. L’chajim! Es leb' was im Erdenthal Noch grüßet mit uns den erquickenden Strahl, Was die liebende Sonne sieht: Doch auch die Geschied'nen, die einst hier gelebt. Gekämpft und gerungen und Gutes erstrebt, Sie leben in unserem Lied. Es saßen die Väter beim Stiftungsmahl, Es kreiste behend der volle Pokal Wohl um den fröhlichen Tisch: Festfreude war den Gedrückten so rar, Drum blieb dies Fest von Jahr zu Jahr Jung in der Erinnerung und frisch. Und es ward in der seltenen Festesnacht So manch herzinnig L’chajim! gebracht, Es wuchs mit den Stunden die Lust: Bald dachten die Dulder des Druckes nicht mehr. Bald wogte und wallete Wonne umher, Und selig war jede Brust. Wie nun so hoch die Freude stieg, Los war der Zaum, die Mäßigung schwieg — Da ergreift der Diener das Glas Und rief in's nahe Beth-chajim hinaus — Es faßte die Zecher Schauer und Graus — L’chajim, Herr Benedict Maas! Und Todtenstille herrscht im Kreis, Da Jeder des Rufes Deutung weiß, Und Alle sind tief bewegt; -A Denn er hatte des Stifters Namen genannt, Der einst die längst nun. verwelkte Hand An's heilige Werk gelegt. Welk ist die Hand, das Werk doch besteht; Denn Menschliches — hört es, ihr Menschen! — vergeht. Doch bleibet die göttliche Thal; Was im Leben todt, das begehret nicht, Was im Tode noch lebt, so rufet die Pflicht, Erstrebet früh und spat. Und erschlaffet der Muth im Streben heiß, Kommt jährlich hierher! Im Bruderkreis, Da werde die Seele gesund! Drum füllet das Glas mit der Erde Glut Und schöpfet zu himmlischen Werken Muth, Grüßt Himmel und Erde im Bund! L’chajim! Es leb' was im Erdenthal Noch grüßet mit uns den erquicklichen Strahl, Die belebende Sonne noch sieht: Doch ihr auch drüben, die einst hier gelebt, Nach Edlem gerungen, für Gutes gestrebt, Hoch lebet in unserem Lied! Räthsel-Aufgaben. I. Deutsche» Logogryh. Von 6. in R. Mit G ein Enkel Jakobs ist's; Mit P doch immer selbst du bist's. n. Hebräisches Homonym. Vom demselben. Ohne Erben mußte sterben Eines frommen Priesters Sohn; Zum Verderben mußt' er erben Seines bösen Vaters Thron. m. Durim-Vreisrächfel?) Von A. Speier in Heinebach. Einen Mann und ein Weib hatt' ich gefunden» Wie freut' ich mich mit dem herrlichen Paar! Doch als zu Einem ich sie verbunden Das Ganze nur ein Halbes war! Arrsiösrmg der Mlhsel in vor. Ur. i. Warschau ’S Auerbach n Schwarzwald Dante SJ Äsai Rüben Ninive £ Jerusalem Constantin «o Hanna S Themse +* Languedoc 'ä.’S Jephtah 3 e Emmaus c rr Beirut Iliade §f Simson Trajan Tischbi 1s Habacuc {5 Utah o Asharot. 6 H. Phrase. Seraph. in. Koran. Hi? <2.83. SK. 34,29 u. 30). *) Die Auflösung des Preisräthsels in Nr. 7 erfolgt in nächster Nr Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.