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Die Jüdische Gemeinde · 1927-03-15 · 5 (15.3.1927) · p. Seite 125

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
5 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 125 (sequence 3)
Language
German
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Die Jüdische Gemeinde / Berlin, 15. Marx 1927 / I. Jahrg., Heft 5 DaS jÜdlSChe Problem von Kurt Walter Goldschmidt Ist es nicht eigentlich anmaßlich, einem tausendfach erschöpften Problem noch irgendwie persönlich und sachlich neue Seiten abgewinnen zu wollen? Aber es liegt im Wesen der echten Probleme, daß sie sich überhaupt nicht endgültig erschöpfen lassen — daß sie dem tiefer dringenden Betrachter immer wieder neue Gründe und Abgründe erschließen. Vieles bleibt immer noch trotz — nein: wegen der tausendfältigen Diskussion zu klären: es ist ja eine alte Erfahrung, daß gerade im Gegeneinander der Einseitigkeiten die Begriffe sich mehr verwirren als klären . . . Ein synthetischer Blick aus der Höhe ist nötig, der das Bedingte, Teilwertlge der Einzelmeinungen ins Positive des Gesamtbildes zusammenfaßt. Ist um so nötiger, als in diesem relativistisch zerrissenen Zeitalter stets extrem und erbittert Temperament gegen Temperament, Wertung gegen Wertung steht. Aber erst unter einer außerordentlichen Vielheit der Gesichtspunkte wird dieses von Widersprüchen starrende Problem durchsichtig und „lösbar" —1 soweit eine rationale Lösbarkeit von Problemen überhaupt denkbar ist . . . Man muß zunächst jeder wirklichen Einheit, Geschlossenheit, Ehrlichkeit des Wollens und Denkens die gebührende Achtung bezeugen. Ueberzeugte Orthodoxe, überzeugte Zionisten, überzeugte Europäer, überzeugte Deutschfühlende und „Assimilanten" — man muß sie alle in ihrer Art würdigen und gelten lassen. Hier wie überall ist es ja so, daß die eine große Allwahrheit sich durch die Prismen der Gruppen- und Einzelwertungen bricht..... Man kann die Probe aufs Exempel machen: jede Teil- und Einzelwahrheit braucht nur verabsolutiert zu werden, um einen Rest von Unbehagen und Ungenügen zu hinterlassen. Zionistische Gesinnung und Betätigung z. B. ist gewiß aller Ehren und Sympathieen wert und einem gewissen, lau-fragwürdigen „Assimilantentum" bei weitem vorzuziehen; auch ist dieser jüdische Nationalismus um so notwendiger, als er — zum guten Teil aus Verzweiflung, Notwehr und beginnender Selbstbesinnung, Selbstachtung geboren — einem uralten, erlösenden Wunschziel zustrebt. — Dennoch: es ist Nationalismus — und auch jene andere Anschauung hat ihren tiefen Sinn und ihr gutes Recht, die das Judentum weit mehr als den ewigen Hort des Ethisch-Religiösen oder als den unter allen anderen Völkern berufenen Träger des Uebernationalen sieht. Sodaß die nationalistische Verengung als Leugnung der wesen- und sendunghaften Rassenzüge gerade als — un- und antijüdisch erscheinen könnte. — Ganz ähnlich „antinomistisch" ist es auch um das Verhältnis zu Deutschtum und Europäertum bestellt. Der weltbürgerliche Zug im modernen Juden ist rassenhaft, mindestens aber schicksalhaft tief 125

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