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Die Jüdische Gemeinde · 1927-02-15 · 4 (15.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
4 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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Urlaub geworden, statt einer aus dem öffentlichen Leben und in eine jahrelange, von tragischer Schuld lösende, ehrliche Wissenschafts- Arbeit. So muß noch einmal hier stehen, was von dem Meisl durch Lazarus Goldschmidt erwiesen wurde. 1. Dr. Josef Meisl hat als eigenes Geistesprodukt ausgegeben, was er aus anderen Büchern abgeschrieben hat. 2. Dr. Josef Meisl zitiert, um dies zu verdecken, QueSlenbücher an Stellen, zu denen sie nicht gehören. 3. Dr. Josef Meisl hat sein Buch unter Benutzung eines wohl vom Schwiegervater ererbten Zettelkastens zusammengeschrieben, obwohl er mit langjährigen Quellenstudien protzt. 4. Dr. Josef Meisl beherrscht nicht das rabbinische Hebräisch, um die Quellen lesen zu können. Es finden sich in seinem Buch zahllose Mißverständnisse, die ihn zu einer völlig falschen und unsinnigen Darstellung der Geschichte der Ostjuden führen. Sein Buch ist darum wertlos. 5. Dr. Josef Meisl bespricht wiederholt Gegenstände an mehreren Steilen des Buches mit fast den gleichen Worten, was die Systemlosigkeit des Buches erweist. 6. Dr. Josef Meisl unterläuft dabei einige Male auch das Mißgeschick, daß er über den gleichen Gegenstand und den gleichen Autor an verschiedenen Stellen des Buches einander widersprechende Werturteile abgibt. 7. (Man muß pedantisch weiterzählen, um keine dieser literarischen Sudeleien zu übersehen.) Dr. Josef Meisl hat den größten Teil seiner Literaturnachweise gefälscht: er zitiert Bücher, die es nicht gibt, erdichtet Seitenzahlen und schiebt Autoren Ansichten unter, deren Gegenteil sie ausgesprochen haben. Ist's genug? Orthodoxen und liberalen Zeitungen reichte der Tatbestand, der die literarische Ehrlosigkeit des Generalsekretärs der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands erwies. Meisl selbst hat durch einen Freund mitteilen lassen, wenn sein Tun offenbar werde, sei er als Wissenschaftler und Mensch vernichtet. Das trifft; denn unabsehbar ist, wessen man sich im bürgerlichen und gemeindlichen Leben von einem \ Menschen und Beamten zu versehen hat, dem durch Jahre gelungen ist, vor einer ganzen Welt von Gelehrten seine literarischen Fälschungen geheimzuhalten. Wäre Meisl Staatsbeamter, er würde sofort seines Amtes enthoben, weil er, im Sinne der Beamtengesetze, „durch sein Verhalten außer dem Amte des Ansehens und des Vertrauens sich unwürdig zeigt, welche sein Amt erfordert.11 Eben das bestimmt auch § 55 Eures Statuts. Der ist Euch offenbar unbekannt Denn keinen Tag länger würdet Ihr, die Vertreter der Berliner Gemeinde, sonst wohl Beamte beschäftigen, die, wie Euer Generalsekretär Dr. Josef Meisl, sich eines so schweren Vergehens wider die Sittlichkeit schuldig gemacht haben. Nicht eine Stunde mehr dem wissenschaftlich Disqualifizierten den Auftrag belassen, das in hebräischer Sprache geschriebene Gemeindebuch, den Pinkas, herauszugeben, der wertvolles Material über die Geschichte dieser Gemeinde an das Licht der Öffentlichkeit bringen soll. Oder haltet Ihr Euern Meisl noch immer für sauber genug, dem Beamtenkörper einer Religionsgemeinde anzugehören, die auf der Ethik des Judentums beruht? Was aber reicht dann aus, um jemanden bei Euch Vorstehern unmöglich zu machen? Und welche Kleinigkeit fehlt dazu bei dem Literaturfälscher Meisl? Mir dämmert eine alt-arabische Legende: ,Der Apotheker sagt zu dem Provisor: „Daß Du meine Ladenkasse bestohlen hast will ich Dir verzeihen; daß Du mein Dienstmädchen verführt hast, will ich Dir verzeihen; daß Du meine Ehe gebrochen hast, will ich Dir verzeihen; daß Du meine Tochter genotzüchtigt hast, will ich Dir verzeihen; wenn jetzt aber noch das Geringste vorkommt fliegst Du raus!4 Wir aber harren — des Geringsten, versteht sich. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet Verantwortlich: Dr. Botho Laserstein, Berlin N 4, Chausseestr. 116 — Druck, Verlag und Anzeigenannahme: Gebrüder Rülf, Berlin SW68, Alexandrinenstr. 110 — Postscheck- Konto: Berlin 78642 — Telephon: Dönhoff 1174 u. 4403

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