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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 9 (1886) · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
9 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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Sanders trat bescheiden in den Hintergrund des großen Zimmers, um nicht gesehen zu werden. „Mutter, theure Mutter!" rief die Gräfin, sich mühsam aufrichtend. „Wirst Du Dein Kind, Dein armes, mißhandeltes Kind, nicht von Dir weisen?" Und weinend barg sie ihr Haupt an der Mutter Brust. „Du kommst allein, Jlka?" fragte die Mutter. „Wo ist der Graf?" „Red' mir nicht von ihm, Mutter," bat die junge Frau unter Schluchzen. „Ihr seid entzweit?" forschte ängstlich Frau Rachelle. „Ohne je einig gewesen zu sein," entgegnete die junge Frau; „doch, Mutter, laß uns die Stunde des Wiedersehens nicht mit dem Gedanken an jenen Unseligen trüben, den ich me — nie hätte kennen lernen sollen!" „Sage mir," fuhr sie mit thränenumflorten Augen fort, „ist es denn wahr, ist es möglich, daß —" „Leider nur zu wahr," unterbrach sie, gleichfalls in Thränen ausbrechend, die Mutter. „Ich bin allein, weiß nicht, wo der Vater jetzt weilt, bin eine Bettlerin!" „Verzage nicht, Mutter," sagte die junge Frau sich aufrichtend und jetzt erst den Onkel gewahrend. „Da sehe ich ja Onkel Leo bei Dir! Er wird uns gewiß ein Helfer in der Roth sein!" Und sie stand auf und wankte ihm entgegen, sank in seinen Arm und schluchzte wie ein Kind. „Ihr seid nicht verlassen," sagte ernst der Onkel, sie wieder zum Divan zurücksührend. „Gott ist groß und seine Hand reicht weit; er wird Euch den Vater wieder zurückgeben, ich bin dessen sicher; bis dahin verlaßt Euch auf mich; Euer Wohl ist mir wie das meiner Familie heilig." „Du hast Dich mir schon einmal, lieber Onkel," sagte Jlka, ihm bewegt die Hand reichend, „als treuer Freund und Berather erwiesen. — O, wie viel Unglück wäre mir erspart, wenn ich damals consequent geblieben wäre!" Und ohne zu wissen, daß Sanders im Zimmer sei, begann die junge Frau in herzbewegenden Worten von ihrem Elend zu erzählen, von dem Zwange, den sie sich auferlegt, von der Behandlung, die sie, seitdem der Graf verwundet worden, erduldet. Auch Sanders war mächtig erschüttert. Er fühlte, daß er doch zu hart gegen sie gewesen, als sie in ihrer Angst und Verzweiflung ein teilnehmendes Herz suchend, sie kalt von sich gewiesen. „Liebe Jlka," sagte der Onkel ernst, „das kam Alles, wie es kommen mußte! Ich bin weit entfernt, Dir heut in Deinem Unglück und nachdem Du so hart gebüßt, Vorwürfe zu machen; ich wünsche nur, daß Du aus Allem, was Du in der kurzen Zeit, seitdem wir uns nicht gesehen, erlebt, die Lehre ziehen mögest, daß der äußere Glanz nichts gilt, wenn das Herz nicht befriedigt ist. Du bist noch jung; eine ganze Welt der freudigen Erfüllung liegt noch vor Dir, nur fasse Muth und vertraue auf den Gott Deiner Väterr. Er wird Euch nicht verlassen!" Bewegt ging er hinaus, Sanders, dessen Erregung er bemerkte, einen Wink gebend, ihm, ohne daß ihn Jlka gewahrte, durch die jenseitige Thür zu folgen. (Fortsetzung folgt.) Allerlei für den Familientisch. Biblische Ursprünge. Ein inländischer Gelehrter, M. Vigfusson. hat herausgefunden, daß