Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 4 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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den zu stellen und auf blutgedüngtem Boden das Reich der Verständigung zu bauen. Und ihr, ihr werdet ihnen vielleicht auf dem Donnershaugk, dem Hügel Donar-Thors bei Oberhof, oder anderswo einen Ehrenhain errichten, und wo einst heidnische Altgermanen ihren Göttern geopfert haben, wird weihend der Rabbiner mit dem Pfarrer gehen. Doch nicht das kümmert uns, die wir die Würde der jüdischen Religion nicht gegen ihre berufenen Vertreter zu wahren haben. Was uns auf den Plan ruft, weswegen meine pazifistischen Freunde den „Reichsbund" auch weiter scharf beobachten werden, ist dies. Die Jungmädchenromantik, mit der sie, kaum zehn Jahre nach dieser seelischen Schande, diesen Krieg umgeben. Diese freundlichen Pessachbilder in ihrer Zeitschrift „Der Schild", die der Jugend das wahre Antlitz des Krieges verschleiern. Die Sucht nach militärischer Geltung, die sie noch für den Militarismus der von fast allen Zionisten abgelehnten jüdischen Legion in Palästina eintreten läßt. Ihr Kampf gegen unser Friedensideal. Diese gegenseitige Lobhudelei ihrer Tapferkeit. Und nicht zuletzt diese unsäglichen Kriegervereinshistörchen, die ihren „Schild" füllen. Ihr seid kein Krieger verein? Ihr habt auch Pazifisten in eurem Bunde? 0, wir wissen um diese Vereine, die keine Kriegervereine sind. Um den „Stahlhelm", der die sportliche Ertüchtigung der Jugend erstrebt und den neuen Krieg meint. Um alle die Verbände, bei denen man nicht sieht, was sie im Schild führen. Gewiß, dazu gehört ihr nicht. Doch wozu die Spielerei mit den zwei Flugzeugen? Zum Sporttreiben bedarf es keines Frontbundes. Zur Abwehr genügt der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Und in England hat man die „Jewish Peace Society" begründet. Wir kennen auch alle diese jüdischen Pazifisten. Die ihre Kinder im Geiste des Krieges erziehen. Die in öffentlicher Versammlung den „matten Pazifismus ablehnen". Die sich gar nicht genug auf ihre Militärpapiere tun können. Die gejubelt haben, als die feige Soldateska die Prachtmenschen Liebknecht und Luxemburg „umgelegt" hatte. Die sich hüten, jemandem von ihrem Pazifismus zu sprechen,- und nichts unternehmen, um dem neuen Menschenschlachten zu begegnen. Und die uns immer gerade dann in den Rücken fallen, wenn wir zur Tat schreiten. Sie glauben, sich damit die Achtung ihrer Feinde erworben zu haben. Geist jener Ghettojuden, die stolz waren, wenn die Knechter ihrer Brüder zu ihnen „mein lieber Hofjude" sagten! Bei diesen reichts's noch nicht einmal zu Mrotschener Kultuspolitik. Sie spielen gegen Pazifisten den Reichskriegerbund „Kyffhäuser" aus. Sie sind ja nur die Vollstrecker des antisemitischen Willens, wenn sie zunächst die infamieren, auf die das werktätige Volk hört, und die mehr zur Aufklärung getan haben als der ganze „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten". Denn diese Antisemiten sind viel zu klug, m