Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1886
- Issue
- 3 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 — Allerlei für de« Familirutisch. ~ Arlrdrlch Wikhekm I. ««» di« B«rki««r Jod««. Bei dem jüngst beendeten Abbruch der in der Königsmauer stehenden Häuser ist der letzte Rest der um 1250 erbauten mittelalterlichen Stadtmauer mitabgerissen worden. Während die Cöllnische und der südliche Theil der Berliner Stadtmauer schon bei oder unmittelbar nach Anlegung der modernen Festungswerke durch den großen Kurfürsten beseitigt wurden, ließ man den nördlichen Theil der Berliner Mauer vom Spandauer bis Georgen- (Königs-) Thor stehen und benutzte sie als Hinterwand für die auf beiden Seiten derselben erbauten, zu Quartieren für die Berliner Garnison bestimmten Baracken. Zwischen den Soldaten quartieren entstanden nach und nach höhere Privathäuser, welche ihre Rückwand auf die alte Stadtmauer aufsetzten und inj denen sich diese bis in unsere Tage hinein erhalten konnte. Es bildete sich so allmählich eine förmliche Straße, welche auf den ältesten Plänen Mauergasse, dann im 18. Jahrhundert nach dem Königsthor „An der Königsmauer" genannt wurde. Als 1737 die Baracken für die bedeutend verstärkte Garnison nicht mehr ausreichten und man nicht wußte, wo dieselbe unterzubringen sei, löste Friedrich Wilhelm I. diese Schwierigkeit, indem er einfach verfügte, daß „sogleich, ohne zu raisonniren, alle Juden, welche sich in Berlin aufhielten und kein eigenes Haus hätten, sondern zu Miethe wohnten, in die Baracken ziehen, die Soldaten dagegen die Quartiere einnebmen sollten, welche die Juden bisher inne gehabt hätten." Obwohl die Juden hiergegen eine Eingabe einreichten, mußten sie sich dem wiederholten Bescheide: „Es bleibt bei der Ordre" fügen und ihre Wohnungen gegen die Barocken vertauschen. Erst Friedrich der Große erlaubte unmittelbar nach seiner Thronbesteigung in einer seiner ersten Kabinetsordres den Juden ihre alten Wohnungen wieder zu beziehen. Mußten somit auch die Soldaten zunächst in ihre Baracken zurückkehren, so blieben sie doch nur kurze Zeit darin, da der Ausbruch der Schlesischen Kriege sie bald auf lange Zeit von Berlin entfernte. Rach dem Frieden wurden sie in die inzwischen erbauten, zum Theil noch stehenden Kasernen verlegt. MendeLsahniana. Mendelssohn wurde, wie bekannt, von den Orthodoxen seiner Zeit als Neologe verschrien. Dies suchte eine schlichte jüd. Frau zu ihrem Vortheil zu benutzen. Sie brachte ihm ihren Sohn zum Unterricht und glaubte eher auf die Erfüllung ihrer Bitte rechnen zu dürfen, wenn sie hinzufügte: „Nehmen Sie sich des Jungen an, trefenen Käs kann er schon essen." B. Unwisserrhrtt oder Absicht? Unter die Bittschrift Moses Mendelssohns an Friedrich den Großen um das Schutzbriefprivilcgium, vom 12. Juli 1763, hatte der Marquis d'Argens (Katholik) bekanntlich die Worte geschrieben: Hu philosophe mauvais catholique supplie un philosophe mauvais Protestant de donner le privil&ge a un philosophe mauvais juif, d. h. ein schlecht-katholischer Philosoph bittet einen schlecht-protestantischen Philosophen, das „Privileg" einem schlechtjüdischen Philosophen zu gewähren. Die „Jüd. Pr." erzählt dieses Geschichtchen in ihrer Nr. 1 „Aus Mendelssohns Leben", wie aber übersetzt sie die französischen Worte? Man höre und staune: „Ein ungläubiger katholischer Philosoph bittet einen ungläubigen protestantischen Philosophen für einen strerrggkärrvigeu jüdischen Philosophen".!!! Girr Schreibfehler? Anläßlich der Mendelssohn-Feier erzählt der Redacteur einer Wiener israelit. Zeitung, daß er Ohrenzeuge war, wie der verstorbene Oberrabbiner Schreiber aus Krakau folgende Aeußerung gethan habe: „Ich weiß nicht, warum die Orthodoxen sich gegen Mendelssohn so kühl verhalten. Wir Menschen können ja nur nach den Thaten urtheilen und Niemand kann doch behaupten, daß Mendelssohn in seiner Lebensweise auch nur im Mindesten vom Boden der Religion abgewichen sei." Als einer seiner nächsten Verwandten den Rabbiner darauf aufmerksam machte, daß sein eigener Vater, der selige Preßburger Rabbiner, in seinem Testamente geschrieben habe: T irfawi ,TÖ n nsoai, d. h. die Werke des R. Moses Dessau berührt nicht; da erwiderte er: Der Abschreiber des Testamentes hat hier einen Fehler begangen Mein Vater wollte vor dem Lesen der Romane, welche die Sinne reizen,, warnen und schrieb: oi N!2N '"ILD21 ---T« [ Rätlzset-Ausgabe«. I. Deutsche Mortrathsel. Von Eck mann-Nienburg. Bist Du's noch nicht, mein Leser, Ich wünsch' Du mögst es werden. Und lang mit Ehren tragen Den Namen hier auf Erden. Setz' einen Laut hinzu, 'ne Speise findest Du. Den Kopf dann ab: ein Name Für Mädchen oder Dame. II. Scherzfrage Von demselben. Welches Wort im Gebetbuche liest sich am leichtesten? irr. Hebräisches Doppel-z-gogrqxh^ Von 6. in R. Den Anfang mach' zum Ende Und aus der Frau wird gleich ein Mann; Das End' setze vorn behende, Der Mann wird gleich zum Weibe dann. Um sicher doch zu gehen, Geb' ich zugleich Dir noch den Rath, Genau darauf zu sehen, Daß Mann und Frau sie in der That. Auflösung der Rüthsel in vor. Ur. I. Mikroskop Elischah § Nachbi 2 Daniel & n. Bamberger (Reichstagsmitglied). L. Llanos £ HL werde vermehren" 1. B. M. 22,17.) Z Serajewo Z („Heuschrecken") 2 B. M. 10,4. £ Satrap g » Obadjah » Henrici Ninive IV. Q 2 n v & i -> D 1. Ö2 2. üTp Auflösung des Ureis-Rälhsels i« Ur. 1. Wrangel, Frankel. Richtige Auflösungen sandten ein: Lehrer Driesen in Tauberbischofsheim. Lehrer M. Adam in Schroda. S. Leffmann in Aachen. Sylvins Pick in Beuthen O.-Schl. Saul Katz in Posen. Sali Cohen in Rees. Johanna Cohn in Aatonienhütte. Anna Kahlberg in Uslar. Martin, Berthold und Alfred Haase in Posen. A. Hämel in Winzig. Das Loos entschied die Preise für: o 1. Saul Kaatz in Posen. . - 2. Anna Kahlberg in Uslar. Verantwortlicher Redacteur vr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.