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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 8 (1886) · p. Seite 32

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
8 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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’ber Jahre, seitdem er als Schüler hinter den Anforderungen der Klasse zurückblieb, als Cadett Schulden gemacht, als Lieutenant sein Ehrenwort verpfändet, ohne es einlösen zu können, Laisons angeknüpft, die ihn bei seinen Vorgesetzten discredirten, ihm endlich den Abschied einbrachten! „Er weiß keine Frau zu behandeln," sagte sie sich. „Sein Unglück entspringt seiner eigenen Verschuldung!" „Wird Dir Jlka schreiben?" fragte sie den Sohn, der ob der Mutter Vorwürfe schon verstimmt schien. „Was weiß ich? Geld soll sie bringen, sonst, das habe ich ihr offen erklärt, danke ich für die Ehre, der Schwiegersohn ihres Herrn Papa zu sein!" „Da hast Du Dich einer unverantwortlichen Rücksichtslosigkeit schuldig gemacht," entgegnete die Mutter; „hättest Du gethan, als ob Du ihr Unglück mitfühltest, ihren Barer bedauertest". „Ich bin kein Tartüffe," unterbrach unwillig der Graf; „nicht Jenen bedauere ich, nur mich, mich ganz allein, daß ich das verdammte Pech gehabt, mich mit jener Judenfamilie zu liiren!" „Du vergissest, daß Du ohne Braun —" „Ich bitte Dich, Mutter, mich mit allen Reminiscenzen zu verschonen," unterbrach der Graf. „Wahrlich, ich hätte gedacht, anders von Dir empfangen zu werden," entgegnete verletzt die Gräfin. „Nicht nur, daß Du uns seit Deiner Verheirathung nicht geschrieben, von E den Hlinderttausenden, die Du erhalten, keinen Kreuzer gesandt, obschon Du weißt, wie kärglich mein Wittwengeld bemessen ist — auch noch diese Begrüßung?" „Du siehst, daß ich leide, Mutter," entschuldigte sich der Graf, dem doch wohl ein Gefühl der Pflicht sagen mochte, wie lieblos er an der alten Frau gehandelt; „wenn man Schmerzen hat, ist man nicht geneigt, schöne Worte zu sprechen!" Damit schloß er die Augen, als habe er den Wunsch, ungestört zu sein! — „Deshalb also," sprach die alte Gräfin, „hätte ich die weite Reise gemacht? Hier Krankenpflegerin spielen, meinen Sohn als Strohwittwer zu finden, dem sein Goldvögelchen ausgeflogen?" Sie wartete zwei, auch drei Tage; von Jlka kam keine Nachricht; endlich entschloß sie sich, zu schreiben und schilderte der „geliebten Schwiegertochter, die zu sprechen sie sich so sehr gesehnt", den Zustand ihres bedauernswertsten Sohnes, hoffend, durch ihre Zeilen Jlka zur Rückkehr zu bewegen. (Fortsetzung folgt). Gm Beitrag zur Saeularfeier Mendelssohns * von Carl Weitershausen Evangelischer Pfarrer in Allegheny City, Pa. Es vergehen Pracht und Schimmer, Selbst Paläste werden Trümmer, Rasch zerstört vom Sturm derZeit. Auch der Herrscher Kronen fallen, Und des Reichthums stolze Hallen Sind dem Untergang geweiht. Nur das Edle, Freie, Wahre, Wie das Reine, ewig Klare, Was der Himmel selbst uns bot; Wahrheit, Tugend, inn'ge Liebe, Unserer Seelen reinste Triebe, Störet nicht der strenge Tod. Sinket auch des Geistes Hülle, Ruhend in des Grabes Stille, Nichts desMüdenSchlummer stört; Doch es denken, die da leben, An der Väter Wirken, Streben, Nach dem Tode noch geehrt. So auch möcht' ich heute preisen Einen Braven, einen Weisen, Dem da ward der Treue Lohn. Er, den alle Edlen kennen, Den mit Ehrfurcht sie nur nennen, WareinstMosesMendelssohn. Hundert Jahre sind verflossen, Haben eilend sich ergossen In das Meer der Ewigkeit, Seit ein Engel ihn geleitet, Ihn an sanfter Hand begleitet