Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 5 (3.2.1938)
- Date
- 1938-02-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
- journal issue
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3 Neue antijüdische Verordnungen in Rumänien. Bukarest. Der Präfekt von Czernowitz, Rodu, hat eine Verordnung erlassen, dergemäss alle jüdischen Geschäfte in der Bukowina an Samstagen und jüdischen Feiertagen ihre Läden offenhalten müssen. Eine aus fünf Rabbinern bestehende Ab- Ordnung unter Führung des Landesrabbiners und früheren Senators Dr. Niemirower und des Czernowitzer Oberrabiners Dr. Mark bemühte sich um einen Empfang beim Ministerpräsidenten Goga, um ihm zu bitten, dahin zu wirken, dass diese das religiöse Gewissen der Juden äusserst bedrückende Massnahme aufgehohen werde. Goga hat aber die Delegation nicht empfangen. Die Bukarester Zeitungen vom Sonntag, 30. Januar, melden übereinstimmend, dass die Regierung eine Verordnung vorbereitet, derzufolge in Zukunft allen fremden Juden, die über keine oder nur ungenügende Geldmittel in Rumänien verfügen, das Betreten des rumänischen Bodens nicht gestattet wird. Bereits gestern wurde in Constantza 12 Juden, die über nicht genügende Geldbeträge für einen längern Aufenthalt in Rumänien verfügten, nicht gestattet, den Dampfer zu verlassen. Sie mussten mit dem nächsten Schiff zürückreisen. Ein vom Arbeitsministeriu n erlassenes Dekret lautet : Restaurants, Cafes, Bars, Salons, Teestuben und andere öffentliche Erfrischungsstätten dürfen Kellner und Kellnerinen jüdischen Ursprungs nicht beschäftigen, die freigewordenen Stellen müssen durch Rumänen christlicher Konfession ersetzt werden. Der Zentralrat der Juden Rumäniens erhob in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten Goga Ein- Wendung gegen diese Massnahme, durch welche mitten im harten Winter Tausende Juden ihren Lebensunterhalt verlieren. Die Bukarester Tageszeitung »Capitalia« berichtet, dass der Indus* trie- und Handelsminister demnächst eine Verordnung erlassen werde, dergemäss 90°/o aller in privatunternehmungen beschäftigten Personen reinblütige Rumänen sein müssen. Die Verordnung wird sich nicht allein auf die Gesamtzahl, sondern auch auf die Kategorien der Angestellten beziehen, so das z. B. in leitenden Stellungen ein Jude nur wird beschäftigt werden können, wenn mindestens neun leitende Stellen von Rumänen besetzt sind. — Der rumänische Sportverband hat beschlossen, den numerus proportionalis in allen Sport-Teams, die Rumänien bei internationalen Wettspielen vertreten, einzuführen. Auf je acht reinblütige Rumänen werden drei Spieler der Minderheiten Rumäniens kommen. »Curentul« teilt mit, dass in einer Versammlung christlicher Studenten beschlossen wurde» von der Re- »Der Jüdische Herold« gierung die Einführung des numerus clausus für Juden an der Czernowitzer Universität zu fordern, andernfalls würden die Studenten in den Streik treten. Genf. Einen aus Bukarest hier eingetroffenen Telegram ist zu entnehmen, dass es 1m dortigen Justizpalast zu blutigen Ueberfällen auf jüdische Anwälte gekommen ist. An der Medizinischen Fakultät wurden jüdische Studentinnen misshandelt. König Karo! will keine Ge* waltmassnahmen gegen die Juden treffen. Genf. König Carol II. von Rumänien empfing den europäischen Direktor des amerikanischen Nachrichtenbüros Associated Press und gewährte ihm ein Interview über die gegenwärtigen politisehen Ereignisse in Rumänien. In der Unterredung heisst es u• a: Der König erklärte einleitend, in Rumänien sei das jüdische Problem aktuell Es ist noch nicht ganz klar, auf welche Weise dieses Problem gelöst wird, aber der erste und wichtigste Projekt dei rumänischen Politik, sagte der König, wird sein, unbedingt jedweden Gewaltmassnahmen gegen die Juden absolut auszuweichen. Dessen sind wir uns sicher. Der amerikanische Journalist stellte an König Carol die Frage, ob irgend ein Vorschlag für eine Massenausweisung oder die Ansiedlung der Juden in irgend einem anderen Weltteile existiere. König Carol antwortete, seine Regierung habe sich mit dem Studium dieser Frage noch nicht befasst. Es käme uns sehr gelegen, wenn unsere Juden freiwillig abreisen