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Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. Seite 146

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 146 (sequence 22)
Language
German
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mit den Schlächtern Denikin und Koltschak, regelrechte Verbindungen unterhält: der Fall der russischen Zionisten. Erst die soziale Befreiung des Erdballs wird auch der nationalen Versklavung ein Ende machen, da das Lebensinteresse der Arbeiterschaft die Liquidierung jeder Art von Sklaverei, auch der nationalen, erheischt. Im Anschluß an die proletarische Front, die seit langem den Feldzug gegen die Imperialisten führt, werden die unterdrückten Nationalitäten ihr Ziel erreichen. Des sind wir gewiß: Bei der kommenden Schlußabrechnung dei quer durch alle Rassen und Nationen geschichteten Klasse der Ausgesaugten mit der der Aussauger wird auch über die Zionisten Gericht gehalten, die ihr Erstgeburtsrecht der Teilnahme am Kampf gegen die Weltverbrecher eintauschten für das Linsengericht eines Bündnisses mit ihnen. Heute noch schwimmen sie oben. Morgen aber, wenn die Wogen der kolonialen Freiheitsbewegung über den Imperialisten und ihren Schützlingen zusammenschlagen...? Bei Philippi sehen wir uns wieder. Zur Naturgeschichte der jüdischen Zeitungen von Erwin Fliederbusch Mein Freund N. hat einen der in letzter Zeit an manchen Universitäten eingerichteten Hochschulkurse zur Heranbildung von Journalisten besucht. In meiner Hochschulzeit hatte es so etwas nicht gegeben, und ich leide daher trotz mannigfacher Erfolge in der journalistischen Praxis an theoretisch-wissenschaftlichen Minderwertigkeitsgefühlen. Ich suche daher von der Ueberlegenheit meines Freundes etwas zu profitieren und verwickle ihn hinterlistig bei allen sich bietenden Gelegenheiten in einen Diskurs über journalistische Angelegenheiten. Vor kurzem kamen wir ins Gespräch über das j ü d i s c Ii e Pressewesen in Deutschland. Ich wollte N.s Urteil über die wichtigsten Erzeugnisse dieses Gebietes ausholen —■ natürlich nicht vom Standpunkte politischer Sympathie sondern von dem der voraussetzungs- und vorurteilsfreien Wissenschaft. N. besann sich ganz kurz, dann meinte er, am besten gefielen ihm die „Mitteilungen" der nationaldeutschen Juden. Obwohl mir N. äußerste Objektivität versprochen hatte, überraschte mich diese Entscheidung sehr, denn es war kein Geheimnis, daß er mit den Zionisten sympathisiert. Ich drang daher auf Begründung dieses Urteils. „Mit Vergnügen!" sagte N. zynisch, „dieses Blatt zeichnet sich vor allen anderen jüdischen Kampfblättern dadurch aus, daß es — bloß einmal im Monat erscheint." Da N. einen funkelnagelneuen Schlips aus reiner Seide trug, den ich ihm hätte ersetzen müssen, unterdrückte ich mit Aufgebot aller Energie meine Begierde, ihm an die Gurgel zu fahren und begnügte mich scheinheilig mit der Bemerkung, daß dann sein politisches Leibblatt, die „Jüdische Rundscha u", die ich verräterisch aus seiner Tasche lugen sah, die schlechteste Zensur verdiene, da sie zweimal wöchentlich herauskomme. N. zeigte sich aber gar nicht überrumpelt, sondern stimmte mit heiterer Gelassenheit zu. Die „Jüdische Rundschau", meinte er, leide daran, daß sie über ihren Surrogat - Charakter nicht hinwegkomme. 146

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