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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 8 (1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
8 (1886)
Date
1886-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches 188«. Herausgcgeben von vr. Rahmer in Magdeburg. ZU Unterhaltung«. Kelrhrung für dir israelitische Jugend. Ausgewiesen. Von A. Speier, Heinebach. — Die Prinzessin. CtliHUIt Versöhnt. Original-Roman von Iba Barber. (Fortsetzung.) — ' Weitersh ausen. —Zur Mendelssohns-Feier. Räthsel-Aufgaben. Eine Erzählung von Agathe Mcisels. (Fortsetzung.) — Ein Beitrag zur Säcularfeier Mendelssohns. Von Carl Ausgewiesen. Des Winters weißes Leichentuch Lag über Feld und Auen! Soweit ich meine Augen trug, War nichts als Schnee zu schauen. Der Bettelmann, der schwarze nur Flog krächzend durch die Lüfte; Sanft war es still in der Natur, Als schritt man hin durch Grüfte. Und horch! ein weinerlicher Laut Dringt jetzt zu meinen Ohren, Und ach! o Grausen, denn es schaut Mein Blick ein Weib erfroren. In ihrem Schooße liegend ruht Ein Kindlein eingebunden; Gottlob! daß warm noch ist sein Blut, Gottlob! daß ich's gefunden. Ich brachte beide in mein Haus, Die Mutter sammt dem Kinde, Die Erste trug man dann hinaus, Damit sie Ruh' nun finde. Ach, Ruhe hat fie nicht gekannt. Das Weib — es war aus Briefen — Ein Schreiben ich im Kleide fand, Es stand drauf: Ausgewiesen. Heinebach. A. Spei er. Die Prinzessin. Eine Erzählung von Agathe Meisels. (Fortsetzung.) Durch dies fortgesetzte Schweigen ein wenig beunruhigt, erhob sich jetzt der Graf und sagte in seiner gemessenen Weise, aber in ungewöhnlich mildem Tone: „Siebst Du, Stefan, ich könnte doch, dem Brauche unserer Altvordern gemäß, der gewiß in allen Punkten ein vernünftiger war, den Vertrag mit der Fürstin abschließen, ohne Dich erst um Rath zu fragen. Ich weiß aber, daß Du ein gescheuter Junge bist, wenn Du nur selbst Dir den Kopf nicht verdrehest, und ich wollte auch Deinen Unabhängigkeitsschrullen Rechnung tragen. Nun beweise mir aber, daß ich recht hatte, auf Deinen graden Verstand zu bauen. Laß' Dein Pferd satteln und uns beide nach Krasnowoda reiten, um der Fürstin unsere Aufwartung zu machen. Dort stelle ich Dich ihr vor, sie würde uns ihre Tochter und so bei einem Glase feurigen Burgunders oder alten Ungar- Weines, denn ihr Keller ist voll von der echten Qualität" — er schmunzelte wohlgefällig — „können wir die Sache zum Abschluß bringen". Stefan hatte sich endlich gefaßt und erwiderte mit fester Stimme: „Vater, ich danke Dir für das Vertrauen, das Du mir entgegenbringst, — doch ich bedauere, bedauere von ganzem Herzen, es nicht rechtfertigen zu können, Dir eine Enttäuschung bereiten zu müssen, denn ich will und werde die Theodosia nicht heirathen". „Was, Du willst nicht, Du wirst nicht? Weißt Du mit wem Du sprichst?" „Ich glaube", entgegnete Stefan, „die Achtung, die ich der väterlichen Autorität schulde, durchaus nicht zu verletzen, wenn ich mir das Selbstbestimmungsrecht in einer Angelegenheit wahre, die über das Wohl und Wehe meines ganzen Lebens entscheidet". „Weshalb aber magst Du die Theodosia nicht?" frug der Graf mühsam an sich haltend; „kennst Du sie denn?" „Nein, ich kenne sie nicht, aber ich mag keine Frau, die fünf Jahre älter ist als ich, und klein, häßlich, und . . ." „Ist dies der einzige Grund Deiner Weigerung?" Stefan fühlte wie chm, unter dem durchbohrenden Blicke seines Vaters, eine heiße Blutwelle Gesicht und Hals färbte, und er ärgerte sich ob dieses sichtbaren Zeichens einer Verlegenheit, die er gern verbergen mochte. Wie sollte er aber, der niemals lügen konnte, gerade jetzt dem Vater die Wahrheit enthüllen? Dieser fuhr, ohne die Entgegnung abzuwarten, höhnend fort: „Vielleicht irgend eine Liebelei, eine Dorf-Venus, oder Diana oder eine andere mythologische Schöne^ die Deine zügellose Phantasie in Banden hält und Dir den freien Ausblick in die reale Welt trübt?" „Nun ja", rief Stephan durch den Spott gereizt, „etwas ähnliches ist es wohl, aber keine flüchtige Tändelei, die nur die Phantasie beschäftigt und das Herz kalt läßt. Nein, eine große, bezwingende Leidenschaft, eine dämonische Gewalt, ein Orkan, der das Gemüth in seinen Grundvesten erschüttert, jeden Damm durchbricht und jedes Hinderniß gewaltsam wegfegt". Er hatte in immer steigendem Affecte die Worte hervorgestoßen, ohne den Eindruck wahrzunehmen, den sie hervorbrachten. Jetzt sah er seinen Vater, bleich vor Wuth, an ihn herantreten. „Höre Junge", sagte er heiseren Tones, „nun habe ich grad' genug an all dem Unsinn, meine Geduld, die ich Dir schon zu lange bewahrt habe, geht zu Ende. Hüte Dich noch einmal, in meiner Gegenwart der wahnsinnigen Leidenschaft Erwähnung zu thun, die Du, Deiner demokratischen Geschmacksrichtung gemäß, gewiß irgendwo in der Gosse aufgelesen hast". Stefan wollte auffahren, ein eisiger Blick des Vaters zwang ihn zur Ruhe. „Uebrigens ist dies gar nicht meine Sache", fuhr er mit vollkommen wiedergewonnener Selbstbeherrschung fort, „Du kannst lieben, wen Du willst, so viel Unheil anstiften, als Dir nur belieben mag, ich habe nichts dagegen — junges Blut muß austoben — heirathen wirst Du aber nur die Theodosia und damit Punktum". Er wollte gehen, eine flehende Gebehrde des Sohnes hielt ihn zurück. „Vater", rief er mit weicher Stimme, „ich weiß, daß Du, trotz aller zur Schau getragenen Strenge, mich liebst. Wie kannst Du es dann über's Herz bringen, mich, Deinen einzigen Sohn, namenlos unglücklich zu machen? Weshalb

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