Der jüdische Herold
- Journal
- Der jüdische Herold
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 44 (25.11.1937)
- Date
- 1937-11-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Hungarian
- Belongs to
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2 ״Chanuka!“ pon Rabb. Benjamin Benedikt Wien Einer der grössten Staatsmänner unseres Kontinents im 20. Jahrhundert, der bereits als junger Rechtsanwalt in einer Zeit, da sein Vaterland von einer Welle des Judenhasses überflutet wurde, den Kampf für eine gerecht jüdische Sache übernahm und der dann später zum Ministerpräsidenten seines Vaterlandes wurde, erzählt in seinen Memoiren über eine Begegnung mit dem grossen Juden, dem bekannnte Philantropen, dem Nadiw Hajadua, Baron Rothschild, folgendes: Es war eines Tages, Rotschild war bei mir, ich war sehr schlechter Laune und begann über die Juden zu schimpfen. Da stand Baron Rotschild auf, schlug auf den Tisch, den Tisch des Ministerpräsidenten von Frankreich, auf und rief mir zu: Herr Clememceau, schweigen sie, denn wir Juden sind das grosste Volk auf dem Erdenrunde. Und er begann mir zum Beweise die Geschichte der Makkabäer auseinander zu setzen. Wann und wo nur je ein Jude auf die Grösse jüdischer Geschichte hinweisen wollte, wann und wo nur je ein Jude den Vorwurf jüdischer Feigheit zurückweisen wollte, zitierte es die Geschichte der Makkabäer, die glorreiche Geschichte jener Makkabäerkämpfe und Makkabäersiege, die uns mit Stolz erfüllen. Es nimmt uns daher besonders wunder, wenn wir in unserem Talmud, diesem Buche, das alles, was nur irgendwie und irgendwo mit der jüdischen Geisteswelt in Berührung gerät, erörtert und bespricht, Chanuka fast gar keiner Erwähnung gewürdigt wird. Nur an zwei Stellen (in Masseches Schabbos und Megillas Taanis) wird uns ein Bericht, der zusammengefasst, ungefähr folgenden Wortlaut ergibt: . . . ‘מאי חנוכה? דת־ר וכו Was ist Chanuka? Es lehrten die Rabbinnen: Chanuka sind acht Tage, an denen man nicht fasten und keinen Nach* ruf halten darf, denn als die Griechen im Tempel eindrangen, verunreinigten sie alle Ölle im Tempel, und als das Königs, haus der Hasmoneer erstarkte und sie besiegte, suchten sie nach und fanden nichts, als nur ein einziges Olkrüglein, welches mit dem Siegel des Hohenpriesters gezeichnet. Da nahmen sie acht Speere und höhlten sie an ihrer Spitze aus und gaben das Öl hinein. Und es geschah ein Wunder: Das Öl, das nur für einen Tag gereicht, brannte acht Tage. Im Beth-Hamidrasch, im jüdischen Lehrhaus der Vorzeit, wird die Frage geteilt מאי חנוכה was ist Chanuka? Und die jüdischen Weisen beantworten diese Frage nicht mit der Erinnerung an die Schlachten von Betchoron und Emmaus, sondern mit dem Wunder des ölkrügleins. Nichts von den harten Ringen nichts von den schweren Kämpfen, nichts von der Hingabe und Opferbe* reitschaft, nichts von dem Heldenmuth u. der Todesverachtung der Makkabäer, nichts von ihren herrlichen und glorreichen Siegen, nur ein kleines Wunder ist es, das scheinbar doch ganz nebensächlich ist, das aber dem Chanukafest seine Bedeutung gibt. Wir wollen daher nun versuchen, den Sinn dieser Talmud־ stelle zu erfassen׳ Der Jüdische Herold« k ׳ L Wenn man in der Scjiule mit dem Kinde zu lernen anfängt, so geginnt man,, ihm in der Geschichte von aen., ,Riesen der Vorzeit zu erzählen die recht viele Menschen getötet haben. Man erzählt ihm von jenen Königen, die Länder zerstört und Staaten vernichtet haben, von dem Hunnenkönig, der eine ganze Völkerwanderung in Bewegung setzte, von Alexander dem Grossen und seinem Siegezug. Und sogar, wenn man Sprachen zu lernen anfängt, sind die ersten Beispiele, Cäsar und Pompäus haben einander bekämpft. Und dies mag vielleicht die Deutung einer schwierigen Raschistelle sein. Der Talmud im Traktat Berachot sagt unter anderem: מנעו בניכם מן ההגיון Haltet ab eure Kinder von der Forschung 1. Dazu kommentiert Raschi: מן המקרא יותר מדאי Von der Forschung der Bibel, was zu viel ist. Es ist dies eine sehr schwierige Raschistelle. Wir können gar nicht begreifen : Raschi der sein ganzes Leben im Dienste der Erforschung der Bibel gestellt hat, soll dieses Talmud wort so gedeutet haben, dass man nicht zu viel von der Bibel dem Kinde lehre. Aber