Die Jüdische Gemeinde
- Journal
- Die Jüdische Gemeinde
- Volume
- 1. Jahrgang = 1926-1927
- Issue
- 4 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jüdische Gemeinde / Berlin, SS. Februar 1927 / 1. Jahrg., Heft i Frontsoldat und Friedenskämpfer Immer wenn heut deutsche Nationalisten vor Dummheit nicht wissen, welche sie anstellen sollen, dann zischt gespenstisch durch die Luft ein lustig-buntes Feuerwerk von Millionen Geldscheinenwir vermeinen eben noch ob unsern Köpfen die Beine rascheln zu hören, aus denen die Rakete gepreßt wurde, da hat es sich schon auf dem Erdboden materialisiert und liegt vor uns als ein häßliches Steingerümpel oder als von der Ausgeburt einer gärtnerischen Phantasielosigkeit zur Unnatur verurteilter Wald. Rund herum steht, bunt belappt oder feierlich befrackt, und alle mit einer großen Klempnerei vor der Brust, eine Schar betulicher Männlein, die sich in der Sonne ihrer Wichtigkeit strahlen. Und bald können wir sie einzeln unterscheiden, die hier den Zeigefinger Gottes zur Rache umbiegen: den Stahlhelm und den Wiking, den Jungdo und den Bismarck, den Kyffhäuser und den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Und der Hofprediger Vogel und der Rabbiner Weiße ist auch da (dreiundreißig Jahre hat er für Frieden und Einheit in der Gemeinde gewirkt). Zwar hat selbst das hochkapitalistische Handelskartell Groß- Hamburg erklärt, solange noch eine einzige Kriegerwitwe hungernd hocke, eine Kriegswaise in Lumpen friere, ein deutscher Kriegsteilnehmer von Wunden zerfressen gehe, so lange dürfe nicht gesprochen werden von einer anderen Ehrung unserer Kriegstoten als der, ihren Nachfahren das Leben zu sichern: wenn in nichts anderem, wenn sie längst Monarchie und Anti-Thoiry preisgegeben haben, in der Erhaltung des schändlichen Gedankens, am Rande eines Reichsehrenmals die Lebenden verrecken zu lassen, sind sie einig, einig, einig. Einig noch mit jenen Frontjuden, die sie allwochentäglich am liebsten verbrennen möchten, und die darum selbst allsonntäglich hingehen, die Synagogen mit nationalistischem Bramarbas erfüllen und die noch immer, scheint's, allzureichlichen Steuereingänge der Gemeinden in kitschigen Stein graben. * * * Warum stört ihr unsere Kreise, wenn wir unsere Toten ehren wollen? Fast flehentlich wird man das von jüdischen Frontbündlern gefragt, wenn man solche Ansicht äußert. Und weil es einem leid tun kann, wollen wir sie trösten. Wir werden den „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" nicht hindern, seine Toten zu ehren, die genau so die unsern sind. Jeder macht das, so gut er es eben versteht. Wir, indem wir die Lehren aus ihrem Tode gezogen und auf das Grab einer blühenden Jugend geschworen haben, unser ganzes Sein gegen die Wiederholung dieses wahnwitzigen Gemetzels, gegen einen neuen Mißbrauch der Lebenl;3