Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 7 (17.2.1938)
- Date
- 1938-02-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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3 »Der Jüdische Herold« 3 erhalte“ für den ״Herrscher“ der Bukowina zu singen; verschwunden sind die Frechheiten der Zuhälter und die Pestilenz in den Kellern des Parteihauses; verschwunden sind die Subventionen von jenseits der Grenzen (Deutschland); vorbei ist es mit dem Einheben von Renten und Erpressungen an den Minderheiten; vorbei ist es mit Verbrechen und Raub, mit Zertrümern von Auslagen und Fensterschei* ben, verschwunden sind die Vorstadt-Vagabunden, die sich zu Führerposten aufschwangen. Jetz herscht wieder Ordnung, Vernunft und Legalität. Das neue Regime in Rumänien und die Juden. Prag. Die Presse der gesamten fort• schrittlichen Welt gibt einmütig ihrer Genugtuung über den Entschluss des Königs Carol von Rumänien, die von ihm vor sechs Wochen ins Amt gesetzte Regierung Goga-Cuza-Micescu zu etlassen. Ausdruck und spricht die Meinung aus, dass diese Entlassung sich als sehr notwendig erwies und keinen Tag lang hinausgezögert werden konnte, weil sonst das Land admini strativ, wirtschaftlich und moralisch in die Unordnung versunken wäre, die die Atmosphäre der national-christlichen Regierung gebildet hatte. Die Meinung der Welt jst also die, dass diese Regierung in die Unordnung versunken ist, die sie selbst geschaffen hat. Bezeichnend für den Mangel an Ernst bei der abgetretenen Regierung ist die Rede Gogäs in letzten Ministerrat, in der er den plötzlichen Entschluss des Königs* die Regierung zu entlassen, als eine ״Demütigung“ bezeichnete und den Ruf ausstiess : ״Du hast gesiegt, Israel!“ (eine Abwandlung der Worte des Kaisers Julian Apostatta: ״Du hast gesiegt, Galiläer.“) Die seit zwei Tagen im Amte befindliehe neue Regierung des Patriarchen Miron Christea, deren aktivste Persönlichkeit der stellvertretende Ministerpräsident Tatarescu ist, hat noch nichts darüber verlauten lassen, dass eine Zurückziehung der antijüdischen Verordnungen ihrer national-christlichen Vorgängerin erwogen wird. Eine Reihe dieser Verordnungen, wie z. B. das Verbot der Nichtbeschäftigung weiblichen christlichen Dienstpersonals in jüdischen Haushalten, dessen Durchführung sich als unmöglich erwies und darum von Theorghe Cuza selbst verschoben wurde, enthält eine schwere Diffamierung der Juden. Andere Verordnung, wie z. B. das in den Zeitungen nicht einmal publiziert gewesene Dekret über Entlassung jüdischer Angestellter, ferner die Austreibung der Reste jüdischer Staatsbeamten und das Schänkergesetz, haben bereits viele Tausende Juden in allen Teilen Rumäniens existenzlos gemacht. Bis jetzt wurde lediglieh bekannt, dass die Regierung die Ver- Ordnung Gogas betreffend Überprüfung des Bürgerschaftsstatus der Juden in Rumänien zwar nicht aufgehoben, aber den ursprünglieh auf den 12, Februar angesetzten Termin für die Einbringung der Dokumente zum Nachweis der Staatsbürgerschaft bis zum 7. März verlängert hat. Aus all dem schliesst die Presse des Auslandes — die rumänische Inlandspresse, die streng unter Zensur steht, enthält sich der Erörterung des jüdischen Problems überhaupt, — dass die Regierung Christea- Tatarescu zwar an die Stelle der bisherigen Unsicherheit und Unordnung ein System setzen, im übrigen aber streng nationalistisch regieren will. Im Hinblick aber darauf, dass die Frage des in den internationalen Verträgen und im besonderen in dem Vertrag mit Rumänien vom 9. Dezember 1919 betreffend Schutz der jüdischen Minderheit, der von Frankreich und Italien mitunterzeichnet ist und in weichem der Schutz der Minderheitenrechte an die Integrität der neuen rumänischen Grenzen gebunden ist, gemäss der eingeschlagenen Prozedur in einer Reihe von Wochen wieder vor die Völkerbundsinstanzen zur Behandlung kommen wird, erwarten die ausenpolitischen