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Der jüdische Herold · 1937-12-02 · 45 (2.12.1937) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Herold
Volume
13 (1937)
Issue
45 (2.12.1937)
Date
1937-12-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Hungarian
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3 »Der Jüdische Herold« 3 c. 6. irmsaRVK Luid Die synasoee. Im ״Hapoel Hazair“ vom 19. Tischri veröffentlicht Mirjam Singer, Mitglied der Kewuzah in Deganja. Reminiszenzen an Thomas Masaryk. Wir lesen darin u. a.: ״Meine Auskunft über die Verhältnisse der Kolonie interessierten ihn ungemein. Dann aber fragte er fast im Tone einer Zurechtweisung: ״Warum gibt es bei Ihnen keine Synagoge?“ Ich bemühte mich, ihm klar zu maeben, dass die Mitglieder unserer Kolonie nicht gewillt seien, mechanische Gebete ins Weltall hinauszuschicken, auch nicht ihre religiösen Gefühle, falls sie solche empfinden, an Zeit, Wort und Raum zu binden. Da hielt Masaryk mitten im Gehen still, schaute mich durchdringend an und sprach : ״Ein Irrtum. Jedes Gebet, auch wenn an Wort und Zeit gebunden, hat eine reinigende und stärkende Wirkung. Gebet ist Ausdruck der Religiösität und diese ist Urquelle aller Tugend, alles Guten und Reinen.“ Ich hörte Worte, die wohl zu meinem Verstand sprachen, aber nicht zu meinem Herzen. Jezt aber, im reiferen Alter, begreife ich erst die Aeusserung des Präsidenten der tschechischen Republik in der ganzen Tiefe ihrer Bedeutung,“ Zu diesem Bekenntnis von Mirjam Singer bemerkt der Tel Awiwer ״Haarez“ : ״Und zu welchem Resultate führte die späte Erkenntnis der Frau Singer und der anderen Mitglieder in Deganja, die die Mutter der neuen nationalen Siedlungen in Erez Israel ist? Eine Synagoge hat Deganja heute noch nicht. Es wird aber ein Tag kommen, da diese Fragen uns auch von den Kindern gestellt werden. Was wollten die Männer und Frauen von Degania darauf antworten?״ Dass einmal die Frage von den Kindem gestellt wird, befürchten wir nicht, sondern ist unsere Hoffnung. (Der Israelit.) Das Chanuka - Licht. Düstere Wolken verdunkelten den Himmel, die Nacht ist noch finsterer wie sonst. Kein Mondschein, kein Sternchen ist auf dem Himmel zu sehen. Dicke Tropfen fallen langsam vom Himmel, welche sogleich zu Eis gefrieren. In dem kleinen Dorfe ist alles still, wie wenn das ganze Do־f ausgewandert wäre. Die Bauern haben sich schon längst zu Ruhe begeben. Auf der einzigen Gasse des Dorfes lässt sich niemand blicken. Erstens wegen des unheimlichen Wetters, dann wegen des Krieges. In den Nachbarsortschaften hörte man heule von einem Gefechte, dies veranlasste die Bauern sich noch früher in ihre Hauser zurückzuziehen. Nur in einem Fenster des Dorfes schimmerte ein Lichtlein. Dort wohnte R’Wolf Schuster der einzige Jude des Dorfes. Es war Chanuko, so stellte er ein öh’tigel in das Fenster und dieser flakkerte schläfrig. R’Wolf war in seiner Jugend Schuster, von damals blieb ihm der Name. Später kam er in dieses Dorf, welches zwischen Surah und Neuhäusel lag. Er beschäftigte sich mit Handel. Er kaufte alles was man in dem Dorfe kaufen konnte und trug seine Waare in die umliegende Städte zum Verkauf. Einmal nach Suran, ein anderesmal nach Neuhaüsel oder Neutra. Er ernährte sein Haus in zimmlischem Wohlstände, denn er und sein Weib Breindl waren fleissjg und eingezogen und führten ein strengjüdisches Leben. Ihre zwei Söhne waren auf einer Jeschiwo, nur ihre 8jährige Tochter Nechomo war mit den Eltern zu Hause. Letztere Zeit ist es ihnen etwas schlechter gegangen. Es war nämlich in den Zeiten als in Wien Kaiser, u. König Josef I. resiedirte und mit den Ungarn we'che sich unter der Führung des Franz Rakoczy sich versammelt haben einen Krieg führte. Zu jener Zeit war der Hauptsitz der Ungaren in Neuhäusel, wo sich die zwei Hauptanführer Räkoczys der ßriegadir Ocskay und General Bottyän befanden. R’Wolf konnte vom Dorfe nicht hinaus und im Dorfe war für ihm nichts zu tun. So zehrten sie allmäh'ig das Wenige, was sie sich erspart haben auf. Jetzt sprachen sie auch über ihre Lage. Was machen wir R’Wolf wenn der Krieg noch ein paar Wochen dauert? Unser Geld ist bereits dahin und die Lebensmittel werden täglich teuerer, was machen wir? Meine liebe Breindl sagte r’Wolf Hasch£m-jiszborach (der 1. G. . .) hat immer geholfen, er