Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 6 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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24 — Znr Geschichte der Familie Meyerbeer. Von Max Weinberg. „Fräulein Antoinette von Mantalban, während vieler Jahre die treue Freundin der Amalie Beer, der Mutter von Wilhelm, Michael und Meyer Beer (Meyerbeer) und von der damaligen Gesellschaft des alten Berlin hoch verehrt, ist im Alter von 94 Jahren hier gestorben. „So berichteten vor wenigen Wochen die Berliner Blätter." Die treue Freundin der Amalie Beer!" Ja, das ist's weshalb ich an dieser Stelle hierauf zurückkomme. Wie Viele, wissen aber denn heute noch, welches schöne Compliment in diesem Prädikate liegt und wer läßt es heute noch als solches gelten? Die Organe des Herrn Stöcker und seines Anhangs bis ins Herz unserer National-Liberalen hinein darf man doch gewiß nicht darnach fragen. Und doch liegt das schönste Compliment in diesem biographischen Piuselstrich, gleich ehrend für die eine wie für die andere. Eines edlen, trefflichen Menschen Freund sein, heißt eigenen großen Werth besitzen, und Amalie Beer zählte unter den trefflichen Frauen des alten Berlin in der Vorderreihe, das wird ihr von den Humboldt's, von Varnhagen, von Holtey und vielen edlen Männern ihrer Zeit vollauf bezeugt, und Tausende Derer, denen sie geholfen und aufgeholfen, haben darin eingestimmt. Sie verdient es daher wohl, wenn wir aus dem Tode des Fräulein von Montalban Veranlossung nehmen, ihr und ihres Hauses Andenken hierein wenig wieder aufzufrischen. War sie doch die Mutter dreier berühmter Söhne, deren Einfluß auf die geistige Entwicklung ihrer Kinder nachgewiesenermaßen ein besonders großer war, und wie wir sie an der Seite ihres gleichfalls braven Gatten inmitten ihrer berühmten Söhne schlicht und einfach in der Familiengruft aus dem jüdischen Friedhofe vor dem Schönhauser Thor in Berlin sehen, so war sie auch im Leben deren Mittelpunkt und ihrer Aller Stolz und Freude. Amalie Beer war die Gattin Jacob Herz Beer's, der, am 10. Juni 1769 in Frankfurt a. O. geboren, zu Anfang dieses Jahrhunderts in Berlin eine Zuckersiederei gründete. _ (Schluß folgt.) Kesefriichte. V-n M. W. 1. Friedrich Kreissig sagt in seinen Vorlesungen über den deutschen Roman der Gegenwart: „Veitel Jtzig, Schmeie Tinkeles, Löbel Pinkus, Ehrenthal und die schöne kokette Rosalie, die stattliche Frau Ehrenthal mit den fetten, von Ringen strahlenden Fingern — lieber Gott, wer hätte das nicht Alles gesehen! Aber wer wäre nicht auch Zeuge gewesen und wäre nicht täglich Zeuge jener mächtigen folgenreichen Culturbewegung, die jseit einem Jahrhundert unserer nationalen Arbeit durch das jüdische Elemeni eine unermüdliche, in allen Sätteln gerechte Kraft zuführt und zuzuführen sortfährt, die in lunserer Wissenschaft, unserer Kunst, unserer Politik nicht minder, als in Handel und Gewerbe unvergängliche Denkmäler zurückgelassen, neue Bahnen gebrochen, den Charakter unseres Mittelstandes wesentlich und gewiß nicht bloß zu seinem Nachtheil umgebildet hat, und deren Wesen sich wahrlich in dein schmutzigen Schaum nicht abbildet, den sie, oft immerhin und unüstetisch genug, auf die Oberfläche des Stromes emporwirbelt und an seine Ufer absetzt! Das deutsche Judenthum bedarf in dem Zeitalter Strausbergs, Meyerbcers, Rothschilds und — des Kladderadatsch nicht mehr der Vertheidigung. Es wehrt sich von selbst. Es hat auch weder durch die Ungerechtigkeit seiner Feinde, noch durch den Idealismus seiner Freunde, weder durch Leo und die „Kreuzzeitung" noch durch Lessings „Nathan" ein Privilegium gegen begründeten Tadel und meinetwegen, wo es provocirend auftritt, gegen Spott erworben. Gleichwohl wäre „Soll und haben" uns lieber, wenn in diesem klassischen Gemälde deutschen Arbeits- und Geschäftslebms nicht so ziemlich alle Bösewichter und Narren in orientalischen Kehltönen sprächen. 