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Die Jüdische Gemeinde · 1926-12-15 · 2 (15.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
2 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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Jude. Dein ganzes Elend enthüllt diese Nachricht: „Die Königin Maria von Rumänien besuchte heute in Chicago die neuerbaute Synagoge der rumänischen Juden. Die rumänisch-jüdische Gemeinde hatte sich fast vollzählig eingefunden, um die Königin zu begrüßen. Die Königin hielt eine Ansprache an die Versammelten, in der sie erklärte, die Juden in Rumänien seien ein wichtiger und sehr geschätzter Teil der rumänischen Bevölkerung. Drei Jüdinnen, die sich in der Mitte der Versammelten befanden, erhoben laute Protestrufe dagegen, daß die Königin von Rumänien, in deren Land die Juden grausamen Verfolgungen ausgesetzt sind, von einer rumänisch-jüdischen Gemeinde begrüßt wird. Polizei schritt ein und verhaftete die Protestlerinnen." Die Königin von Rumänien, in deren Land Deine Brüder viehisch mißhandelt werden, von Dir gefeiert. Du umnebelt von den Reden der edlen Mord-Dulderin. Und die Bekämpfer dieser Schmach unter Deinem Beifall im Gefängnis. Fürwahr, es gibt eine Art jüdischer Speichelleckerei, die, Folge jahrhundertelanger Seelenknechtung, an Verworfenheit alles preußische Byzantinertum in den Schatten stellt. Julius Schlesinger, Berlin N 24, Hannoversche Straße 4. b. Böhm. Sie haben den Wunsch, die Berliner Leser dieser Zeitschrift, die deren Programm und Ziel billigen, zu vereinigen, und bitten Gleichgesinnte, sich an Sie zu wenden. Rechtsanwalt Heinrich Stern. Können Sie mir nicht einen energischen Syndikus für die Berliner Jüdische Gemeinde empfehlen? Zeitungsleser. So Dich zu wissen dürstet, wie Dein jüdischer Moniteur Dich halbwöchentlich, wöchentlich oder monatlich belügt, besuch einmal eine Sitzung deiner Repräsentanten. Ich verspreche Dir davon einige Stunden ungetrübter Heiterkeit und besten Kabarets. Und dann sieh zu, was Dein Blättchen daraus macht. Lehrreicher festzustellen: was es dem jüdischen Steuerzahler verschweigt. Wo's aus Unfähigkeit geschieht, kann man bei diesem Zustand von jüdischer Presse nicht mal etwas sagen. In Berlin geht das aber so vor sich: bei unangenehmen Beratungspunkten, etwa bei Kritik von Tschitscherin-Empfängen oder von Amtshandlungen des Ministerialdirektors Badt, wird den Berichterstattern von hoher Hand der Wunsch übermittelt, die Angelegenheit totzuschweigen. Ein solcher Wink ihrer Majestät, der Gemeindeverwaltung, ist für deren allergehorsamsten Knecht, den Schornalisten, Gebot. Und so erlebst Du das Schauspiel, daß die jederzeit fehde-bereiten Presse-Priester vom „Israelitischen Familienblatt" über „Jüdisch-liberale Zeitung" bis „Jüdische Rundschau" und zurück, wenigstens dann „in freundschaftlicher Fühlungnahme" schweigend eins sind, wenn es gilt, dicli, ihren Aushälter, über den Löffel zu halbieren. Feinschmecker. Dir haben die parlamentarischen Leckerbissen Adolf Hoffmanns, des vielverkannten Atheisten aus Religion, gemundet; Du verlangst mehr davon. Der Zwischenrufer wird, hat er nur Zeit, weitere aus den Parlamentsprotokollen für meine Leser zusammenstellen. Willst Du jetzt schon eine genußreiche Stunde mit dem ausgezeichneten Debatter verbringen, so laß Dir sein Büchlein „Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit" (im Selbstverlag, Berlin 017, Koppenstr. 6, Preis 1 M.) kommen. Du machst Dir und ihm eine Freude. Schriftsteller. Sie können, ohne die geringste religionswissenschaftliche Vorbildung, Redakteur einer jüdischen Zeitung werden. Karlchen Mießnick Besser ein toter Syndikus in der Hand als ein lebender Repräsentantenvorsteher auf dem Dach. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet Verantwortlich: Dr. Bhoto Laserstein, Berlin N 4, Chausseestr. 116 — Druck, Verlag u Anzeigenannahme: Gebrüder Rülf, Berlin SW 68, Alexandrinenstr. 110 — Postscheck- Konto: Berlin 78.^42 — Telephon: Dönhoff 1174 u. 4>3

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