wird uns wieder helfen. Da müste ein Nesz (Wunder) geschehen. Nun so wird ein Neszgeschehen denn es geschehen ja jeden Tag Niszim, nur wollen es die Menschen nicht an• erkennen. Erzählt uns nicht auch die Menajro von G-ttes Wunder? In diesem Momente wurde auf dem Fenster geklopft. Erst langsam, dann immer lebhafter. Schma Jiszroel! schrie die Frau auf Was kann das sein? Beide waren erschrocken, denn wenn es Soldaten sind, gehören zu welchem Heere immer für einem einsame e Juden sieht sich von dem Besuche nicht viel Gutes heraus. Furchtsam öffneten sie die Thüre, da kam ein durchnäster von Koth beschmutzter Soldat hinein, in dem sie allmählig einem Officier erkannten. Als der Ankommende sah, das er sich bei einem erschrockenem Juden befindet, sagte e r furchtet Euch nicht ich tue Euch nichts. In dem trüben Wetter» in dieser finsterer Nacht habe ich mich verirrt. Als ich der Strasse entlang durch den kotigen Weg watete führte mich das Lichtlein im Fenster zu Euch. Wo bin ich eigentlich? R’Wolf nannte ihn das Dorf der Officier erzählte das er von Neutra kommt und er mus mit einer wichtiger Botschaft zum General nach Neuhäusel. In Begleitung eines Soldaten hat er den Weg angetreten. Auf dem gefrorenem Wege sind beide Pferde nebem einem Graben ausgeglitten, er hatte noch soviel Zeit das er während des Sturzes vom Pferde hat hinunter springen können, während sein Begleiter unter sein Pferd kam und schwer verletzt wurde, so das er nicht gehen konnte. Der Officier hatte noch soviel Gefühl das er den Soldaten mit einer Decke zudeckte und gierg vorwärts aufs geratewohl denn sein Pflicht-Gefühl trieb ihn weiter. Jude I du must mich sofort nach Neuhäusel führen, denn mir ist der Weg unbekannt. Bitte gnädiger Herr Officier! ruhen sich nur aus, wir werden etwas ein Gelege zurecht machen und zeitlich in der Früh werden wir gehen. Nicht so : denn in der Früh mus ich schon dort sein, daher müssen wir sofort gehen und keine Minute säumen. Da kam Frau Breindl dazu und sagte : Bitt schön gnädiger Herr Officierleben ich habe eine gute Kümmelsuppe gekocht, kosten Sie »ie sie wird Ihnen sehr gut kommen, Wad» SBSft mm 0m. ז 1 ■ KOSTENLOS ERHÄLTLICH VON DER NäHRMIITELFABRJK 08 AOETKER״ BRONN* denn Sie sind durchgekället. Etwas besseres habe ich leider nicht. Der Officier löfellte gierig die Suppe und fühlte sich wie neu belebt. Er gab der Frau ein Goldstück, welches sie nicht nehmen wollte. Behalten sie es nur! diese herrliche Suppe war viel mehr werth. R’Wolf zog seine Peltzmütze über die Ohren, einen warmen Schal um den Hals, nahm seinen grossen Stock und verabschiedete sich von seinem Weibe küsste die Mesuso und gieng mit dem Officier. Frau Breindl sagte ihrem Manne ״J’worechecho“ nach und legte sich nieder. Langsamerweise heiterte sich der Himmel aus, die dicke Finsterniss löste sich allmählig so konnten sie behutsam vorwärts schreiten. Um zwei Uhr nach Mitternacht kamen sie in Neuhäusel an. Vor dem Wachposten legitimirte sich der Officier und Hess sich sofort zum Oeneral führen, der sich sehr freute das er die wichtige Nachricht zur Zeit erhielt und belobte sehr den Officier wegen seiner Pflichttreue. Dieser gab den Juden 100 Dukaten und sagte: Nimm dieses Geld was ich gestern im Würfelspiel gewonnen habe. Ich bin Adam Balog der Gutsbezitzer von Nograd. Zum Leben habe ich genug mein Einkornmen. Wenn du mich einmal aufsuchen wirst will ich mich gerne dankbar zeigen. Jetzt ruhe dich aus und in der Früh gehe nach Hause. R’Wolf hatte keine Geduld. Er konte nicht einschlafen, noch vor Tagesanbruch lies er sich von einem Ordonanc über die Wachposten führen und eilte zu seiner besorgten Breindl nach Hause, die während der ganzen Nacht ebenfalls kein Auge zumachen konnte und zum Allmächtigen gebetet hat. Ribajnai schel Ajlom führe mir meinen Mann bald gesund nach Hause. Die Freude des Wiedersehens war so gross, wie wenn sie sich schon viele Jahre nicht gesehen hätten. Erst als er auspackte was er von dem ״noblen“ Szrore (Herrschaft) bekommen hat da hatten die viele Lobes und Dankessprüche für den ״Ribajnai schel Ajlom“ kein Ende. H. L. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur LEOPOLD QOLDSTEIN GEDRUCKT bei Leopold Goldstein DUNAJSKÄ STREDA. Postschekkonto Nummer 56,255 in Prag

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