die Marseillaise, dieses französische Wiegenlied der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit — wer sollte es glauben? — biblischen Ursprunges sei, wenigstens aus zwei Werken zusammengestoppelt, die biblische Stoffe behandeln, aus Racine's Athalie und Esther. — Ein anderer Gras wachsen hörender Forscher, Louis Nicoulaudot, hat herausgefunden, daß die Lafontaine'schen Fabeln nichts weiter als Midraschartige Bearbeitungen der Bibel sind. Der Lafontaine'sche Esel, der seinen Herrn wechselt, ohne sein Loos zu verbessern, z. B. bedeutet den Patriarchen Jacob, der vor Esau zu Laban flieht — „vom Regen in die Traufe" u. s. w. — Diese Ursprünge sind doch sonderbare Geistessprünge. ______ Riithfel-Aufgaben. I. Deutsches Silbrurülhsel. Von M. Lipschitz in Könitz W./Pr. Aus folgenden 55 Silven sind 22 Worte zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen einen herrlichen Ausspruch eines berühmten jüdischen Gelehrten ergeben. Die Silben lauten: a, as, au, ba, bach, bei, ben, bi, con, cuc, dan, de, doc, em, er, gue, ha, ha, han, i, i, i, jan, je, jeph, lan, lern, li, maus, na, ni, ni, rot, ru, ru, rut, sa, sa, schau, schwarz, se, sim, son, stan, tah, tah, te, them, tin, tisch, tra, u, ve, wald, war. Die Worte bezeichnen: 1. Stadt in Polen. 2. Jüdischer Schriftsteller. 3. Gebirge Deutsch! nds. 4. Italienischer Dichter. 5. Vater eines jüd. Königs. 6. Sohn eines Patriarchen. 7. Stadt, an die sich die Geschichte eines Propheten knüpft. 8. Stadt in Palästina. 9. Oströmischer Kaiser. 10. Bibl. Frauenname. 11. Fluß in England. 12. Provinz Frankreichs. 13. Richter in Israel. 14. Stadt in Judäa. 15. Stadt in Syrren. 16. Epos aus dem Alterthum. 17 Ein starker Mann. 18 Römischer Kaiser. 19. Geburtsort eines Propheten. 20. Ein Prophet. 21. Landschaft in Nordamerika. 22. Hebr. Bezeichnung für poet. Zusammenstellung der 613 Gebote. II. Deutsches Logogrub. SBon 0. in R. Dreimal zwei Laute bezeichnen ein Wort Oft um so leerer, je mehr es gefüllt; Die äußeren Paare laß' wechseln den Ort — Es nennet ein Wesen, den Blicken verhüllt. III. Zweisprachiges Homonym. Bon R. Eine neue Religion Ward einst darauf gegründet, Doch hat es Mose schon, Am Sabbath jüngst verkündet. Gehüpft oder gesprungen. In der Reichstagssitzung vom 10. d. M. brauchte der Abg. Bamberger in seiner Rede ein Bild, was wohl den meisten Mitgliedern des Hauses neu gewesen sein dürfte. Er sagte: „Das ist gehüpft, wie gesprungen". Vollständig heißt es: „OP 'O (Was für Unterschied ist's, ob) Kodausch gehüpft oder Kodausch gesprungen?" — und bezeichnet allerdings, daß eine verschiedene Einkleidung ein und desselben Gedankens an der Sache selbst nichts ändert. Wbg. Auflösung der Röthsel in vor. Ur. I. Endor. Orden» II. Monarch, Rach'mon (sAN^l) HI. Hebron, Eebro. IY. Mosche, Mosche. (In der Räthselaufgabe IV ist das Wort „Mil'el" nicht im grammatischen Sinne zu nehmen, denn ist hebräisch stets , sondern es ist an die übliche Betonung der ersten Silbe von „Mosche" in der dentscheU Aussprache gedacht) D*r Dieser Nr. liegen empfehlende Zeugnisse der „N a t u r -- Heilmethode" von 'WilliamBecker in Berlin bei. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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