2. Der nachstehende Auszug aus einem Epilog, den Robert Hamerlin g s. Z. der zweiten Auflage seines „Ahasver in Rom beigegeben hat, dürfte an dieser Stelle eine Wiedergabe verdienen: „—Es ist vollkommen wahr, was man gesagt hat, Ahasver sei in meiner Dichtung nicht, wie in der Sage, der ewige Jude, sondern der ewige Mensch. Aber ich denke, mit dem ewigen Juden, weiß das Epos nichts anzufangen; nur den ewigen Menschen kann es brauchen. Es ist nicht ganz unmöglich, daß die so überaus lebenskräftige jüdische Race alle anderen Racen überdauert; aber so lange dies Schicksal sich nicht erfüllt, so lange die Angehörigen der übrigen Racen noch in der Mehrzahl sind, kann die Unzerstörbarkeit des Judenthums nicht eine so allgemeine, reinmenschliche und welthistorische Bedeutung haben, daß ein nichtjüdischer Dichter es wagen dürfte, sie in einem Epos zu verherrlichen. Selbst wenn der Epiker das Judenthum des Ahasver sich allmählich zum reinen Menschenthuin läutern ließe, so hatte er damit noch immer nur ein Werk von mehr jüdisch-nationalem, als allgemeinem Interesse geschaffen, denn nicht für die gesammte Menschheit ist das Judenthum Ausgangspunkt der Entwickelung." Milchet Ausgaben. j I. 3nl)lcti-£5iitl|fcl. Von M. Lipschitz in Könitz. An Stelle der Zahlen sind Buchstaben zu fetzen. Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe ergeben dasselbe Wort. Die Zahlenreihen bedeuten: 10 1. Einen Buchstaben. 5 7 9 2. Einen bibl. Eigennamen. 19 118 1 3. Eine i. Alterthuni zerstörte Stadt. 15 11 9 15 7 13 13 4. Eine Stadt in Italien. 1 3 12 13 11 2 14 4 5 5. Einen König von Syrien. 10 7 11 15 11 10 6 16 4 3 16 6. Einen berühmten jüd. Gelehrten. 5 17 3 7 6 8 13 4 9 7. Oberster Gerichtshof in Palästina. 10 4 16 16 1 12 11 8. Einen jüd. Gelehrten Italiens. 12 8 4 14 7 9. Einen Aufbewahrungsort 13 3 3 10. Einen Nebenfluß der Donau. 16 11. Einen Buchstaben. II. Deutsches Mortrathsel. Von 0. in R. Wer auch das Kleinste nur recht klug weiß zu verbinden, Der wird im Ganzer: dann recht Großes oftmals finden, Denn aus dem Kleinen muß das Große erst erstehen, Wie wir in der Natur ja überall es sehen. Zwei Dinge sollen dies genügend Dir beweisen; Willst Du sie finden, suche nicht in hohen Kreisen. Das eine — winzig Ding — nur kopflos Dir erscheinet, Und dennoch — was getrennt — es stets gar fest vereinet: Das and're bietet Zuflucht wohl bei Sturm und Regen, Doch birgt es trotz der Noth oft auch den reichsten Segen. Verbunden zeigt — wenn nur ein Laut hineingeschoben — Das Ganze einen Ort, wo Gott man pflegt' zu loben. HI. Hebräisches Morträthlel Von Eckmann in Nienburg. Nicht Männliches will das erste Dir nennen, Du wirst es nur als weiblich kennen Die andern beiden Silben zumal Bezeichnen uns eine heilige Zahl. Fügst Du beide Wörtchen zusammen. Eine Frau — sie setzt' einen König in Flammen. Ansiiisimg der MUM in vor. Ur. I. Adar. Gadara. II. ein (JK nichts) Hein (JH ja) Chein (sN), Schein (}tf Zahn.) Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.