Mannheim
Compact Memory

Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9572329-9573323-9572482--174-9572510
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ihm, ginge es nach Fähigkeit bei uns, eine Bibliothekarstelle auch dann sicher wäre, hätte er nicht durch einen Aufsatz über mich in Nr. 8 des „Jüdischen Wochenblattes* — das Tiefste, Verständnisvollste und Feinste, was, seit sechs Jahren, über mich gedruckt wurde (laßt es Euch vom Verlag: Frankfurt a. M., Kettenhofweg 26, kommen) -— dargetan, daß er auch den Qeist deutscher Sprache und deutschjüdischer Gemeindeverwaltung in erstaunlichem Maße in sich aufgenommen hat. Neugieriger. Ob dem Kampf, den ich hier führe, der Erfolg beschieden ist? Ich hatte, in Heft 1, nur angedeutet, das „Israelitische Familienblatt" gebe private Ankündigungen gegen Bezahlung als redaktionellen Teil aus. Nun hatte ich nie damit gerechnet, die Hamburger Heiratsplantage werde der liebg wordenen Betätigung, bezahlte Privatmeinung dem Text einzuschmuggeln, abhold werden. D*ß sie ab r jetzt, am Kopf der Seite, dm wahren Sachverhalt einräumt, ist ein Gewinn, den wir nicht unterschätzen wollen. Du fragst dann noch, warum ihr Leitartikel in Nr. 6 gegen das bevorstehende bayrische Schächtverbot wettert. Nun, zu keinem andern Zweck natürlich, als damit das Wildpret, zu dem sie „Sauerkraut in Wein" empfehlen (Seite 13), koscher geschlachtet werden kann. Sozialist. Du fragst mich, ob der Berliner Oberrepräsentant Dein Gesinnungsgenosse sei. Bin ich recht unterrichtet, gehört er der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands an. Daß das eine mit dem andern nicht zusammenzuhängen braucht, läßt sich leider durch viele Beispiele belegen. Dein Sonderfall betont seine sozialistische Grundlage besonders laut. Also freue dich! Denn es gab eine Zeit, da waren vie'e Leute noch nicht Sozialdemokraten — und es erhöhte ihre Behaglichkeit. Damals ging Dein Obergenosse ernstlich damit um, die „Jüdische Reichspartei" zu gründen, mit dem ausgesprochenen Zweck, die Juden den konservativen Parteien zuzuführen. Daß es ihm nicht gelang, die deutschen Juden denen zuzugesehen, die Dich roten Lump und Landverräter schimpfen, ist kaum seine Schuld und sicher nur Zufall. Manchem deutschen Juden würden Tränen die Wange netzen, beugte sich Oldenburg, der Janusch*ute, ihm zum Bruderkuß. Gott ar>er lächelt mehr über einen reuigen Sünder, denn über zehn Gerechte und hundert Selbstgerechte. Max Feibelsohn. Sie schreiben mir: „Moritz Rosenthal hat in Nummer 2 mit seinen „Glossen zum Etat der Berliner Gemeinde" den Nagel auf den Kopf getroffen. Dr. Ellenbogen, als Personaldezernent, hat in der Tat dem Steuerbüro nur 30 Kräfte zubilligen wollen. Moritz Rosenthal aber, der als Mitglied des Gemeindevorstandes gegen alle frühere Gepflogenheit selbst Personalchef war, ist derjenige, der mit harter Faust und unbarmherzig den Abbau der vielen Familienväter und Ernährer eingeführt hat. Wie das gemacht wurde? Ein Beamter, 18 Jahre im Dienst der Gemeinde, wird in den Ruhestand versetzt, obwohl er erst 40 Jahre alt war. Er klagt, weil er sich benachteiligt fühlt, gegen die Gemeinde. Und was tut Rosenthal, um ihn vergleichsbereit zu machen? Er kündigt ihm auch die Chorstelle, weil „Menschen, welche die Gemeinde verklagen, nicht bei ihr beschäftigt werden". Also nicht nur Ellenbogen, auch Rosenthal mag sich an die Brust schlagen, angesichts des unheilvollen Einflusses auf die Beamtenpolitik, den er als Gemeindevorsteher ausgeübt hat." Und nun hat Moritz Rosenthal wieder das Wort. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet Verantwortlich: Dr. Botho Laserstein, Berlin N 4, Chausseestr. 116 — Druck, Verlag und Anzeigenannahme: Gebrüder Rülf, Berlin SW68, Alexandrinenstr. 110 — Postscheck- Konto: Berlin 78642 — Telephon: Dönhoff 1174 u. 4403

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.