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Jüdisches Familienblatt · 1886-01-01 · 5 (1886) · p. Seite 20

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1886
Issue
5 (1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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-en Systematikern der Leibniz-Wolfschen Schule, die lateinisch schrieb, schon dadurch unterschieden, daß sie die deutsche Sprache zur Anwendung brachte und deshalb auch mehr gelesen wurde. Ihr Inhalt habe hauptsächlich Psychologie, Ethik, Religionsphilosophie und Aesthetik umfaßt. Die Aesthetik sei vor Allem eine Errungenschaft dieses Zeitalters und sei durch Alexander Baumgarten als Wissenschaft beründet, von Mendelssohn aber weiter ausgebaut worden, so aß auf ihn auch die späteren Aesthetiker, darunter in erster Linie Schiller, wiederholt zurückgriffen. Auf dem Gebiete der Litteratnr hätten sich die Gegensätze des Formal- und Realprincips in Gottsched einerseits und den Schweizern Bodmer und Breitinger andererseits hervorgekehrt. Die Moralphilosophie habe überall das Bestreben gezeigt, sich von der Theologie loszureißen und die Gesetze der Moral auf menschlicher Basis, auf der sittlichen Natur des Menschen aufzubauen. Das gesammte Streben der Popularphilosophie sei darauf gerichtet gewesen, eine Anwendung der Moralprincipien auf das Leben des Einzelnen, der Gesellschaft und schließlich der Menschheit zu erzielen. Der „Humanismus" sei die höchste Idee, welche das 1 18. Jahrhundert gezeitigt. Es sei ein anderer Humanismus, als derjenige des Mittelalters, denn er wolle zum ersten Male, losgelöst von kirchlichen Elementen, einen universellen Menschlichkeitsgedanken verwirklichen. Er sei hervorgegangen aus den wissenschaftlichen Schriften der italienischen Renaissance, aus den Ideen eines Galilei, Giordano Bruno und Anderer mehr, sowie aus dem Wirken Bacon's, Rousseau'- und Montesquien's. In Deutschland seien es dann Lessing, Mendelssohn und Herder mit seinen „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" gewesen, welche den Humanismus als das höchste Ziel verfolgt hätten. Durch zwei Ereignisse, so schloß Redner seinen geistvollen Vortrag, wurde die geschilderte Zeitepoche abgeschlossen und eine neue Zeit hervorgerufen, durch die große französische Revolution von 1789 und durch das Erscheinen von Kant's Werk über die „Kritik der reinen Vernunft" im Jahre 1781. Allerlei für de« Familir«tisch. ztebrr Iah««« Iarol», erzählt Ferdinand Falkson im „Deutschen Montagsblatt" u. A.: „In religiöser Beziehung war er Freidenker bis zu den äußersten Consequenzen. Spinoza war seine hochverehrte Autorität; ihn hielt er für den größten Denker aller Zeiten; nächst ihm fesselte ihn sein großer Landsmann Emanuel Kant, von dessen kategorischem Imperativ er selbst die Verkörperung war. Jude von Geburt, obwohl von gottesdienstlichen Akten sich grundsätzlich fernhaltend, hielt er es für seine höchste Pflicht, wie für die jedes gebildeten Juden, bei den unterdrückten Genossen auszuharren, ihre Menschenrechte zu vertreten, wie er es wiederholt gethan. Er erlebte kaum noch die Anfänge des modernen Antisemitismus. Er hätte ihn nach seiner ganzen Sinnesart mit schmerzlichem Staunen als einen fast unglaublichen Rückfall in die finstersten Zeiten des Mittelalters verabscheut. Keineswegs blind gegenüber den sozialen Fehlern und Schwächen eines Theils der Juden, erÜärte er sie in seinem hohen Rechtsgefühl für die natürlichen Folgen Jahrhunderte langer Unterdrückung, die den Unterdrückern, nicht den Unterdrückten zur Last fielen. In seinen philosophischen Studien stellte er sich besonders die Aufgabe, die Ergebnisse der neueren Naturforschung für den Nachweis der materiellen Grundlage der Seelenerscheinungen zu verwerthen. Er las mir wiederholt längere Artikel einer sehr ausführlichen Arbeit über diesen Gegenstand vor. Ich weiß nicht, ob sich davon etwas in seinem litterarischen Nachlaß vorgefunden. Er drang in mich, das Leben und die Lehre des Giordano Bruno, des Vorgängers Spinoza's, in populärer Form zu bearbeiten. Mein Buch, ihm gewidmet, erschien 1846 im Verlage von Hoffmann u. Campe in Hamburg. Er hatte sehr weise, praktische Lebensregeln. Ich erinnere mich an eine, die er mir öfter citirte und für probat erklärte. Ich habe sie oft mit Nutzen angewendet. Sie lautete: „Wenn Du in Zweifel bist, ob Du etwas Bestimmtes thun sollst oder nicht, so thue es nicht!" xsLnische Logik. Ein talmudkundiger Pole, der alle reichen Juden Deutschlands zu seinen Bekannten zählte und von einem andern, der erst eine ähnliche Kunstreise antreten wollte, um Auskunft ' über den Wohlthätigkeitssinn einer reichen Glaubensgenossin in B., welche als das „reiche Gütche" (Gütchen, die Gute, gebräuchlicher weiblicher Vornamch bekannt war, ersucht wurde, erhielt von ihm folgende Auskunft, die er ihm in der bekannten Gemara-Melodie vortrug: „Alle Scheincher (Schönchen-Bella) sind mieß (häßliche und alle „Gütcher" sind beiß (bös). — Ist sie doch so mieß, sie könnte Scheinehe heißen, wie beis muß sie sein, nun sie Gütche heißt". 21 W. Airs der Schule Die kleine Anna ist in der Schule unachtsam gewesen. Als nun der Lehrer, der die Geschichte von David und Goliath erzählt hatte, sie fragte, was Goliath zu David gesagt habe, konnte sie nicht antworten. Für ihre Unachtsamkeit soll sie nun bestraft werden, zu welchem Zweck der Lehrer das wohlbekannte Instrument „0,5" in die Hand nimmt. Inzwischen hat aber eine Mitschülerin der Anna den betreffenden Satz eingeblasen, und wie eben der Lehrer zu einer „Tatze" ausholt, platzt sie mit weinerlicher Stimme heraus: „Bin ich denn ein Hund, daß du mit einem Stecken zu mir kommst?" Die Strafe ward chr für^ diesmal erlassen.- I. Dentschrs Logogryph. Von Sali Cohen in Rees o./Sch. äthsrt-Aufgnllen. Schon steh' ich vor der Thür, Ein schönes Fest stell ich in Sicht; Ein Zeichen vor und hinter mir — Wer kennt als Stadt mich nicht, Die als Kurort war bekannt Einst in uns'rer Väter Land? D. Hebräisches Kogogryph. Von 0. in B. Wer nicht hebräisch schreiben kann, Versuch's mit deutschen Zeichen; Er wird des Räthsels Lösung dann Viel leichter noch erreichen. Mit 3 hat's nimmer viel zu sagen; Mit 4 hört man's auf manche Fragen; Mit 5 steht's allen Damen gut; Mit 6 es manchmal wehe thut. Auflösung der Riithsel in »or. Nr. I. Ur, Uri, Uria, Urian. II. TPb^T (Debora, Biene). III. Steinpflaster (Estrich), glühende Kohle. Zudringlichkeit. rHä¥, Zippora, Mose's Frau. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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