der Sinn mag folgender sein: Die ersten Eindrücke, die das Kind empfängt, sind unverwischbar, prägen sich für immer in seine Seele ein. Denn des Kindesgemüt ist leicht entzündbar, es ist leicht begeistert, und wenn es sich für jenen Eindruck, den irgend ein Ding auf ihn in seiner Kindheit macht, begeistert, dann wird ihm dies zu einem Ideal, dem nachzustreben und nachzueifem sein ganzes Mühen, Sinnen und Trachten gilt. Franzbranntwein und jetzt auch Zahn-Creme AL PA Und wenn wir einem Kinde von solchen Menschen, wie Alexender der grosse erzählen, so wird das Kind sich einen solchen Gewaltmenschen, der um grösser zu sein als andere und um seinen Thron zu festigen, Menschen tötet, Länder mit Krieg überzieht, Staaten zerstört, Reiche vernichtet, zu seinem Ideal machen. Nicht so sollen wir Juden unsere Jugend erziehen. Wir sollen das Gemüt des Kindes schon in der frühesten Jugend für Frieden, Warheit, Recht und Gerechtigkeit begeistern, indem wir ihm erzählen von Abraham, Jizchak und Jakob, von den Urvätern Israels, die viele Verfolgungen erleiden mussten, als sie für Wahrheit und Gerechtigkeit eintraten. Wir sollen ihnen erzählen von Mosehe Rabbenu, der den Pharaonenpalast verliess und auf seine Zukunft verziehtete, um hinauszugehen zu seinem versklavten Brüdern und sich zu ihnen zu bekennen. Wir sollen ihnen erzählen von Jeschajahu, Jinnij&hu und Jecheskeel von all dem grossen Propheten die mit ihrem Leben für Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit eintraten. Wir sollen ihnen aber nicht erzählen von jenen Einzelnen auf dem jüdischen Königsthron, die das Volk unterdrückten und die die Wahrheit bekämpften, denn das Kind könnte sonst solche Gestalten zu seinem Ideale erwählen. Mit Recht bemerkt daher Raschi zu dem Talmudworte מנעו בניכם מז הדגיון •י Haltet ab eure Kinder von der Forschung מן המקרא יותר מדאי Der Bibel was zu viel für sie ist 0 ja, die Bibel sollt ihr sie lehren aber nur jene Teile, die für die Kindesseele geeignet sind, jene Teile, die von Abraham, Jizchak, Jakob und Mosche, die Jeschajahu, Jirijahu Jescheskeel und den übrigen Propheten handeln um so in ihnen schon im zartsten Kindesalter das Gefühl der Liebe für Frieden nicht das was zu viel ist, nicht von Jenen deren Lebensgeschichte für das kindliche Gemüt nicht geeignet ist. (Forzetzung folgt.) NACHRICHTEN KALENDER. *פרשת וישב הפט׳ כה אמר ה שבת Lichtzünden (in Dun. Streda) 3.45 Schabbos-Ausgang 1.55 Montag 29. November א‘ חנוכה פרשת מקין שכת הגובה א‘ דר“ ה טבת הפט׳ רני וש‘ שבת Lichtzünden (in Dun. Streda) 3.40 Schabbos-Ausgang 4.50 DOBS1NA. שבת ם‘ תולדות hatten wir einen wahren עונג שבת Herr Oberrabbiner Abelesz Tekovske Sarluhy weilte hier als Oast. Die Gemeinde beehrte ihm mit einer Droscho die alle Anwesenden entzückte. Die Gemeinde veranstaltete eine Mlave Dmalke, bei welcher Gelegenheit Seine Ehrwürden mit schöne Divre Thora das Mahl würzte. Auch ergriff das Wort H. Rabbiner L. Deutsch der Schwiegersohn des H. Oberrabbiners Abeies mit Beifall. Nachher begrüste und dankte den grossen Gast Herr M. Greschler. Er ersuchte den Oberrabbiner die Gemeinde öfter zu besuchen da seine Moral und Divr6 Thora zum Vorteil der Gemeinde ist. Mit Sirajsz Vszisbochajs erfreute uns Herr S. Rindner שוב. Kulturporträge. In Nove Zämky besteht seit über drei Dezenien der ״Tife* res Bachurim“ Verein, der Verein der orth. jungen Leute. Schon vor 15 Jahren hat dieser Verein eingeführt jeden Freitag Abend einen öffentlichen Vortrag zu halten um die jüdische Kultur und traditionelle Glaubenstreue zu pflegen. Die- Se Vorträge werden nicht bloss von den Mitgliedern sondern auch vielen anderen besucht und von verschiedenen Herren gehalten. Die heurige Wintersaison wurde von den ständigen Vorträger Chajim Duxler eröffnet, der wie sein Schwager Rabbiner S. Unsdorfer Bratislava seine Zühörer stets zu fesseln versteht. Ihm folgten Direktor i. R. Adolf Graf, dann Schuldirektor Emerich Reich. Diesen Freitag Abend hielt Herman Lövy den Vortrag, welchen er mit dem Anfänge der Sidra einleitete. Dann hat er einige Auszüge von seiner ung. Übersetzung des ״P6le Jaez“ vorgelesen, was auf die aufmerksame Zuhörer einen tiefen Eindruck mach« te. Die Vorträge werden jeden Freitag Abend fortgesetzt,