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Die Jüdische Gemeinde · 1926-12-15 · 2 (15.12.1926) · p. Seite 45

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
2 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 45 (sequence 15)
Language
German
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seiner Jünger weniger dem bleichen Lampengrübler als dem braunen blanken Sportkämpfer gehören dürfte. In jedem Fall ist es ein Wagnis, die hundert Nuancen einer Bewegung in eine enge Erklärung zu pressen. Ich nehme mir also das Recht, zunächst durch ein Zitat der Definition den geeigneten Hintergrund zu schaffen. Es stammt von Karl Marx, der mehr ist als ein Parteiheiliger: Fetisch den einen, Anti-Fetisch den andern, nämlich ein zermalmender, bauender Denker, über den Mancher nur deswegen herfallen darf, weil auch sein Widersacher ihn nie las, wenn aber doch: mit kritikloser Liebe oder sturer Wut. Mein Satz von ihm lautet: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern." Das ist eine herrlich aktivistische These, und daß sie dem Buch des größten aktivistischen Zeitgenossen vorantönt, Kurt Hillers „Verwirklichung des Geistes im Staat", ist sozusagen kein Zufall. Aber die Formel fehlt immer noch. Sagen wir so: Aktivismus ist die Prüfung des Willens durch den Geist und der Kampf dieses geklärten Willens fürs Ziel, ist glühendes Denken, prophetischer Talmudismus, die Kombination und Kumulation sittlicher Sehnsucht, sinnlicher Leidenschaft, geistiger Disziplin und kampfwilliger Tüchtigkeit. War bisher (neben dem Typus des Indifferenten und des Passivisten) der aktive Mensch zerrissen in den Erkenner und den Verwirklicher, den Theoretiker und den Politiker, den Künstler und den Praktiker, so eint sich im aktivistischen Typus der Forscher mit dem Führer, der Spieler mit dem Kämpfer, der geistige Aristokrat mit dem Tribun der sozialistischen Revolution. Aktivismus heißt: mit solcher Menschen Kraft durch Entgiftung der kleinen Gegensätze, Entlarvung leerer Widersprüche ohne Vertagung der großen befreienden Auseinandersetzungen die Rückeroberung des Paradieses zu wagen. Kampf mit rationalen Mitteln, rationalem Ziel, aus irrationaler Sehnsucht, — vielleicht ist Das die Formel. 3. Instinktarme Leser könnten sich jetzt genau so schlau fühlen wie zuvor und ihrem bescheidenen Geist die Frage erlauben nach den Inhalten dieses Aktivismus. Könnten sagen: Gesinnung, Form und Schlauch kennten sie nun; aber die Ueberzeugung, das Was, den Wein — wie stünde es damit? Als wenn ein aktiver Mensch, hat er seine dunkeln Dränge einmal dem Licht des Geistes und Gewissens ausgesetzt, dann noch fehlerhafte Inhalte wählen, gewissenlose Ueberzeugungen aufnehmen, sauern Wein in seine Schläuche füllen könnte! Wer nicht Stürmer, Kämpfer, Zukünftiger, Sozialist, Liebender innerlich längst war, eh' ihm die Sentiments und Ressentiments von der Seele, die Steine vom Herzen und die Schuppen von den Augen fielen, — was hat Dem wohl seine Aufklärung groß genutzt? Für wen Erkenntnis nicht nur ein Wieder-Erkennen von Wahrheiten ist, die ihm wer weiß woher längst im Blute brannten, — wer das 45

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