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Die Jüdische Gemeinde · 1926-11-15 · 1 (15.11.1926) · p. Seite 20

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Journal
Die Jüdische Gemeinde
Volume
1. Jahrgang = 1926-1927
Issue
1 (15.11.1926)
Date
1926-11-15
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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Es ist keine Zeit zu verlieren! Wenn wir deutschen Juden uns nicht klar und deutlich allein zur deutschen Kultur bekennen und unsere Zugehörigkeit zu einer jüdischen Kulturgemeinsch&ft und jede Verbundenheit mit jüdischer palästinensischer Weltkultur als das aufzeigen, was sie ist, nämlich als Hirnspuk, werden wir unzweifelhaft selbst die Mauern aufrichten, die uns vom deutschen Volk scheiden werden. Paul Nathan hat jüngst der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, daß die Palästina-Kultur niemals eine neue Fackel für Judentum und Menschheit sein wird. Trotzdem rät er aus dem bekannten jüdischen Herzen heraus: „Abwarten und hoffen". Hoffen und Harren . . . Wir aber wollen nicht länger Narren sein und Minderwertige und mit denen zusammengehen, die uns „die Maske abreißen" wollen und uns eine lügenverstrickte Existenz vorwerfen. Das ist unserer unwürdig. Daher trete ich mit Nachdruck dafür ein, in aller Oeffentlichkeit den Trennungsstrich zu ziehen zwischen uns Deutschfühlenden und Deutschdenkenden und jenen, die eine jüdische Kulturgemeinschaft erstreben. Wir dürfen nicht länger nur den politischen Zionismus bekämpfen. Die Gefahren des Kulturzionismus sind viel größer; wir müssen sie nur klar erkennen. Robert Weltsch schreibt in Nummer 72 der „Jüdischen Rundschau": Die chauvinistische Unterstellung einer Einheit von Staat und Volk — dies ist alldeutsches Gedankengut — ist gegen das Interesse des deutschen Volkes .... Wie verkehrt und unsinnig diese Behauptung ist, beweist ein Satz aus dem im „Berliner Tageblatt" veröffentlichten Brief Wirths an Lujo Brentano wegen der Gründung jener republikanischen Union nicht der Alldeutschen, sondern von Zentrum, Demokratie und Sozialdemokratie, der Parteien, die die deutsche Verfassung geschaffen haben: Die republikanische Union soll ringen um die Festlegung und Emportragung des deutschen Volksstaates .... Nach der kühnen Behauptung Weitsche würde also die republikanische Union, die Volk und Staat als Einheit will, gegen das Interesse des deutschen Volkes verstoßen. So aber wird es in Wahrheit sein: Nur wenn auch wir Juden Kultur-Volk-Staat als Einheit bejahen, sind wir gleichberechtigte Staatsbürger. Kulturzionisten und Volksjuien werden mit Recht immer Gäste im Wirtsvolk, werden eines Tages vor dem Gesetz Ausländer sein. Glaube Und Heimat von Eugen Fuchs Ein Programm [Einmalige (gekürzte) Sondergabe] „Hie Nationaljude, hie Assimilant" ist die Losung, die von den Zionisten geprägt ist. Prüfen wir die Schlagworte. Sind die Juden eine besondere Nation (Volk, Rasse), sind wir jüdischen Deutschen jüdisch-national oder deutsch-national, sind wir Gäste im fremden Wirtsvolke, sind wir, wenn wir nicht national-jüdisch fühlen, Assimilanten? Ich habe mich über diese Schlagworte schon wiederholt geäußert. 1. Ich identifiziere die Begriffe Volk und Nation und setze diese Gemeinschaften als sozusagen natürliche in Gegensatz zum Staat, der eine rechtlich gebundene und geschlossene Gemeinschaft ist. Der Gegensatz von Staat und Nation ist also ähnlich dem Gegensatze von juristischer und natürlicher Person. Das Volk ist eine Unterart der 20

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