würden, aber wir haben bisher die Möglichkeit einer Massenausweisung noch nicht studiert und niemand hat bisher an den Ort gedacht, wohin diese Juden reisen könnten. Für Rumänien ist es sehr schwierig, sich selbst mit dieser Frage zu befassen. Es würde eine internationale Aktion voraussetzen und bisher hat niemand für eine ähnliche Aktion die Initiative ergriffen. Am Schluss seiner Unterredung berührte der König die Entwicklung der Genfer Ereignisse und sagte, dass ihm die Vertagung der Diskussion über die Minderhei enfrage Freude bereitet habe. Der König sagte hierbei wörtlich ־. Die Vertagung der Diskussion über die Minderheitenfrage gewährt uns eine Atempause. Wir wollten einer derartigen Diskussion nicht ausweichen, man muss aber begreifen, dass die neue Regierung, die einen neuen Weg einschlägt, etwas mehr Zeit braucht als nur einige Wochen, um die Grundsätze ihrer Politik festzu* setzen und die Probleme eingehender zu studieren. BUKAREST. Der Verein der In• genieure hat beschlossen, alle Juden auszuschliessen. Der Vereinvorstand wurde beauftragt, der Regierung folgende drei Forderungen vorzulegen : 1. Jüdische Ingenieure sind aus staavliehen und öffentlichen Stellen zu entfernen. 2. Alle fremden Staatsbürger, die in öffentlichen Unternehmungen oder in der Kriegsindustrie beschäftigt sind, sind zu entlassen, 3. Das Gesetz zum Schutze Rumäniens ist streng durchzuführen. In allen Privatbetrieben müssen wenigstens 90 Prozent der Angestellten ethnische Rumänen sein, 3 BUKAREST. Das Regierungsblatt *Tzara Noastra“ teilt mit, dass Aussenminister Micescu in Genf den rumänischen Standpunkt hinsichtlich der Gesuche der jüdischen Minderheit, denen der Völkerbundrat die Dringlichkeit verweigerte, erfolgreich vertreten hat. Dieser Erfolg bedeutet, sagt das Regierungsblatt weiter, die Bestätigung der vollständigen Souveränitäl Rumäniens hinsichtlich der Minderheitenfragen. NEW YORK. Das Executivkomitee und das Administrative Committee des American Jewish Congress hielten eine ausserordentliche Konferenz ab, welche an den Völkerbundsrat in Genf anlässlich seiner 100. Tagung telegrafisch einen Appell um verstärkte Sicherung der Rechte der jüdischen Minderheit in Rumänien sandte. Die amerikanische Regierung wurde von der Konferenz ersucht, weitere Vor- Stellungen bei der rumänischen Regierung zu erheben, damit die Existenz der jüdisehen Minderheit in Rumänien gesichert werde. BUKAREST. »Vutorul« teilt mit, dasss die auch im Ausland aufgetauchte Meldung von einer Ver- Schiebung der Überprüfung der Staatsbürgerschaften der Juden unzutreffend ist. Das Justizministerium erwäge lediglich die Verlängerung der ursprünglieh zwecks Vorlage der betreffenden Beweisdokumente festgelegten Frist. BUKAREST. Die Wiener Tel. -Co. erfährt, dass durch eine Verordnung vom 24. Januar nicht nur das Czernowitzer Jüdische Haus, sondern sämtliche Realitäten der Czernowitzer jüdischen Kultusgemeinde beschlagnahmt und dem Metropoliten von Czernowitz zu kulturellen Zwecken zur Verfügung gestellt wurden. GIBRALTAR. Nach verlässlichen Informationen hat der Franco-General Queipo de . Llano, der wegen seiner judenhetzerischen Rundfunkreden bekannt ist, der sehr kleinen jüdischen Gemeinde Sevilla eine Kollektivstrafe von 138.000 Pesetas auferlegt. Der General hat den Juden von Sevilla schwere Repressalien angedroht, falls diese Summe nicht bald voll eingezahlt wird. BUDAPEST. Die Anwesenheit des Leiters der NSDAP Auslandsorganisation Ernst Bohle in Budapest wird von den Budapester Antisemiten zu einer heftigen antisemitischen Kampagne ausgenutzt. Von Motorrädern aus werden antijüdische Flugblätter verteilt. Von den Galerien der Kinos und Theater werden antisemitische Pamphlete unter das Publikum gestreut. Drei Personen wurden verhaftet. TORNALA. Die Leitung der hiesige Ateresz Bachurim-Jugend- Verein im Rahmen der allwöchentliehe Sabatnachmittags-Vorträge beehrte den Herrn Aladär Roth Religionslehrer aus Komärno, — der vorige Woche als Gast in unsere Khilo verweilte — mit einem Drösö. Der Vortrag des Herrn Roth stand auf hohem Niveau und hat die zahlreich erschienene Zuhörerschaft im ununterbrochener, gespannter Aufmerksamkeit gehalten«