Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 7 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492351-9579404-9574212--0557-9574216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 28 — „Auch das noch/' rief tief traurig die unglückliche Mutter. „Nein, es darf nicht sein!" rief sie, sich fassend. „Jlka muß Gräfin bleiben! Weshalb hätte der Vater so bedeutende Opfer gebracht? Was werden die Leute sagen? Mit Fingern werden sie auf sie weisen! Nein, nein! Sie muß sich in ihren Gatten schicken, muß aushalten, seine Launen ertragen lernen!" ' H Und in diesem Sinne schrieb sie ihr, nicht ahnend, welchen Sturm der Empörung sie mit diesem Briefe im Herzen der Tochter anfachte. — Von der Katastrophe, die ihr Haus betroffen, kein Wort. Gräfin Zandos sollte nicht wissen, daß ihr Vater flüchtig und die Zahlungseinstellung bereits erfolgt; sie hatte sich, so wünschte es die eitle Mutter, in einer höheren Sphäre zu bewegen; auch der Graf sollte nicht wissen, welch' hartes Geschick sie betroffen; er würde, so fürchtete sie, es dann erst recht an dem schuldigen Respect gegen seine Gattin fehlen lassen. (Fortsetzung folgt.) < W -:- Me neue Synagoge i« München. Ueber die Münchener, bekanntlich von dem Baumeister Hrn. Albert Schmidt, hier, erbaute neue Synagoge bei der Herzog Maxburg bringt die „Deutsche Bauzeitung" eine sehr wohlwollende, von Grundrissen und perspectivischen Ansichten begleitete Besprechung, der wir den folgenden Schlußpaffus entnehmen. „Von der künstlerischen Ausgestaltung und der Gesammterscheinung des Aufbaues im Aeußern und Innern geben die mitgetheilten beiden Ansichten eine Vorstellung, welche eine weitläufige Beschreibung überflüssig erscheinen läßt. Der Künstler, welchem ein Anschluß an die sonst noch immer vielfach üblichen arabischen Bauformen ausdrücklich untersagt war, hat sich für den mit der Bauweise des Orients am engsten zusammenhängenden romanischen Baustyl, den ja auch Opplec seinen meisten Bauten zu Grunde legte, entschieden. Im engen Anschluß an mittelalterliche Vorbilder hat er diesen bei voller Selbstständigkeit der durchaus eigenartigen Anordnung in einer monumentalen Strenge und Echtheit durchzuführen gewußt, die an neueren Schöpfungen bisher wohl nur selten erreicht worden ist und die namentlich in München um so mehr zur Geltung kommen dürfte, als hier die sogenannten romanischen Bauten Gärtners ein vortheilhaftes Gegenstück vor Augen führen. Der in dunklem Backstein mit Gliederungen von oberbayerischen Tuffstein hergestellte Außenbau, welcher die Gestaltung der inneren Emporenanlage mit ihren Zugängen und Treppen zum klaren Ausdruck bringt, läßt in der interessanten Gruppirung der Hauptfront keinen Zweifel zu über die Bestimmung des Gebäudes, das bei streng kirchlichem Gepräge doch von den überlieferten Formen christlicher Gotteshäuser völlig abweicht. Man darf daher, ohne eine Enttäuschung seiner Erwartungen befürchten zu müssen, wohl annehmen, daß München durch die neue Synagoge um ein charaktervolles und organisches Bauwerk ersten Ranges reicher wird. Wir vermuthen, daß dasselbe auch wesentlich dazu beitragen wird, einer erneuten Aufnahme des romanischen Styls für kirchliche Bauten in Deutschland die Wege zu bahnen". Allerlei fite de» Familientisch. Vom Theater in Stuttgart Der Hosschauspieler und Regiffeur Pauli spielte jüngst den Kommerzienrath Meier in dem v. Mofer'schen Schwank „Hektor". In den hiesigen israelitischen Kreisen erregte es große Entrüstung, daß Pauli seiner Rolle einen gar zu markanten Ausdruck gab und es werden gegenwärtg Unterschriften für eine Beschwerdeschrift gesammelt, in welcher die K. Intendanz ersucht wird, Herrn Pauli zu veranlassen, sich seiner Darstellung jüdischer Commerzienräthe in einer weniger Aergerniß gebenden Weise zu entledigen. Klei«» jiid. Charaeterzüge. Tante Rosa fürchtet noch immer das „Ajin hora“, den „bösen Blick" und unterläßt es deshalb nie, wenn sie vott der Klugheit und Schönheit ihrer kleinen Neffen oder Nichten erzählt, „unbeschrien" oder „unberufen" hinzuzufügen. Dasist ihr so geläufig geworden, daß sie auch sagt: „Die Tage haben unbeschrien und unberufen schon recht zugenommen". H. R. StylnoU. Zu einem Rabbiner, der, mit einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt, mehrere Folianten nachzuschlagen, und diese - auf Tisch, Sopha und Stühlen ausgebreitet liegen hatte, trat ein Vorsteher zu Besuch ein. Freundlich begrüßt, sah der Rabbiner sich nach einem Stuhl um, um den Vorsteher Platz nehmen zu lassen. Alles war mit Büchern und Scripturen belegt. „Ihre Studirstube ist etwas mangelhaft eingerichtet", — meinte der Herr Vorsteher. „Allerdings, abep stylvoll" (Stühl' voll) ergänzte lachend der Rabbiner auf die vollen Stühle hinweisend. Der Atheist. Epigramm von Jeremias Deutlich. „Er glaubt an gar nichts! Wer erlaubt Ihm aber an sich selbst zu glauben?" — Das heißt fürwahr an nichts geglaubt! Den Glauben soll ihm niemand rauben. '--Dr Rächtet-Aufgaben. Htz» Zmei Preis-Rächfel. Von 0. in R. I. Deutsche» Kogogrygh. (Aus der jüdischen Litteraturgeschichte.) Drei Männer Iuda's, weltberühmt, Nennen meine deutschen Zeichen; Stellt diese man, wie fich's geziemt, Selten trifft man ihresgleichen. Den ersten, zubenannt der Weise, Wend' und Häng' ein Zeichen an; In Iuda's heil'gem Sängerkreise Der Zweit' die Herzen einst gewann. Und willst Du auch den Dritten kennen^ Der beid' an Ruhm fast übertroffen? Des ersten Zeichen ihn bald nennen, Rasch ist die Lösung auch getroffen. LI. HebrAsche» Homonym. Ihr Gatte war Monarch, Sein Oheim Patriarch. So steht's im heil'gen Buche Geh' hin und suche. Wer bis zum S8. d. Mts. die richtige Lösung des einen oder anderen dieser 2 Räthsel einsendet, participirt an der Verloosung von je 3 Prämienbüchlein. Auflösung der Ralhsel in vor. Ur i. L SEM A M © R A P 0 M P E J J ANTJOCHUS LE OPÖLDZUn 8YNEDRJUM LUZZATO TRUHE JO z II. Stiftshütte. (Stift — s — Hütte.) III. D3 (Bathseba.) (Unter Andern von der 1. Kl. der Religionsschule in Bernburg, richtig gelöst.) Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.