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Die Jüdische Gemeinde · 1927-01-15 · 3 (15.1.1927) · p. Seite 72

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
3 (15.1.1927)
Date
1927-01-15
Page
Seite 72 (sequence 14)
Language
German
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auf. So wie Gott „von Ewigkeit zu Ewigkeit" ist, genau so ist es auch von seinen Worten und seinen Satzungen gesagt. „Das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit." (Jeremia 40, 8.) Aus dem „ewigen Gesetze" (u. a. Exodus 12, 14), diesem „ewigen Wege" (Psalm 139, 24), spricht zu uns Menschen Sein vom Sein des Ewigen, Leben von seinem Leben, Wesen von seinem Wesen. Gott finden bedeutet darum Anteil haben an seinem Wesen. Gotterkenntnis ist nichts andres als die Durchdrungenheit von der ewigen Notv/endigkeit des Gebotes. Der ewig suchende Mensch, der da strebt nach der Erfüllung des Gotteswortes, ohne je am Ende zu sein, ihm ist Gott am fernsten, aber zugleich auch am nächsten. Er ist der Suchende, der da strebt nach dem Unerreichbaren seines Lebens, aber er ist dabei zugleich der Findende, der das, was von diesem Unerreichbaren erreichbar ist, an sich erfährt. Suchen und Finden gehören daher zusammen. „Du wirst Gott finden, wenn du ihn suchen wirst." (Deuteron. 4, 29.) In einen Zwiespalt ist der Mensch hineingestellt. Er sucht nach dem letzten Ende, der letzten Wurzel, dem letzten Ursprung, sucht nach dem Angesicht Gottes. Aber er findet nur ein Schattenhaftes, Schemenhaftes von ihm. Dies hat die Bibel als das Hintere, als die Rückseite Gottes bezeichnet. Sie zu schauen, ist dem Menschen gegeben. Das war denn auch die Gottesschau, die Mose an sich erfuhr. „Meine Rückseite kannst du schauen, aber mein Angesicht kann nicht gesehen werden." (Exod. 33, 23.) In der Ueberwindung dieses Zwiespaltes von Wollen und Können, von Notwendigkeit und Unmöglichkeit findet alles Gottvertrauen, aller Gottesglaube seine Begründung. Gottvertrauen bedeutet so ein Dennoch. Der Mensch, der auf Gott vertraut, er ist derjenige, welcher die Kraft des Dennoch in sich besitzt, der dennoch nach Gott suchen und streben, dennoch das Gebot, das Wort des Ewigen erfüllen will, obgleich er das Bewußtsein, die Gewißheit in sich trägt, daß er nur bis zum Rücken, bis zum Wesen Gottes, bis zu dieser Mittelbarkeit des Gebotes, nicht aber zu Gott selbst, zu seinem Angesicht, zu seiner Unmittelbarkeit gelangen kann. In diesem Dennoch des Lebens, in diesem ewigen Streben nach dem Guten, in dieser Sehnsucht, von welcher der Mensch weiß, daß sie keine Gewährung findet, liegt der Weg zur jüdischen Frömmigkeit. Das Gebot, die Mizwa, sie wird zur Grenze zwischen der Welt des Menschen und dem Reich des Ewigen. In ihrer Erfüllung liegt der Sinn der Gottesschau. Auf der folgenden Seite finden meine Leser den Teil einer Aktion, die als letzte mit Siegfried Jacobsohn, zwei Tage vor seinem Heimgang, verabredet wurde; er ist dem toten Freunde gewidmet. 72

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