In das Land der Seligkeit. Und dem Geist des Israeliten Wir noch Dank und Liebe bieten Für die ausgestreute Saat; Für sein Ringen, für sein Streben, Um zu bilden, zu erheben, Hier seinVolkdurchWortundThat. Nicht der Väter frommen Glauben Will er seinem Volke rauben. Nur veredlen möcht' er ihn. Rein und lauter soll auf Erden Er der Enkel Erbtheit werden Und in reichem Segen blüh'n. Nicht in Formeln und Gebräuchen Soll der Mensch das Ziel erreichen, Das den Herrn der Welten ehrt. Wahrheit, Liebe soll hinieden Leiten uns zum höchsten Frieden, Zum Gebet, das Gott erhört. Thät^ge^Liebe soll erfüllen Aller Herzen, um zu stillen Jedes Bruders Schmerz und Leid. Willig geben und erfreuen, Gern des Schwachen Muth erneuen, Sei uns Wonne, Seligkeit! Nicht nur seines Stammes Glieder, Alle Menschen sind ihm Brüder, Alle, die da Gott verwandt; Alle Edlen, die da sterben, Sind des Himmels würdige Erben, Aller harrt Ein Vaterland. Und sein Beispiel strahlt in Segen Allen durch die That entgegen. Bald sie keimt und sproßt die Saat. Sie entfaltet reiche Blüthen Bietet Früchte: Liebe, Frieden, Die der Herr gesegnet hat. So sein Volk, längst fern dem Lande Seiner Väter, das verkannte, Oft verfolgte, er erhebt: Frei von jeder Knechtschaft Bürde Zum Bewußtsein seiner Würde, Die in freien Herzen lebt. Und so lebt der edle Weise, Wie von seines Volkes Kreise, So von Allen hochgeliebt. Und er wirkt mit starkem Muthe Für das Wahre, für das Gute, Bis der Tod sein Auge trübt. Noch sind seine „Morgenstunden",. Von der Liebe Kranz umwunden. Der Unsterblichkeit geweiht. &j Und „Jerusalem", das große — Wechseln auch des Schicksals Loose,.. Störet nicht der Drang der Zeit. Ihm ein Denkinal ist erbauet, Das kein sterblich Auge schauet. Das kein Sturm je wild umweht:. In den Herzen fest begründet. Wo die Liebe sich verbindet. Für die Ewigkeit es steht. Wo er ruht an heil'ger Stätte, Zu des Weisen Ruhebette Wallet der Verehrer Schaar. Dank und Liebe sie durchdringen Und an seinem Grabe bringen Sie des Herzens Opfer dar. Hell, in weit entlegener Ferne Strahlen sie der Heimath Sterne Auf des Erdenwandrers Gruft. Dahin laßt im Geist uns wallen, Laßt des Preises Lieder schallen. Wo uns Dank und Liebe ruft. Hundert Jahre sind entschwunden Rasch, gleich flüchtigen Sekunden, Seit er nahte Gottes Thron. Israel, an diesem Tage, Mit gerührtem Herzen sage: „DankDirMosesMendetssohn!"' „Zur MendelSsohns-Feier" — schreibt ehr. Witzblatt nicht mit Unrecht: Am Tage, wo dem Reich der Todten Der große Mann einst zugestrebt, Da sind die ält'sten Anekdoten In hundert Blättern aufgelebt. Aäthsel-Aufgaben. I. Deutsches Kogogryph. Von 6. in R. Das Wort nennt einen Ort, Wo eine Schlacht geschlagen; Ein König war einst dort, Sein Schicksal zu erfragen. Stellt man das Herz voran, Vor dieses dann die Füße: So will's der Anstand dann, Daß man den Träger grüße. II. Zweisprachiges Logogryh. Von 0. in R. Ein Deutscher Titel — jedem Herrscher eigen; Doch würdig kann er erst sich dessen zeigen, Wird eine Eigenschaft ihn schmücken, Wodurch sein Volk er will beglücken. Hebräisch diese sich sofort ergiebt, Wenn man die Zeichen richtig nur verschiebt. III. Geographisches Uäthsel. Von Lehrer Jae. Kaufmann in Essen. Es liegt die Stadt im heiligen Land, Ist jedem Leser wohl bekannt. So man ihr raubet Kopf und Fuß, Entsteht daraus ein großer Fluß. IV. Betonungs-Riilhsel. Mittel — bin ich der größte der Propheten, Milra — ein Haus, erbaut, darin zu beten. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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