Kreise, dass bis dahin die neue rumänische Regierung eine Formel gefunden haben wird, nach der die juridische und materielle Situation der Juden in Rumänien mit den international verankerten Verträgen in Einklang gebracht wird. BRATISLAVA. Die Kunde über die Einberufung der 3. Asifas Talmidim des Hochverehrten Nitraer Raw schelita für Schabos P. Sochor und den darauf folgendem Sonntag (12—13 März) hat im Kreise der Talmidim besondere Freude u. helle Begeisterung hervorgerufen. Sehnsuchtsvoll wird der Zeitpunkt erwartet um nach drei Jahren wieder einmal einige Tage im Kreise des innigst geliebten Rebbes, hochverehrten geistigee Führers und Wegweisers weilen zu dürfen. Ein freudiges Wiedersehen der unzähligen anhängliehen Talmidim wird erfolgen. Talmidim die das innige Bedürfnis empfinden einmal wieder aus dem unversiegbaren Borne ihres grossen Lehrers und Meisters neue und frische Kräfte für das Leben zu - 252 - »Lerne nur fleissig,« sprach er, ״Wenn Du einst gross werden wirst in der G-tteslehre, so wirst Du den Hohen, priester an Rang und würde übertreffen.“ Und Simeon lernte mit Feuereifer. Als er zum Jüngling herangewachsen war, umsasste sein heller Geist das ganze Gebiet der G-tteslehre. Dabei schwellte ein edler Ehrgeiz sein Herz. Er sah mit tiefem Kummer die schrecklichen Leiden, welche der Druck der römischen Herrschaft über Israel brachte. ״O,“ sprach er oft vor sich hin, ״könnte ich doch mein Volk befreien, könnte ich dieses furchtbare Joch brechen mit welchem die Bösewichter Juda belasten. Ha, wenn ich an der Spitze meines Volkes stünde, wenn die Trompeten zur Schlacht riefen! Herr der Heerscharen, ich würde siegen wie David oder sterben wie Schaul. Allein, wer bin ich? ein Mensch ohne Namen, ein Aufgelesener, ein Ausgestossener! Nicht darf ich träumen, an der Spitze meines Volkes zu kämpfen. Und muss es denn an der Spitze sein? O, wenn ich auch nur als der Letzte der Krieger, als der Geringste unter den Kämpfern G-ttes mein Schwert zu schwingen vermöchte gegen den Feind meines Volkes, um es zu tauchen in das Herzblut unserer Mörder und Bedrücker!, Herr der Heerscharen, wenn das Vesprechen, an das wir uns halten, erfüllt werden soll, so sende ihn bald den heissersehnten Erlöser, denn Israel ist jetzt ein Sklave, so niedrig, so verachtet, so elend, wie es noch niemals gewesen. Man will uns zwingen, Götzen zu dienen, am Sabbat zu arbeiten, der Beschneidung zu entsagen! — Wie gern möchte ich mein Volk zu Kampf und Ruhm begeistern — allein* wer wird die Stimme des Ausgestossenen, des Aufgelesenen hören wollen?“ Eines Tages kam der junge Simeon tief betrübt zu seinem Pflegevater. wWa8 itt Dir, mein Sohn?“ fragte dieser, — 249 — und glücklichen Ereigniße i der lang und heißersehnte Me8sias war erschienen. Wir müßen in unserer Erzählung um achtzehn Jahre zurückgreifen, Ein Jude, Namens Räuben, begegnete am Nachmittage des neunten Ab einem Araber. Dieser sprach zu ihm : ״Freue Dich, Judäer, in diesem Augenblick ist der Meßias geboren.“ ״In welcher Stadt?“ fragte Räuben. »In Bethlehem.« ״Wie heißt er?“ ״Menachem.“ ״Und sein Vater?“ ״Chiskijahu.“ Da verkaufte Räuben sein einziges Besitztum, seine Kuh, kaufte allerlei Dinge, die man für kleine Kinder braucht, und wanderte nach Bethlehem, um den neuen Meßias ken nen zu lernen. Als er in die Stadt kam, bot er Kinderzeug den Müttern kleiner Kinder zum Kaufe an; und sie kauften von hm. Da rief eine Frau einer vorübergehenden jungen Mutier zu : »Willst Du nicht auch etwas kaufen, für Deinen kleinen tMenachem?« י .... r ״Nein,“ antwortete die Frau, ״ich haße ihn, weil er an dem Tage geboren ist, an dem der heilige Tempel zerstört worden ist.“ ״Kaufe nur,‘ sagte Räuben, ״vielleicht wird um seine־ twillen der heilige Tempel wieder aufgebaut werden.“ ״Ich habe kein Geld,“ sagte die Mutter Menachems zaghaft. ״Ich will Dir borgen,“ sagte Räuben, ״bis ich wieder Dr. M, Lehman t *AKIBA« 60.